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Proteste in Hongkong: Polizei schießt erneut auf Demonstranten | BR24

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Fünf Monate nach Ausbruch der Anti-Regierungsproteste in Hongkong nimmt die Gewalt kein Ende. In der chinesischen Sonderverwaltungsregion speielten sich teils chaotische Szenen ab.

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Proteste in Hongkong: Polizei schießt erneut auf Demonstranten

In Hongkong ist bei Protesten erneut die Gewalt eskaliert. Ein Polizist schoss einem Demonstranten in die Brust und verletzte ihn dabei schwer.

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Der Vorfall wurde live im Internet gestreamt und auf dem Facebook-Kanal "Cupid Producer" geteilt. Zu sehen war, wie ein Polizist versucht, einen Demonstranten festzunehmen. Als sich ein vermummter, offensichtlich unbewaffneter Aktivist dem Polizisten näherte, gab dieser aus nächster Nähe drei Schüsse ab. Mindestens ein junger Mann wurde getroffen. Er wurde offenbar am Bauch verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo er notoperiert wurde. Hongkongs Krankenhausbehörde teilte mit, dass sich der junge Mann in einem kritischen Zustand befindet.

Der Vorfall ereignete sich im Stadtteil Sai Wan Ho, wo Protestierende am Morgen (Ortszeit) versuchten, Straßensperren zu errichten. Aktivisten hatten dazu im Internet im Rahmen eines Hongkong-weiten Generalstreiks aufgerufen. An verschiedenen Orten der Stadt war der Verkehr deswegen massiv gestört. Auch mehrere U-Bahn-Linien waren unterbrochen, weil Aktivisten die Gleise blockierten. Mehrere Hochschulen haben wegen der Vorfälle den Unterricht für heute abgesagt.

Mann offenbar angezündet

Im Viertel Ma On Shan wurde ein Mann nach einem Streit offenbar angezündet. Ein im Internet zirkulierendes Video zeigte, wie eine Person den Mann mit einer Flüssigkeit übergoss und dann ein Feuerzeug anzündete. Zuvor war zu sehen, wie der Mann mit einer Gruppe junger Menschen stritt. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand war kritisch. Weitere Details über das Geschehen waren zunächst nicht bekannt.

Bereits gestern kam es zu Gewalt in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Bis weit in die Nacht gab es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Mehrere Menschen wurden verletzt, es gab zahlreiche Festnahmen.

Friedliche Gedenkveranstaltung für toten Studenten

Friedlich dagegen war am Sonntagabend eine religiöse Gedenkveranstaltung für einen Studenten, der im Zusammenhang mit den Protesten ums Leben gekommen ist. Mehr als 1000 Menschen versammelten sich im Chater Garden. Die meist jungen Leute kamen in den Park im Stadtteil Central, um an den 22-jährigen pro-demokratischen Demonstranten zu erinnern und gemeinsam zu trauern. Sie beteten, sangen Lieder, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Unter ihnen ist auch der 35-jährige Kin: "Sein Kampf für die Freiheit und für Hongkong - diese Werte bleiben in unseren Herzen. Ich bin hier, um mit anderen Menschen zu sein. Denn dies ist ein sehr trauriger Moment für Hongkong."

Der 22-jährige Student war vor einer Woche am Rande von Protesten in einem Parkhaus in die Tiefe gestürzt und hatte sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen. Was genau passiert ist, ist unklar. Viele geben der Hongkonger Polizei die Schuld am Tod des Studenten. Diese hatte zur Zeit des Vorfalls in der Nähe massiv Tränengas eingesetzt.

Proteste seit fünf Monaten

Die Anti-Regierungs-Proteste in Hongkong laufen seit mittlerweile mehr als fünf Monaten. Auslöser war ursprünglich ein inzwischen zurückgezogenes Gesetz, das Auslieferungen auch an Festlandchina möglich machen sollte.

Inzwischen richten sich die zunehmend gewalttätigen Proteste gegen die Regierung der autonom verwalteten Stadt generell und gegen den zunehmenden Einfluss der Staats- und Parteiführung in Peking. Außerdem verlangen die Demonstranten, dass das Vorgehen der Polizei unabhängig untersucht wird. Diese geht zunehmend brutaler gegen Aktivisten vor.

© BR/Benjamin Eyssel

In Hongkong ist bei Protesten erneut die Gewalt eskaliert. Ein Polizist schoss einem Demonstranten in die Brust und verletzte ihn dabei schwer.