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Prozess gegen Mesale Tolu: Ehemann darf Türkei nicht verlassen | BR24

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Im Istanbuler Prozess gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu und ihren Mann Suat Corlu hat die Justiz erneut eine Ausreisesperre gegen ihn verhängt. Ihrem Mann sei bei der Einreise in Istanbul der Pass abgenommen worden, so Tolu.

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Prozess gegen Mesale Tolu: Ehemann darf Türkei nicht verlassen

Im Istanbuler Prozess gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu und ihren Mann Suat Corlu hat die Justiz erneut eine Ausreisesperre gegen ihn verhängt. Ihrem Mann sei bei der Einreise in Istanbul der Pass abgenommen worden, so Tolu.

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Der Prozess gegen die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in Istanbul ist nach einer kurzen Verhandlung auf den 11. Oktober vertagt worden. Ursprünglich sollte ein geheimer Zeuge - unkenntlich gemacht und per Videoschalte - angehört werden. Laut Tolus Anwalt Keles Öztürk wurde das aber wegen eines "technischen Problems" auf die nächste Verhandlung verschoben.

Tolu selbst kam nicht zu ihrem Prozess in die Türkei. Sie lebt inzwischen mit ihrem Mann Suat Corlu in Ulm. Beide sind in dem Verfahren angeklagt, weil sie Mitglieder einer Terrororganisation sein sollen.

Tolus Mann wollte bei der Verhandlung dabei sein. Er war am Abend in die Türkei eingereist. Nach Angaben des Paares nahmen ihm die Behörden noch am Flughafen den Pass ab. Sie hätten ihm mitgeteilt, dass ein Gericht gegen ihn schon am 14. Mai eine Ausreisesperre verhängt hatte.

Acht Monate Haft wegen angeblichen Terrorverdachts

Mesale Tolu twittere daraufhin: "Ist es ein Verbrechen, dem Verfahren beiwohnen zu wollen?"

Tolu war im Dezember 2017 nach fast acht Monaten aus der Haft freigekommen, durfte aber erst vergangenen Sommer die Türkei verlassen. Die Ausreisesperre gegen Corlu wurde vergangenen Oktober aufgehoben. Damals war auch Tolu noch einmal nach Istanbul gekommen.

Beim letzten Prozesstag im Januar war dann nur noch ihr Mann dabei - aus Solidarität mit den anderen Angeklagten, wie er sagte. Damals hatte er die Türkei noch problemlos wieder verlassen können. Warum das Gericht eine neue Ausreisesperre verhängt hat, ist nicht bekannt.

Kritik am Verfahren

Kritik an der Vertagung des Prozesses kam unter anderem von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Margit Stumpp, die zur Prozessbeobachtung angereist war: "Der Verlauf des Prozesses heute bedeutet einen harten Rückschlag", sagte sie. Sie habe zumindest gehofft, dass der geheime Zeuge befragt werden könne. Dass die nächste Verhandlung erst im Oktober stattfinde, bedeute eine Erhöhung des psychischen Drucks auf alle Beteiligten. Es sei nicht abzusehen, wann das Verfahren beendet werde. Begonnen hatte es im Oktober 2018.

Suat Corlu sagte: "Die gesamte Anklage beruht auf dem geheimen Zeugen, aber trotz unserer Forderung wurde er nicht angehört. Wie kann es seit vier Monaten ein technisches Problem geben?" Er zweifelte daran, dass es diesen Zeugen überhaupt gebe. "Das scheint eine Ausrede zu sein, um den Prozess in die Länge zu ziehen."