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Bildrechte: Boris Roessler/dpa

Gegen Rassismus: "Silent Demo" im Juni auf dem Römerberg .

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    Rassismus: Von Black Lives Matter bis zur "Mohren"-Debatte

    Der Mord an dem Afroamerikaner Georg Floyd durch Polizeibeamte hat eine weltweite Debatte über Rassismus befeuert. Ähnlich wie in den USA zeigte sich dabei auch in Deutschland: unsere Geschichte ist noch längst nicht aufgearbeitet.

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    Von
    • Friederike Weede

    Diskussionen über Rassismus und die Black Lives Matter-Bewegung haben auch Europas kolonialistische Vergangenheit neu in die Öffentlichkeit gerückt. Der Kolonialismus prägt die deutsche Kultur stärker, als Vielen bewusst ist, sagt Tahir Della vom Verein Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. "Es gab sowohl unter den anderen Kolonialmächten wie auch in Deutschland Ausbeutung, Versklavung, und was ganz zentral gemeinsam ist, ist dass keine dieser Nationen jemals Verantwortung übernommen hat für diese 500 Jahre Kolonialisierung."

    Deutschland herrschte über Kolonien in Afrika – mit dem Segen der Kirche und oftmals sogar mit tatkräftiger Unterstützung durch ihre Missionare. Bei Stadtführungen versuchen Menschenrechtsaktivisten Besucher für dieses Geschichtskapitel zu sensibilisieren. In München zum Beispiel der Verein Commit e.V. mit "Postkolonialen Stadttouren". Am Grab von Karl Friedrich Phillip von Martius geht es dann beispielsweise etwa darum, dass er und Johan Baptist von Spix von1817 bis 1820 auf ihrer Expedition im Auftrag des bayerischen Königs nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Jugendliche mitbrachten.

    Münchner wie Dohra Mohamed sind schockiert. Die 31-Jährige ist in Bayern geboren. Ihre Eltern aber stammen aus Djibouti in Ostafrika, bis 1977 französische Kolonie. "Das ist meine Geburtsstadt und dass da hier so eine Geschichte dahintersteckt, so eine gewaltige, schreckliche Geschichte dahintersteckt, die eigentlich kaum irgendwie zur Sprache gebracht wird."

    Mohren auf Wappen und stereotype Darstellungen

    Sichtbar wird der Exotismus der Vergangenheit zum Beispiel in Stadtwappen mit "Mohrendarstellungen" wie in Freising, im schwäbischen Lauingen oder in Coburg, wo heuer eine Petition gegen den Mohren im Stadtwappen ins Leben gerufen wurde sowie eine Gegenpetition für seine Erhaltung. Selbst im persönlichen Wappen von Benedikt XVI. ist in Erinnerung an seine Zeit in Freising eine schwarze Person zu sehen. Ursprünglich waren Mohrendarstellungen allerdings oft ein Symbol der Verehrung, erklärt der Historiker Reinhard Heydenreuter. "Die meisten Mohren-Darstellungen gehen auf den heiligen Mauritius zurück, einen der wichtigsten Heiligen des Heiligen Römischen Reichs."

    Aber auch wenn sie ursprünglich keine rassistische Intention ausdrückten, erregen die oft klischeehaften Darstellungen die Gemüter. In der evangelischen Münstergemeinde Ulm kam im Oktober Streit um die Heiligen Drei Könige auf, da die aus den 1920er-Jahren stammende hölzerne Figur des Melchior rassistische Stereotype bedient, so der Ulmer Dekan Ernst Wilhelm Gohl. "Also, man sieht es einfach am Gesicht: Dicke Lippen, eine etwas platte Nase, auch die verdrehten Beine, das entspricht halt dieser Vorstellung, die man in der nachkolonialen Zeit von schwarzen Menschen hatte."

    Ähnlich emotional wurde über Blackfacing bei den Sternsingern gestritten – muss einer der Heiligen Drei Könige wirklich schwarz geschminkt werden, nur weil er Afrika repräsentiert?  Rassistisch sei das zumindest nicht, fand der Passauer Domdekan Hans Bauernfeind.  "Ich wehre mich dagegen, dass man pauschal sagt, alle Kinder oder Jugendlichen, die schwarz angemalt sind als Sternsinger, dass das von vorneherein rassistisch ist, sondern dahinter steckt die Botschaft, das sind Menschen aus der ganzen Welt, die die Menschwerdung Gottes bezeugen und das ist das eigentlich Wichtige und Bedeutende."

    Kein Blackfacing bei den Sternsingern mehr

    Trotzdem: Die Empfehlung des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend lautet: kein Blackfacing unter Sternsingern. Eva Russwurm, die die Sternsingeraktion im Erzbistum Bamberg betreut, ist damit einverstanden. "Wir wollen auf keinen Fall, dass die Sternsingeraktion den Touch bekäme, dass wir rassistisch wären, dass wir Menschen mit dunkler Hautfarbe abbilden anhand ihrer stereotypischen Merkmale und deshalb empfehlen wir allen unseren Verantwortlichen, wenn sie damit Probleme sehen, dann sollen sie bitte darauf verzichten."

    Für Tahir Della vom Verein Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, kann das allerdings nur ein erster Schritt sein. "Es gibt eben auch um schwarze Kinder, die man fragen könnte, ob sie diese Rolle übernehmen wollen, anstatt weiße Menschen umzuschminken, um schwarze Menschen darstellen zu lassen. Wir wollen, wenn überhaupt , uns selbst darstellen und nicht dargestellt werden und schon gar nicht in der Form wie es eben sehr rassistisch aufgeladen ist."

    Haustüraufkleber statt Sternsinger von Haus zu Haus

    Allerdings: Dieses Jahr dürfen die Sternsinger wegen Corona sowieso nicht von Haus zu Haus ziehen, stattdessen kann man sich den Haussegen als Aufkleber zuschicken lassen.

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