BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Putin und Erdogan vereinbaren Waffenruhe in Syrien | BR24

© BR

In der syrischen Region Idlib toben immer heftigere Gefechte. Die Zivilisten müssen fast schutzlos zwischen den Fronten ausharren oder fliehen. Mit der Eskalation in Idlib und den Folgen für Europa befasste sich heute auch der Bundestag.BR

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Putin und Erdogan vereinbaren Waffenruhe in Syrien

Sechs Stunden lang diskutierten Russlands Präsident Putin und sein türkischer Kollege Erdogan über die Lage in Idlib. Dann die Einigung: Ab Mitternacht soll in der Rebellenhochburg eine neue Waffenruhe herrschen.

Per Mail sharen

Die Türkei und Russland haben sich auf eine neue Waffenruhe in der syrischen Rebellenhochburg Idlib geeinigt. Sie werde um Mitternacht in Kraft treten, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. Putin sagte, dass nach rund sechs Stunden ein gemeinsames Dokument entstanden sei, das der Umsetzung des Waffenstillstandes diene.

Die Türkei und Russland würden sich dafür einsetzen, dass die Waffenruhe auch halte und dass Hilfsgüter an Syrer in Not gelangen könnten, sagte Erdogan. Die Türkei behalte sich aber das Recht vor, gegen Angriffe syrischer Regierungstruppen zurückzuschlagen.

Erdogan und Putin führten in Moskau nach Angaben des Kreml mehrere Stunden lang Gespräche wegen der Lage in Idlib. Die Türkei ist in der Region mit eigenen Soldaten vor Ort und unterstützt Aufständische. Russland ist dagegen der wichtigste militärische Verbündete der syrischen Regierungstruppen, die mithilfe der russischen Luftwaffe versuchen, die letzte große Rebellenhochburg unter ihre Kontrolle zu bringen.

Millionen Menschen auf der Flucht

Eigentlich gilt in der Region bereits eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war aber das syrische Militär mit russischer Unterstützung weiter in das Gebiet vorgerückt. Hunderttausende Menschen fliehen derzeit vor den syrischen und russischen Angriffen in Richtung türkische Grenze.

Wegen der großen Zahl an Flüchtlingen schaffen es Hilfsorganisationen kaum noch, die Menschen zu versorgen. Die Region rund um Idlib ist eines der letzten Rebellengebiete in dem Bürgerkriegsland. Es halten sich nach UN-Schätzungen aber auch rund drei Millionen Zivilisten in dem Gebiet auf.

Rund eine Million Syrer sind derzeit auf der Flucht nach Norden. Die Türkei hat in den vergangenen Jahren bereits etwa 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen. Erdogan öffnete am vergangenen Wochenende die Grenzen Richtung Europa, um dem Westen mehr Hilfe abzuringen.

Die Türkei schloss nicht aus, auch ihre Südgrenze zu Syrien für Flüchtlinge aus Idlib zu öffnen. Sie könnten dann auch weiter in die EU gelangen, warnte Innenminister Süleyman Soylu. "3,5 Millionen Menschen in Idlib und an den türkischen Grenzen sind derzeit in Not."

Eskalation nach Angriffen auf türkische Armee

Das Treffen zwischen Erdogan und Putin war angesichts der dramatischen Lage der Flüchtlinge in Idlib und der Gemengelage an der EU-Grenze mit Spannung erwartet worden. "Ich weiß, dass die Welt gerade zuschaut", sagte Erdogan zum Auftakt. Er verwies auch auf die guten Beziehungen zwischen Russland und der Türkei. Sie seien "auf dem Höhepunkt".

Putin und Erdogan hatten in den vergangenen Wochen mehrfach über Idlib gesprochen. Trotzdem spitzte sich die Lage zu. Nach dem Tod von mindestens 34 türkischen Soldaten bei einem syrischen Luftangriff in der vergangenen Woche hatte die Türkei eine Militäroffensive gegen das syrische Militär in der Region begonnen. Putin äußerte sein Bedauern über den Tod der Soldaten und nahm die syrische Armee in Schutz, die das nicht gewollt habe.

Neue Angriffe - neue Tote

Vor dem Treffen der beiden Staatschefs kam es erneut zu Gefechten. Bei einem Luftangriff auf den von Rebellen gehaltenen Ort Maaret Musrin starben laut oppositionellen Aktivisten mindestens 15 Menschen - unter ihnen Frauen und Kinder. 18 weitere Menschen seien verletzt worden. Russische Kampfflugzeuge hätten den Ort angegriffen, obwohl dort Tausende Binnenflüchtlinge leben.

EU hofft auf schnelle Lösung

Auch die EU-Außenminister berieten über die Lage in Idlib. Bundesaußenminister Heiko Maas sagte vor dem Treffen mit seinen Amtskollegen in Brüssel, Russland müsse seinen Einfluss auf Assad für die Einrichtung einer geschützten Zone im Norden Syriens nutzen. Kanzlerin Angela Merkel habe darauf hingewiesen, dass es jetzt darum gehe, den Menschen im syrischen Idlib zu helfen. "Dafür brauchen wir einen Raum mit Sicherheitsgarantien. Diese Sicherheitsgarantien muss Russland geben."

Kurz zuvor hatte er mitgeteilt, dass Deutschland den Vereinten Nationen 100 Millionen Euro zusätzlich für die Unterbringung und Versorgung notleidender Menschen in der Provinz Idlib anbiete. Merkel hatte nach Angaben einer Regierungssprecherin in Telefonaten mit Erdogan und Putin jüngst deutlich gemacht, dass die Bundesregierung für die Einrichtung einer geschützten Zone für die Versorgung der Hunderttausenden Vertriebenen in Syrien sei.