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Ramadan-Ende in der Türkei

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Ramadan-Ende in der Türkei: Ausgangssperre statt Familienfest

Normalerweise wird das Ende des Fastenmonats Ramadan mit Familie, Freunden und Nachbarn gefeiert. Unter Corona ist das alles verboten. Zum ersten Mal in der Türkei gibt es einen landesweiten Shutdown über vier Tage.

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Im Netz werden die vermeintlich positiven Seiten der Ausgangssperre über die Bayram-Feiertage sarkastisch gefeiert. Man muss das Haus nicht, wie normalerweise, vorher putzen und nicht für Besucher, die unangemeldet kommen könnten, groß aufkochen. Man muss keine Leute treffen, die man gar nicht mag und spart eine Menge Geld.

Kinder und Jugendliche besuchen an Bayram eigentlich traditionell die älteren Verwandten, küssen ihnen die Hand und kriegen dann etwas Taschengeld zugesteckt. Außerdem kaufen sich viele fürs Zuckerfest etwas Schönes zum Anziehen. Das haben einige dieses Jahr allerdings trotz Corona noch vor der Ausgangssperre gemacht. In den Einkaufszentren Istanbuls war viel los. Sofort gab es Spott im Netz: Wann wollt ihr das denn tragen? Eine Userin twitterte ihre Bayram-Schlafanzüge.

"Das wird uns allen fehlen"

Salih Ucar steht am Freitag vor dem Shutdown mit seinem Melonen-Laster in der Küstenstadt Kas im Süden der Türkei. Er fastet nicht während des Ramadans, auch dieses Jahr nicht, gibt er zu. Ja, eigentlich müsste man, meint er. "Aber die Arbeit..."

Trotzdem ist das Zuckerfest was ganz Besonderes für ihn: "Wir sind eine große Familie. Mein Vater hat neun Kinder. Und mit Schwiegertöchtern, Schwiegersöhnen und Enkelkindern kommen da 40 bis 50 Personen zusammen. Aber dieses Jahr wird das nichts. Das wird uns allen fehlen."

Er schwelgt noch ein bisschen weiter in Erinnerungen: "Bei uns läuft das normalerweise so ab: Wir besuchen die Eltern und küssen ihnen die Hände, schenken den Kindern Süßigkeiten und geben ihnen Taschengeld, gehen mit der Familie aus, besuchen Verwandte und Ältere, und unterhalten uns mit ihnen. Und die Armen bekommen ein bisschen Geld zugesteckt. "

Ausgangssperren für Kinder und über 65-Jährige

Auch Yesim Yalcin, eine Ärztin aus Antalya, will sich noch nicht so recht vorstellen, wie sie die Bayram-Feiertage mit Ausgangssperre verbringen soll. Sie hat zwei kleine Kinder, mit denen sie sonst oft was unternommen hat: "In Antalya sind wir manchmal an den Strand gegangen. Hauptsächlich haben wir uns aber mit der Familie getroffen. Aber jetzt können wir nirgendwo hin. Und dieses Jahr gehe ich davon aus, dass ich am letzten Tag im Krankenhaus arbeiten muss."

Sie hat sich zumindest vor den Feiertagen und vor dem Shutdown noch ein paar Tage Urlaub in Kas, gut 200 Kilometer westlich von Antalya, gegönnt - allerdings ohne Kinder. Die dürfen seit Wochen gar nicht aus dem Haus. Ähnlich geht es den über 65-Jährigen. Die dürfen allerdings morgen als einzige für ein paar Stunden raus.

Im Netz witzeln sie jetzt, ab die Jungen diesmal schon das Taschengeld und Süßigkeiten für Oma und Opa parat gelegt haben, wenn die vorbeikommen, um ihnen die Hand zu küssen. Es ist bitterer Humor, denn die Verantwortlichen warnen davor, dass die Besuche diesmal umgekehrt stattfinden. Sie wollen ja vor allem die Älteren davor schützen, dass sie sich beim großen Familienzusammenkommen bei den Kindern anstecken.

Einkäufe - nur für sich selbst

Salih Ucar, der Melonenhändler wird die Tage wohl oder übel komplett zuhause verbringen: "Ich habe eine Tochter, die bereitet sich auf die Uni-Prüfung vor. Die möchte ich ein bisschen aufheitern und ihr was schenken. Ich habe viel zu wenig Zeit für sie, weil ich immer unterwegs bin." So versucht auch er all dem etwas Positives abzugewinnen. Aber an seinen Augen über seinem weißen Mundschutz kann man erkennen, so hat er sich das Zuckerfest in diesem Jahr nicht vorgestellt.

Dabei denkt er vor allem an seine Eltern: "Mein Vater und meine Mutter sind schon über 80. Die sind auch traurig. Wenn sie uns alle gesehen haben, ist es ihnen immer gleich wieder besser gegangen." Ucar hebt eine schwere Wassermelone auf die Waage, schneidet ein Stück raus, um seinen Kunden probieren zu lassen. Es ist einiges los auf den Straßen. Alle decken sich noch mit Proviant ein, allerdings nur für sich selbst. Mit unangemeldetem Bayram-Besuch muss dieses Jahr keiner rechnen.

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