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Proteste in den USA - Der Zorn der Straße | BR24

© Sebastian Hesse

Seit Wochen protestieren die Menschen in den USA gegen Rassismus. Doch die Gewalt-Debatte überschattet immer stärker deren eigentliches Anliegen.

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Proteste in den USA - Der Zorn der Straße

Seit Wochen protestieren die Menschen in den USA gegen Rassismus. Doch die Debatte über Gewalt überschattet immer stärker deren eigentliches Anliegen. Wer sind die, die auf die Straße gehen?

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Angesichts der Bilder aus Portland, Chicago, Seattle, Louisville, Albuquerque und anderen Städten, die allabendlich über die Bildschirme flimmern, hat es Donald Trump einfach, von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" zu sprechen.

"Viele von denen sollte man verhaften", tobt der Präsident, "denn das sind professionelle Agitatoren und Anarchisten, die unser Land hassen!" Seit Wochen versucht Trump den Eindruck zu erwecken, dass es dem Gros der Demonstranten nur um Krawall geht.

"Ausgestattet für Straßenschlachten"

Justizminister William Barr zeichnete vergangene Woche bei einer Kongressanhörung ein noch bedrohlicheres Bild: "Die Unruhestifter reisen bestens ausgestattet für Straßenschlachten an", weiß Barr, "sie haben Steinschleudern, Taser-Waffen, Vorschlaghämmer, Sägen, Messer, Schusswaffen und Pyrotechnik im Gepäck!"

Aktivisten hätten die zunächst friedlichen und berechtigten Proteste gekapert. Das bestätigen im US-Fernsehen durchaus auch Teilnehmer vor Ort: "Das sind nicht wir, die hier randalieren und demolieren", beklagt ein Demonstrant aus Portland, "das sind angereiste Leute, die wahrscheinlich dafür bezahlt werden, Chaos anzurichten."

Dafür, dass tatsächlich Agents Provocateur im Einsatz sind, gibt es jedoch keinen Beleg.

"Wall of Moms"

US-Fernsehreporter bekommen eine Mischung vor die Kamera: Studenten, Bürgerrechtler, Kriegsveteranen, besorgte Mütter, die sich "Wall of Moms" nennen.

Neben Black Lives Matter und dem Schwarzen Block ist auf den Straßen von Portland eine dritte Fraktion im Einsatz: Die von Trump entsandten Sicherheitskräfte in voller Kampfmontur, die vor allem das Bundesgericht, das mehrfach von Randalierern beschädigt wurde, schützen. Und die von vielen als Provokation empfunden werden.

"Niemand von uns findet den Vandalismus toll", sagt eine Demo-Teilnehmerin aus Portland, "aber schlimmer ist doch, dass mehr als ein Viertel der Opfer von Polizeigewalt Afro-Amerikaner sind, bei einem Bevölkerungsanteil von nur sechs Prozent."

Oregons Gouverneurin Kate Brown drängt jedenfalls auf ein Ende der Gewalt - damit wieder über diesen Missstand diskutiert werden kann.

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