Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Rassismus-Debatte in Österreich nach Attacke gegen junge Muslima | BR24

© dpa-Bildfunk

Symbolbild Muslima

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Rassismus-Debatte in Österreich nach Attacke gegen junge Muslima

Mit wüsten Beschimpfungen wie "Das ist mein Land du Hure" und "Verschwinde du Scheiße" hat eine Seniorin eine junge Muslima in Wien attackiert. Die 25-Jährige filmte, wie sie bespuckt und beschimpft wurde - und löst eine Diskussion in Österreich aus.

Per Mail sharen

Eine Straßenbahnhaltestelle in Wien. Eine ältere Frau geht auf eine Wienerin los, die ein Kopftuch trägt. Die 25-jährige Designerin ist eigentlich auf dem Weg ins Fitnessstudio, als sie von der Frau beschimpft wird: "Verschwinde du Scheiße! Das ist mein Land du Hure – die FPÖ schmeißt euch alle raus!" Danach bespuckt die Seniorin die junge Frau.

Die 25-jährige Muslima filmt die Attacke mit dem Handy. Sie möchte anonym bleiben, zeigt das Video aber ihrer Freundin Asma Aiad. Die 29-Jährige ist Bloggerin und setzt sich gegen Rassismus ein. Sie lädt das Video bei Facebook hoch. Um auf den Alltagsrassismus aufmerksam zu machen, sagt sie:

"Wir müssen uns so oft anhören, dass das gar nicht stattfindet, dass wir uns das nur vorstellen. Sie hat sich gedacht – ich packe jetzt das Handy aus und filme, was da passiert, weil es uns so oft nicht geglaubt wird." Asma Aiad, Bloggerin

Asma Aiad sagt, dass Rassismus zum Alltag vieler Menschen in Österreich gehört, die anders aussehen oder eine andere Sprache sprechen. Das sei schon länger so. Aber seit dem Regierungswechsel Ende 2017 und dem vorangegangenen Wahlkampf, habe sich diese Form der Diskriminierung verstärkt:

"Ich glaube, dass sie jetzt einfach eine andere Form annimmt, in der Menschen sich bestärkt fühlen. Sie haben das Gefühl haben, es sitzt jemand da oben, der sie beschützt. Und ich glaube, das ist das, was es umso gefährlicher macht." Asma Aiad, Bloggerin

FPÖ veröffentlichte rassistische Botschaft

Gemeint sind rassistische Botschaften wie dieses Video, dass die Regierungspartei FPÖ im November 2018 in sozialen Netzwerken veröffentlichte und nach massiver Kritik schnell wieder gelöscht hat. Im Video zu sehen ist ein fiktiver Ali, der mit der Krankenkassenkarte seines Cousins Mohamed medizinische Leistungen erschleicht. Das solle aufgrund einer FPÖ-Initiative künftig nicht mehr möglich sein. Die Botschaft: "Pech gehabt Ali".

Rassistische Vorfälle in Österreich nehmen zu

Auch Elif Adam von der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit spricht davon, dass die Zahl rassistischer Vorfälle gegen Muslime in Österreich zugenommen hat. 2018 hatte die Organisation 540 Fälle dokumentiert. Verbale und tätliche Angriffe, rassistische Schmierereien, Benachteiligungen im Job. Elif Adam macht für solche Vorfälle unter anderem Politiker verantwortlich, die bestimmte Sprachbilder benutzen. So sei im Parlament wiederholt von islamistischen Kindergärten gesprochen worden - gemeint waren islamische Kindergärten. Eine Moscheen-Gemeinde habe zudem einen Brief der österreichischen Justiz erhalten - adressiert an die "Islamistische Glaubensgemeinschaft".

"Das heißt, dass wir in politischen Diskursen immer wieder beobachten, dass die muslimische Bevölkerung von Österreich fremd verortet wird, als eine Gruppe, die Österreich nicht zugehörig ist. Und das schlägt sich im Alltagsrassimus wieder, weil man diese Framings übernimmt" Elif Adam, Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit

Video wurde bereits 250.000 aufgerufen

Das Video, das Asma Aiad hochgeladen hat, ist inzwischen fast 250.000 Mal aufgerufen worden. Viele Menschen zeigen sich in Kommentaren solidarisch mit der beschimpften 25-Jährigen, die während des gesamten Videos ruhig und besonnen agiert. Nur gegen Ende reißt ihr der Geduldsfaden und sie ruft: "Das ist mein Land!"

Asma Aiad hat Tränen in den Augen, als sie über diese Sequenz spricht. Dabei findet sie, dass ihre Freundin richtig gehandelt hat:

"Man darf sich selber nie als schuldig sehen. Das wird oft so dargestellt, als ob man selber provoziert hat oder nicht hätte zurückreden sollen. Es ist immer der Täter, der böse ist, und nicht die Person selber." Asma Aiad

Dass inzwischen selbst der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz den Vorfall scharf verurteilt hat, begrüßt Asma Aiad zwar. Sie glaubt aber nicht, dass das reichen wird. Ihrer Meinung nach müssten Taten folgen.

Mehr zum Thema
  • FPÖ veröffentlicht rassistischen Clip
  • FPÖ - auch zehn Jahre nach Haiders Tod auf seinem Kurs
  • Wie fremdenfeindlich ist Deutschland?
Autor
  • Srdjan Govedarica
Schlagwörter