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Radlboom führt zu mehr Toten und Verletzten im Straßenverkehr | BR24

© BR/Simon Plentinger

Die Zahl der Fahrräder in Deutschland steigt und steigt - und das hat Folgen für die Verkehrssicherheit. Denn die Zahl der Unfälle auf zwei Rädern wird damit auch höher.

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Radlboom führt zu mehr Toten und Verletzten im Straßenverkehr

Die Zahl der Fahrräder in Deutschland steigt und steigt - und das hat Folgen für die Verkehrssicherheit. Denn die Zahl der Unfälle auf zwei Rädern wird damit auch höher.

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In vielen Kommunen ist die Sicherheit bzw. Unsicherheit auf Radwegen ein drängendes Thema. Auf Deutschlands Radwegen wird es mit der steigenden Beliebtheit von Fahrrad und E-Bike offensichtlich immer enger und gefährlicher. Die Zahl der von Radlern verursachten Unfälle ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, wie die Unfallforscher der Allianz-Versicherung in einem Langzeitvergleich der Unfalldaten des Statistischen Bundesamts analysiert haben.

Zahl der Kollisionen von Radfahrern untereinander hat zugenommen

Auffällig ist dabei vor allem, wie stark die Zahl der Kollisionen von Radfahrern untereinander zugenommen hat. Demnach ist die Zahl der von Radfahrern verursachten Unfälle insgesamt von 2001 bis 2018 um zehn Prozent gestiegen, von gut 19.100 auf knapp 21.100. Die Zahl der Unfälle mit zwei beteiligten Radlern jedoch hat um fast die Hälfte zugelegt: von 3.837 auf 5.648, ein Plus von 47 Prozent.

"Ein Grund dafür dürfte sein, dass das vorhandene Radwegenetz dem veränderten Radverkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen ist." Jörg Kubitzki, Unfallforscher am Allianz Zentrum für Technik

Im ersten Halbjahr ist dabei auch die Zahl getöteter Radfahrer gestiegen, im Gegensatz zum allgemeinen Trend sinkender Todesopfer im Straßenverkehr. Das mehr Menschen Rad fahren, lässt sich unter anderem an den Verkaufszahlen ablesen. Der Zweirad-Industrie-Verband schätzt, dass der Bestand an Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland von 2012 bis 2018 von 71 auf 75,5 Millionen gestiegen ist.

Radfahrer oft mit Schuld an den Unfällen

Nach Einschätzung der Polizei trifft die Radfahrer häufig eine Mitverantwortung: Demnach verunglückten im vergangenen Jahr über 96.000 Menschen in Deutschland auf Rädern. Bei fast 60.000 dieser Unfälle ging die Polizei von "Fehlverhalten der Fahrzeugführer" aus - wobei mit Fahrzeugführer in dieser Statistik die Radfahrer gemeint sind. Häufigste Unfallursache war mit einem Anteil von über einem Fünftel das Radeln auf der falschen Straßenseite.

Vor allem ältere Radfahrer von Unfällen schwer betroffen

Besonders betroffen sind die älteren Radfahrer, jeder zweite im Jahr 2018 tödlich verletzte Radfahrer war 65 oder älter. Hier rät der ADFC: Wer nach längere Zeit wieder aufs Rad oder sogar auf ein E-Bike umsteigt, sollte sich erst einmal abseits des Straßenverkehrs mit dem Rad vertraut machen und trainieren - oder ein entsprechendes Fahrsicherheitstraining zu besuchen.

Radwege oft zu schmal und alt

"Die Unfälle von Radfahrerinnen und Radfahrern untereinander nehmen natürlich ebenfalls zu, wenn immer mehr Rad gefahren wird und auf die völlig unterdimensionierten, zerschlissenen Radwege auch noch neue Nutzergruppen, wie die E-Scooter, gequetscht werden", sagt Stephanie Krone, die Sprecherin des Fahrradclubs ADFC. "Auf diese vorhersehbare Zuspitzung der Unfallsituation weisen wir seit langem hin, beim Umbau der Städte getan hat sich leider viel zu wenig."

So gab es in München - der selbst ernannten deutschen "Radlhauptstadt" - in diesem Jahr gleich zwei Bürgerbegehren für den Ausbau der Radwege. Der Stadtrat entschied sich, die Forderungen beider Initiativen zu übernehmen. Ungeachtet der großspurigen Eigenreklame sind viele Münchner Radwege eng und holprig, in der Innenstadt fehlen sie weitgehend.

Ständiger Ärger zwischen Radlern und Fußgänger

Vielerorts sind kombinierte Rad- und Gehwege üblich. Das trennt die Radler zwar von den Autofahrern. Doch Konflikte und Unfälle mit Fußgängern und anderen Radfahrern gehören zum Alltag.

"Unterschiedliche Geschwindigkeiten sind natürlich ein Problem bei viel zu schmalen und kaputten Radwegen, oft reichen die Radwege nicht einmal zum Überholen von normalen Fahrrädern untereinander." Stephanie Krone, ADFC-Sprecherin

Und inzwischen gibt es aber viele Eltern, die ihre Kinder mit etwas breiteren Lastenrädern oder im Anhänger transportieren, da funktioniert dann das Überholen auf Radwegen überhaupt nicht mehr.