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Rackete: Alle Flüchtlinge aus Libyen in sicheres Land bringen | BR24

© REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Rackete: Alle Flüchtlinge aus Libyen in sicheres Land bringen

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    Rackete: Alle Flüchtlinge aus Libyen in sicheres Land bringen

    "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete ruft zur Aufnahme aller Migranten auf, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. "Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land!"

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    In der Debatte über die Seenotrettung und die Aufnahme von Flüchtlingen übt "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete scharfe Kritik an der Europäischen Union. "Die EU bezahlt eine libysche Küstenwache, die in Menschenhandel verwickelt ist. Sie bringen die Flüchtlinge dann in Lager, in denen 'KZ-ähnliche'-Zustände herrschen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Wir finanzieren also Milizen und Mörderbanden mit EU-Geld."

    Laut Rackete befindet sich in Libyen etwa eine halbe Million Menschen in den Händen von Schleppern oder in Flüchtlingslagern. "Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land", forderte sie. Diesen Menschen müsse sofort geholfen werden bei einer sicheren Überfahrt nach Europa.

    Rackete weist Kritik an Seenotrettern zurück

    Vorwürfe, durch die Seenotrettung würden die Menschen erst motiviert, auf Boote zu gehen, wies die "Sea-Watch"-Kapitänin zurück. "Schauen Sie sich die Statistiken an, dafür gibt es keinerlei Belege. Die einzigen Zahlen, die klar sind, belegen: Es sterben mehr Menschen, wenn es weniger Rettungsboote auf dem Mittelmeer gibt."

    Die Zahl der Toten im Mittelmeer sei zuletzt deswegen zurückgegangen, weil weniger losfahren könnten. "Die Menschen werden in Libyen in Gefängnissen gehalten oder schon in der Sahara gestoppt."

    "Wir haben rechtens gehandelt"

    Zugleich verteidigte Rackete erneut ihr Vorgehen Ende Juni, als sie das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord trotz eines Verbots der italienischen Behörden in den Hafen von Lampedusa gesteuert hatte. "Wir haben rechtens gehandelt, davon bin ich überzeugt", betonte sie. Es gebe das maritime Gesetz, Menschen in Seenot zu retten. "Und das Gesetz sagt außerdem: Wir mussten die Menschen an den nächsten sicheren Hafen bringen - und der heißt Lampedusa! Weder in Libyen noch in Tunesien gibt es sichere Häfen."

    Der Druck an Bord sei immens gewesen, "weil die Menschen einfach nicht mehr konnten". Man habe nicht nur in Italien angefragt, sondern auch in Malta, Frankreich und Spanien - "überall gab es Absagen". Am Ende habe sie reagieren müssen, "weil die Situation an Bord dramatisch war und Menschen hätten sterben können".

    "Absurde" Debatte über Flüchtlingszahlen

    Die Debatte über die Flüchtlingszahlen in Europa bezeichnete die 31-Jährige als "teilweise absurd": "Die Zahl an Menschen, die wir aufgenommen haben, ist ja immer noch gering, wenn Sie das mit dem Libanon, Jordanien oder anderen afrikanischen Ländern vergleichen." Rackete persönlich sieht keine Grenze für die Aufnahme von Flüchtlingen: "Asyl kennt keine Grenze!"

    Deutschland und andere europäische Staaten hätten eine "historische Verantwortung an den Umständen in Afrika" noch aus der Kolonialzeit. Die heutigen Machtverhältnisse seien durch Europa bestimmt worden. "Europa beutet Afrika aus – und hier entsteht die Spirale, die zur Flucht führt."

    Rackete rechnet mit vielen Klima-Flüchtlingen

    Die Seenotretterin geht davon aus, dass sich die Flüchtlingsproblematik eher noch verschärfen wird. "Der Zusammenbruch des Klimasystems sorgt für Klima-Flüchtlinge, die wir natürlich aufnehmen müssen". In einigen Ländern Afrikas werde - verursacht durch "industriereiche" Länder in Europa - die Nahrungsgrundlage zerstört. "Wir kommen jetzt zu einem Punkt, wo es 'forced migration' gibt, also eine durch äußere Umstände wie Klima gezwungene Migration", sagte sie. "Und da haben wir dann keine Wahl mehr und können nicht einfach sagen, dass wir die Menschen nicht wollen." Es sei auch Europas Verantwortung.

    Das Thema Klimaflucht sei bereits heute groß. In Bangladesh sei es besonders schlimm, aber auch im Pazifik, wo Inseln überschwemmt würden, oder in der Wüste Afrikas. "Da kommt noch einiges auf uns zu, über das heute niemand reden will."