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Proteste in Hongkong: Die Gewalt hält an | BR24

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Hochschulen in Hongkong sind zum Brennpunkt der anhaltenden Proteste geworden. An der Polytechnischen Universität eskaliert erneut die Gewalt.

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Proteste in Hongkong: Die Gewalt hält an

In Hongkong eskaliert die Situation. Am frühen Morgen stürmten Sicherheitskräfte die Polytechnische Universität, in der sich Protestierende verschanzt hatten. Die Demonstranten wehrten sich mit Feuer.

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Nach stundenlanger Belagerung ging die Polizei in Hongkong in den frühen Morgenstunden gegen Demonstranten vor, die sich auf dem Gelände der Polytechnischen Universität verbarrikadiert hatten. Die Sicherheitskräfte schossen mit Tränengas und Wasserwerfern auf die Protestierenden. Diese wehrten sich Berichten zufolge mit Molotowcocktails. Dabei brach auf dem Hochschulgelände ein Brand aus. Die Polizei brach ihren Vorstoß daraufhin ab.

Polizei widerspricht "Stürmung" des Uni-Campus

Später verkündete der Präsident der Hochschule, dass die Polizei auf weitere Vorstöße zunächst verzichten werde. Er forderte die Demonstranten auf, den Campus zu verlassen. Zahlreiche Protestierende kamen dieser Aufforderung nach, doch mehrere Hundert verblieben auf dem Campus. Die Polizei bestritt, das Gelände in den Morgenstunden "gestürmt" zu haben. Eine Erklärung sprach aber von einem anhaltenden Einsatz, um Demonstrationen aufzulösen und Festnahmen zu machen.

Demonstranten mit Brandbomben, Katapulten und Pfeilen

Demonstranten hatten sich auf das Gelände der Hochschule zurückgezogen, nachdem es am Samstagabend erneut zu schweren Auseinandersetzungen gekommen war. Am Sonntag flammten die Unruhen aber wieder auf. Die Demonstranten warfen übereinstimmenden Medienberichten zufolge Brandbomben. Sie nutzten auch selbstgebaute Katapulte, um Brandsätze abzufeuern. Zudem schossen einige von ihnen mit Pfeil und Bogen von den Dächern der Universitätsgebäude. Ein Polizist wurde von einem Pfeil ins Bein getroffen und in ein Krankenhaus eingeliefert.

Wong rechtfertig Gewalt

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong verteidigte den Einsatz von Gewalt durch Demonstranten in der chinesischen Sonderverwaltungszone. "Mit rein friedlichem Protest werden wir unser Ziel nicht erreichen", sagte Wong der "Süddeutschen Zeitung". "Allein mit Gewalt allerdings auch nicht. Wir brauchen beides." In der Stadt versammelten sich am Montagvormittag wieder vermummte und schwarz gekleidete Aktivisten und bauten Barrikaden, während ein Großaufgebot von Sicherheitskräften auf den Straßen zu sehen war. Die Polizei warnte die Demonstranten vor einem möglichen neuen Einsatz von Tränengas.

Proteste auch unter der Woche

Seit vergangener Woche haben die Regierungsgegner ihre Aktionen nochmals ausgeweitet. Fanden die Proteste in den mittlerweile mehr als fünf Monaten seit Beginn der Demonstrationen bislang zumeist am Wochenende statt, rufen die Organisatoren mittlerweile auch werktags zum Protest auf. So kursieren laut der Nachrichtenagentur AFP in mehreren Internetforen bereits Aufrufe für eine "Dämmerungsaktion" am Montag. "Stehen Sie früh auf, zielen Sie direkt auf das Regime, quetschen Sie die Wirtschaft aus, um den Druck zu erhöhen", hieß es darin. Auch die Behörden befürchten anhaltende Ausschreitungen unter der Woche und kündigten darum an, dass Kindergärten und Schulen zu Wochenbeginn weiterhin geschlossen bleiben.

Teile des Hongkonger Berufsverkehrs lahmgelegt

In den vergangenen Tagen hatten Demonstranten mehrere Hochschulen besetzt. Die erwägen nun, das laufende Semester vorzeitig zu beenden. Es kam zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Aktivisten und der Polizei. Außerdem legten Protestierende seit Montag täglich Teile des Hongkonger Berufsverkehrs lahm. Die Bildungsbehörde sagte daraufhin den Unterricht an den Schulen der autonom regierten Stadt ab. Auch morgen bleiben die Schulen geschlossen.

Die Protestierenden fordern unter anderem den Rücktritt der Regierungschefin von Hongkong, Carrie Lam, eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt sowie Straffreiheit für die bisher während Demonstrationen festgenommener Teilnehmer. Laut dpa wurden bereits mehr als 4000 Menschen in den vergangenen Monaten während der Proteste festgenommen.

Kritik an Aufräumaktion

Kritik übt die Opposition nun aber auch am chinesischen Militär. Soldaten der Volksbefreiungsarmee hatten am Samstag in den Straßen rund um die eigene Kaserne geholfen, Barrikaden und Trümmer beiseite zu räumen. Chinas Militär darf eigentlich nur auf Antrag von Hongkongs Regierung "bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung" helfen, berichtete die Agentur AP. Einen solchen Antrag hat die Regierung eigenen Angaben zufolge aber nicht gestellt. Die Volksbefreiungsarmee teilte mit, es habe sich um eine "gemeinnützige Tat" gehandelt. Die Soldaten hätten lediglich Anwohnern helfen wollen.