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Psychogramm eines Massenmörders | BR24

© picture alliance / dpa / Michael Kooren

Ljubisa Beara beim Betreten des Gerichtssaals in Den Haag

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    Psychogramm eines Massenmörders

    Am 11. Juli 1995 begann das Massaker von Srebrenica. Einer der Befehlshaber war Oberst Ljubisa Beara. Schriftsteller Ivica Djikic hat einen Doku-Roman über den Kriegsverbrecher geschrieben. Von Karla Engelhard

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    Am 11. Juli 1995 begann das Massaker von Srebrenica. Während des Bosnienkrieges überranten zunächst bosnisch-serbische Einheiten unter Führung des damaligen Generals Ratko Mladic die eigens eingerichtete UNO-Schutzzone. Danach wurden die Gefangenen unter den Augen der dort stationierten niederländischen Blauhelme abgeführt und in den umliegenden Wäldern erschossen. Verantwortlich dafür war auch Ljubisa Beara, ein ranghoher Offizier der serbischen Armee. Im Juni 2010 wurde er vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt.

    Der Journalist Ivica Djikic hat einen dokumentarischen Roman über den Massenmörder und die Greueltaten geschrieben. Titel der Psychostudie: 'Beara – Der Massenmörder von Srebrenica'.

    "Es ist nicht einfach, in vier, fünf Tagen auf einer begrenzten Landfläche 8.000 Menschen zu töten. Man musste genug Personal finden, das bereit ist, zu töten, genug Fahrzeuge besorgen, in denen die Gefangenen zu den Sammelplätzen und dann zu Orten, wo sie erschossen werden, gebracht werden konnten. Man musste Menschen organisieren, die die Gruben ausheben und die Leichen begraben. Wenn man das technisch neutral und kühl betrachtet, dann war das eine sehr komplizierte Operation, die Ljubisa Beara persönlich sich ausgedacht und geleitet hat." Ivica Djikic

    Für sein Buch über den Massenmörder Beara sprach Ivica Djikic mit dessen Weggefährten. Er recherchierte in Archiven und verfolgte aufmerksam den Prozess.

    "Wenn man sieht, dass Beara die Menschen fast buchstäblich an Händen herbeiziehen musste, damit sie töten. Viele von ihnen haben es nicht mit Begeisterung getan, denn es war kein Mechanismus, der da abgelaufen ist. Nein, es gab richtige Tricks, um die Menschen zum Töten zu bewegen. Einige wurden regelrecht bestochen. Sie erhielten neue Uniformen, wenn sie töteten. Busfahrer, die die Gefangenen von den Sammelplätzen zu den Orten der Hinrichtung brachten, wurden ebenfalls gezwungen zu töten. Zivile Busfahrer, oft im Alter von 50 oder 60 Jahren, mussten mitschießen. Das war ein Strudel des Grauens." Ivica Djikic

    Vom 11. bis 17. Juli 1995 wurden mehr als 8.000 muslimische Jungen und Männer ermordet.