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Bildrechte: Andy Henderson / Unsplash

Immer mehr Menschen in New York satteln aufs Rad um - trotz gewisser Herausforderungen in der Metropole.

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Radfahren weltweit: Wie fährt es sich in den Metropolen?

Der Klimawandel und die Coronakrise haben dafür gesorgt, dass Fahrradfahren weltweit boomt. Aber wie gut läuft es für Radlerinnen und Radler in den großen Städten dieser Welt?

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Von
  • Judith Schacht

New York: Die Mega-City sattelt um

Seit Covid-19 New York heimgesucht hat, gibt es in der Mega-City einen regelrechten Fahrrad-Boom: Um der Subway zu entkommen, haben viele New Yorker umgesattelt und pendeln mit dem Bike ins Office, auch gerne mit dem Bike-Sharing-Programm "Citi Bike", das mittlerweile 21.500 Fahrräder in der Stadt hat und jedes Jahr weiter wächst.

New Yorks Radfahrer leben gefährlich

Trotzdem: Wer sich in New York aufs Fahrrad setzt, muss wirklich gute Nerven und alle Sinne beisammen haben. Die Fahrradwege sind eng, zugestellt und oft nicht von der Straße abgetrennt. Wenn man nicht auf dem Fahrrad-Highway am Hudson entlangfahren oder eine der geschützten "Bike Lanes" nutzen kann, dann lebt man auf dem Rad gefährlich. Der September 2020 war in New York der bislang tödlichste Monat für Fahrradfahrer: Sieben Menschen starben.

Der Trend geht daher klar zum Ausbau der Fahrradwege: Damit die Fahrrad-Begeisterten aus Brooklyn und Queens nach Manhattan radeln können, soll künftig auf der Brooklyn-Bridge und der Queensborough-Bridge je eine ganze Autospur zum Fahrradweg werden. In allen fünf Stadtteilen New Yorks wurden allein im vergangen Jahr 45 Kilometer neuer geschützter Radweg geschaffen. (Cristelle Richter/ ARD-Studio New York)

© Peter Reuther / ARD-Studio New York

Mit Helm und Maske auf dem Fahrrad zu sitzen, ist vielen New Yorkern lieber als in die enge U-Bahn zu steigen.

© Peter Reuther / ARD-Studio New York

Viele nutzen Bike-Sharing. Die Zahl der Räder ist in den letzten Monaten deutlich gewachsen auf über 21.000.

© Peter Reuther / ARD-Studio New York

Die Straßen New Yorks füllen sich immer mehr mit Radfahrern.

© Peter Reuther / ARD-Studio New York

Froh ist jeder, der im wilden New Yorker Verkehr auf einer "Bike-Lane" fahren kann. Noch gibt es sie bei weitem nicht überall.

© Peter Reuther / ARD-Studio New York

Radfahrer sollten im New Yorker Verkehr mit besonderer Vorsicht fahren. Entspanntes Radeln ist eher selten drin.

Teheran: Umdenken im Öl-Staat

Im Iran ist Fahrradfahren bisher eine Randbewegung. In Großstädten wie Teheran machen Radfahrer nicht einmal ein Prozent aller Verkehrsteilnehmer aus. Einer der Gründe: Benzin ist in dem erdölreichen Land verhältnismäßig günstig. Doch die Qualität des Treibstoffs ist oft minderwertig und führt vielerorts zu einer massiven Luftverschmutzung, auch in der Hauptstadt Teheran.

Teherans Bürgermeister steigt aufs Fahrrad

Daran müsse sich etwas ändern, meint Teherans Bürgermeister Pirouz Hanachi. Er selbst fährt einmal pro Woche mit dem Fahrrad ins Rathaus und hat versprochen, mehr Radwege bauen zu lassen. Bisher müssen Radfahrer oftmals quer durch den notorisch verstopften Verkehr, ein mühsames und oft auch gefährliches Unterfangen.

Das kritisieren auch die Mitglieder des "Green Clubs": Ein Verein von Läufern und Fahrradfahrern, die gemeinsame Touren organisieren. Einmal in der Woche radeln zudem dutzende der Mitglieder als freiwillige Kuriere durch die Stadt: Sie liefern Bestellungen von Cafés an deren Kunden aus, sparen dadurch eine Menge CO2 ein und wollen gleichzeitig mehr Menschen zum Radfahren motivieren.

Auch die Frauen sind dabei

Unter den Radlern in Teheran und auch in anderen Städten sind übrigens zahlreiche Frauen. In der Islamischen Republik ist das nicht selbstverständlich, denn immer wieder fordern Radikale ein Verbot und machen Stimmung gegen Frauen, die in der Öffentlichkeit radfahren. Doch die Frauen lassen sich nicht unterkriegen und radeln weiter, für mehr Akzeptanz und die Umwelt. (Katharina Willinger/ ARD:Studio Teheran)

Eine längere Reportage zum Umweltschutz und zum Radfahren in Teheran gibt es hier in der ARD-Mediathek.

© Katharina Willinger / BR

Der dichte Verkehr in Teheran führt zu sehr schlechter Luftqualität.

© Katharina Willinger BR

Regelmäßig sorgt Smog für große Probleme. Teherans Bürgermeister will deshalb den Radverkehr fördern.

© Katharina Willinger

Noch haben die Radfahrer allerdings oft keine eigenen Wege und müssen sich im dichten Verkehr behaupten.

© Katharina Willinger BR

Wer derzeit in Teheran radelt, braucht einen Helm und viel Mut.

Lissabon: Radellust trotz Hügel

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon war Fahrradfahren bis vor kurzem kein großes Thema. Es war vielen Einwohnern schlichtweg zu mühsam und zu gefährlich: Die Straßen in der Innenstadt sind oft steil, das kunstvolle Pflaster, die sogenannte Calçada Portuguesa, wird bei Regen äußerst glatt.

Aber in den vergangenen Jahren sind besonders in der neu gestalteten Umgebung am Fluss Tejo kilometerlange Radwege entstanden, die die Portugiesen und Touristen für Ausflüge nutzen. Fahrräder kann man sich in der Innenstadt unkompliziert mieten. Immer mehr private Anbieter machen Stadtführungen per Fahrrad.

Finanzielle Anreize für Radfahrer

Studien zeigen jedoch, dass das Fahrradfahren im Alltag der Hauptstädter noch keinen festen Platz hat. 2017 wurden noch nahezu die Hälfte aller Wege in Lissabon mit dem Auto zurückgelegt. Wegen der Luftverschmutzung durch diesen Autoverkehr will die Stadt die Lissabonner aber weiterhin zum Umsatteln bewegen und hat einige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Nicht nur die Radwege werden in der gesamten Stadt ausgebaut, sondern es gibt auch Zuschüsse für alle, die sich ein neues Rad kaufen. Die Lissabonnerin Rita Sá konnte sich so fast die Hälfte des Preises für ihr neues Fahrrad mit Elektroantrieb zurückholen. Ohne diese Unterstützung hätte die zweifache Mutter sich ein solches Fahrrad nicht leisten können.

Um einen nachhaltigen Wandel herbeizuführen, setzt die Stadtverwaltung auch bei den Jüngsten an. Dazu wurden die sogenannten Fahrradzüge ins Leben gerufen. Bei diesem Projekt fahren Kinder, begleitet von Eltern, mit dem Rad zur Schule. Die Botschaft: Nutzt das Fahrrad im Alltag. Die 5-jährige Dalila Silva ist begeistert, sie will später als Erwachsene ganz viele Wege, eben auch die bergigen in Lissabon, mit dem Fahrrad bewältigen. So sehen die Fahrradzüge in Lissabon aus, die Dalila so begeistern. (Anna Mundt/ NDR)

© Anna Mundt/ NDR

In Lissabon muss man oft bergauf radeln - und ordentlich treten.

© Anna Mundt/ NDR

Kinder sollen in sogenannten Fahrradzügen lernen, das Rad im Alltag zu nutzen.

© Anna Mundt/ NDR

Pflaster und Hügel machen es den Radlern nicht unbedingt leicht.

© Anna Mundt/ NDR

Der Verkehr ist eher chaotisch und Platz für Radfahrer muss oft noch geschaffen werden.

© Anna Mundt NDR

Die Lissabonnerin Rita Sá freut sich über das von der Stadt bezuschusste Fahrrad mit Elektroantrieb - immerhin fast die Hälfte der Kosten.

Kopenhagen: Weltweiter Spitzenreiter

Kopenhagen gilt nicht nur in Europa als Vorbild in Sachen Fahrradfahren. Beim „Copenhagenize Index“, eine Rangliste, die alle zwei Jahre die 20 fahrradfreundlichsten Städte weltweit kürt, lag Kopenhagen auch 2019 wieder auf Platz 1. München hat es in diesem Jahr übrigens nicht mehr in die Top 20 geschafft.

Klar abgegrenzte Radwege

Bereits seit 2006 baut die dänische Hauptstadt fürs Fahrrad drastisch um. Die Radwege in Kopenhagen sind durch erhöhte Bordsteine von der Fahrbahn und vom Gehweg abgegrenzt. Damit soll verhindert werden, dass auf den Radwegen z. B. geparkt wird. Außerdem sind viele Radwege breit genug, sodass Eltern ihre Kinder in Lastenrädern ohne Stress transportieren können. Stolze 400 Kilometer Radwegenetz haben die Dänen in der Hauptstadt zur Verfügung (Stand: 2018). Rund 30 Prozent der Verkehrs findet mittlerweile auf dem Fahrrad statt. Der Hauptgrund, den viele Kopenhagener nennen: Man ist schneller am Ziel.

Auch sonst gibt es für Radfahrer in Kopenhagen viele kleine Annehmlichkeiten: Vielerorts stehen Aufpumpstationen oder besondere schräggestellte Abfalleimer, wo man Müll loswerden kann, ohne vom Rad zu steigen.

Diebe auf dem Vormarsch

Aber dass so viele Leute radeln, führt auch zu ganz neuen Problemen. Stau und Gedrängel auf den Radwegen sind keine Seltenheit. Und weil sich mittlerweile viele Kopenhagener teure Fahrräder leisten, haben die Diebstähle deutlich zugenommen. Besonders gerne werden die sehr angesagten Familien-Lastenrädern zum Transport von Kindern und Großeinkäufen geklaut.

(Rikke Detlefsen/ ARD Kopenhagen/ Linnea Pirntke/ ARD Stockholm

© Rikke Detlefsen/ ARD Kopenhagen
Bildrechte: Rikke Detlefsen/ ARD Kopenhagen

Kopenhagen gilt weltweit als Vorbild in Sachen radfreundliche Metropole. Breite und gut abgetrennte Radwege sorgen für eine sicheres Fahrgefühl.

China: Die RadlerInnen erobern die Straße zurück

Radfahren in China ist eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits ist die Volksrepublik traditionell die Fahrrad-Nation Nummer eins auf der Welt. Andererseits sorgen rund 20 Millionen verkaufte Neuwagen pro Jahr dafür, dass die chinesischen Straßen vor allem eines sind: Auto-Straßen. Doch die Radfahrer haben sich in China in den vergangenen Jahren eindrucksvoll zurückgemeldet. Diesen Trend zurück zum Fahrrad haben vor allem Leihräder befördert. Mehrere Leihrad-Startups haben innerhalb weniger Jahre Millionen von Leihrädern auf die Straßen der chinesischen Städte gebracht. Die Benutzung kostet wenige Cent, alles was man braucht, ist eine entsprechende Smartphone-App. Dass inzwischen viele der Anbieter wieder pleite sind und geparkte Leihräder regelmäßig Straßen und Bürgersteige in China zumüllen, hat dem Leihrad-Boom nicht geschadet.

Das Rad als Mode-Accessoire

In vielen chinesischen Metropolen haben die Menschen das Fahrrad auch als hippes Mode-Accessoire für sich entdeckt. Vom eleganten, blank polierten Chrom-Rennrad bis zum quietschgelben Hipster-Fixie ist auf den Straßen von Shanghai, Shenzhen, Chengdu und Beijing inzwischen fast alles unterwegs. In vielen chinesischen Städten macht Radfahren auch ausdrücklich Spaß: Der Straßenverkehr ist zwar immer wieder chaotisch oder sogar gefährlich, häufig aber sind so viele Radfahrer gleichzeitig unterwegs, dass die Übermacht der Autos förmlich zurückgedrängt wird.

Trotzdem müssen sich Radfahrerinnen und Radfahrer in China mit typischen Alltags-Ärgernissen herumschlagen: Radwege sind oft vollgestellt mit geparkten Leihrädern, Autos oder Hausrat. (Steffen Wurzel, Shanghai)

© Steffen Wurzel/ ARD Studio Shanghai

Achtlos hingeworfene Leihräder in Shanghai – oft gehen die Anbieter pleite und die Räder bleiben als Müll liegen.

© Steffen Wurzel/ ARD Shanghai

Skurrile Szene in Wuhan: Fleisch hängt zwischen Leihräder. Mit Staunen beobachtet von unserem Korrespondent Steffen Wurzel.

© Steffen Wurzel/ ARD Shanghai

Auch chinesische Polizisten setzen auf das Fahrrad. So sieht das bei Polizei in Shenzhen aus.

© Steffen Wurzel/ ARD Shanghai

Jeder Hipster findet das passende Rad, z. B. in diesem Laden in Shanghai. Denn ein schickes Bike ist absolut gefragt in China.

© Steffen Wurzel/ ARD Shanghai

Das Rad ist gerne mal farblich abgestimmt. Die jungen Chinesen setzen auf Stil - auch bei Fahrrad.

Bagdad: Nur die Hartgesottenen steigen aufs Rad

In Bagdad gibt es eine kleine Gemeinde von Fahrradfans. Sie wächst nur langsam. Es spricht einiges gegen das Fahrradfahren in der irakischen Hauptstadt. Die Temperaturen überschreiten im Sommer locker die 40 Grad. Viele Autofahrer sehen Radfahrer auf der Bahn als Belästigung im Straßenverkehr an und reagieren aggressiv. Radwege gibt es nicht. Die Unfallgefahr ist also immens und weil oft Stau herrscht, besteht bei vielen Einwohnern der Millionenstadt die Sorge, dass ein Krankenwagen niemals rechtzeitig zum Verletzten durchkommen würde, um zu helfen. (Alexander Stenzel/ ARD Studio Kairo)

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