BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Anna Giordano
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Schulen getroffen. Auch an den Universitäten haben sich die Abläufe völlig verändert, zum Beispiel bei Prüfungen. Viele können jetzt auch online abgehalten werden. Die Begeisterung hält sich aber in Grenzen.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Prüfungs-Wirrwarr an Universitäten: Online oder doch vor Ort?

Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Schulen getroffen. Auch an den Universitäten haben sich die Abläufe völlig verändert, zum Beispiel bei Prüfungen. Viele können jetzt auch online abgehalten werden. Die Begeisterung hält sich aber in Grenzen.

4
Per Mail sharen
Von
  • Anna Giordano

Die Lehre an den Universitäten und Hochschulen läuft momentan vor allem digital. Und trotzdem finden viele Prüfungen noch immer in Präsenz statt. Viele Studierende sind verärgert, denn sie haben Angst, sich auf der Fahrt zum Prüfungssaal, in öffentlichen Verkehrsmitteln anzustecken - oder aber während der Prüfungen bei ihren Kommilitonen. Die Alternative sind Online-Prüfungen. Doch auch die sind umstritten, nicht nur wegen des Datenschutzes.

Zu viele Einsprüche gegen Online-Prüfungen

Die Auswirkungen dieser Befürchtungen bekommt beispielsweise Eva-Maria Beck-Meuth zu spüren. Die Präsidentin der Technischen Hochschule Aschaffenburg erfährt täglich von den Sorgen der Studierenden. Diese hätten unter anderem Angst, ihre Eltern oder auch Großeltern mit dem Corona-Virus anzustecken.

Die TH Aschaffenburg hat schon im Sommersemester 2020 versucht, weniger Präsenzprüfungen abzuhalten. Die Dozenten haben zum Beispiel schriftliche Prüfungen durch Seminararbeiten ersetzt. Oder durch mündliche Prüfungen per Video. Im Anschluss habe es aber viele Fälle gegeben, die dem Prüfungsausschuss vorgelegt wurden, weil es Einsprüche und Widersprüche gab. "Ist das eine faire Prüfung, wenn ich im Schwerpunkt A bin und habe eine mündliche Prüfung und im Schwerpunkt B habe ich eine Seminararbeit als Prüfungsform? Ist das gerecht?"

Der Prüfungsausschuss sei mit den vielen Beschwerden kaum hinterhergekommen so Beck-Meuth. Deshalb sei man im Wintersemester 2020/21 dann doch wieder mehr auf die rechtssicheren Präsenzprüfungen umgeschwenkt.

TU München will so viel wie möglich online prüfen

Anders sieht das an der Technischen Universität München aus. Hier ist das Ziel, möglichst viele Prüfungen online anzubieten. Aber auch das klappt nicht immer, so Henry Winner, der den Masterstudiengang Elektro- und Informationstechnik belegt.

"Ich hatte in meinem Wintersemester fünf Prüfungen und davon hatten zwei tatsächlich in Präsenz am Campus stattgefunden und die anderen drei haben in der ein oder anderen Form dann als elektronische Prüfung stattgefunden."

Elektronische Prüfung sei aber nicht gleich elektronische Prüfung. Zwei der Prüfungen hätten als sogenannte einmalige elektronische Übungsleistung stattgefunden - auch bekannt als Open-Book-Klausur. Hier bekomme man eine Aufgabe, die in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten ist. Die werde danach eingescannt oder mit dem Handy fotografiert und dann hochgeladen.

Plugin Proctorio überwacht Kamera, Mikro und Bildschirm

Die letzte seiner Klausuren habe dann als sogenannte "echte überwachte elektronische Fernprüfung" stattgefunden. Das ist eine relativ neue Prüfungsart, die mithilfe von künstlicher Intelligenz funktioniert. Dafür wurde ein Plugin auf seinem Rechner installiert, so Winner, das dann Kamera, Mikro und Bildschirm aufzeichnend überwacht habe. Das habe dann auch geschaut, ob der Teilnehmer verdächtige Dinge mache. "Zum Beispiel, wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, meinen Kopf wegdrehen würde, dann würde das Programm das merken und sagen, das ist hier verdächtig."

Das Problem: Die vielen Aufzeichnungen, die das Programm Proctorio pro Student und Klausur macht, kann sich realistischer Weise kein Dozent jemals durchsehen. Dass Studierende während der Prüfung schummeln, ist auch hier nicht ganz ausgeschlossen. Außerdem ist Proctorio ein amerikanisches Programm, das großzügig Daten speichert.

Prüfung lieber vor Ort als zu Hause

Henry Winner hat das nicht gefallen, er hat die Möglichkeit genutzt, dass neben der fernüberwachten Prüfung auch eine Präsenzprüfung an der Uni angeboten wurde. "Das heißt, ich war dann tatsächlich vor Ort im Hörsaal, auch mit nem Laptop, nur hat mich tatsächlich ein Mensch, der auch in dem Hörsaal war, beobachtet, und nicht irgendein Programm über meine Kamera und meinen Ton." Für Henry Winner sind Präsenzprüfungen noch immer die bessere Alternative, zumal an der TU München nicht mehr als 40 Personen in einem Raum sitzen dürfen. Er fühle sich da sicher, sagt Winner.

Und auch Eva-Maria Beck-Meuth, Präsidentin der TH Aschaffenburg, bevorzugt mittlerweile Präsenzprüfungen. Sie ist überzeugt davon, dass Universitäten bei der Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sehr gewissenhaft sind. "Wir haben dann noch eine Maskenpflicht im Freien erlassen. Denn es war zwar der Aufruf, die Studierenden sollen nicht zusammenstehen - aber dann stehen sie vielleicht doch zusammen." Am Ende habe sich kein einziger angesteckt. "Wir hatten keinen Fall!"

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!