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Proteste in Belarus: Mit aller Härte gegen Frauen | BR24

© ARD

Zu Tausenden haben Frauen in Belarus demonstriert. Die Sicherheitskräfte gingen diesmal härter vor als sonst. Es gab 37 Festnahmen. Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich besorgt über die Entwicklung.

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Proteste in Belarus: Mit aller Härte gegen Frauen

Zu Tausenden haben Frauen in Belarus demonstriert. Die Sicherheitskräfte gingen diesmal härter vor als sonst. Es gab 37 Festnahmen. Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich besorgt über die Entwicklung.

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Mit massiver Gewalt sind maskierte Uniformierte in Belarus gegen friedliche Frauen bei Protesten gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko vorgegangen. Tausende Frauen kamen in der Hauptstadt Minsk zusammen. Es gab 37 Festnahmen, wie das Menschenrechtsrechtszentrum Wjasna mitteilte. Auch in anderen belarusischen Städten gab es Proteste.

Eine junge Frau erlitt in Minsk durch Schläge eines Polizisten eine Platzwunde im Gesicht, als sie einem Uniformierten die Strumpfmaske vom Gesicht zog und der Mann mit voller Wucht zuschlug. Vermummte Sicherheitskräfte kesselten die Frauen am Platz der Freiheit ein, packten sie hart an und steckten sie in Gefangenentransporter.

Die Frauen waren völlig friedlich, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Vielen Frauen gelang es, anschließend ihren Protestmarsch fortzusetzen. Der Demonstrationszug vereinigte sich später mit weiteren Frauen, bis die Menge auf Tausende anwuchs.

Reporterin während TV-Schalte mitgenommen

Bislang hatten sich die Sicherheitskräfte gegenüber Frauen weitgehend zurückgehalten und nahmen überwiegend Männer fest. Deshalb beteiligten sich viele Demonstrantinnen an den Aktionen. Die Samstage stehen traditionell im Zeichen der Frauenproteste. Zuletzt gerieten aber auch sie ins Visier der Beamten. Die Polizei hatte eindringlich vor einer Teilnahme gewarnt.

Zu sehen war auf Videoaufnahmen im Internetportal tut.by auch, wie Frauen einem Beamten eine Kamera, mit der er die Proteste filmte, wegnahmen. Sie riefen "Geh weg!". Auch eine Journalistin, die für das Fernsehen die Lage kommentierte, wurde während ihrer Arbeit mitgenommen.

Tichanowskaja verurteilt die Polizeigewalt

Die Opposition hatte Frauen zu der Demonstration aufgerufen, um nach eigenen Angaben Lukaschenko zu zeigen, dass die Proteste in Belarus an Zulauf gewinnen. Bereits an den Samstagen zuvor beteiligten sich Tausende Frauen an den Demonstrationen.

Swetlana Tichanowskaja, die sich als rechtmäßige Siegerin der Präsidentenwahl vom 9. August sieht, verurteilte aus ihrem Exil in der EU die Polizeigewalt gegen Frauen. "Ich will Sie warnen, dass jeder, der Verbrechen gegen friedliche Demonstranten und sein Volk begeht, die Verantwortung dafür tragen wird", sagte die 38-Jährige. "Sie haben die Chance, auf die Seite des Volkes zu wechseln und keine verbrecherischen Befehle mehr auszuführen."

Merkel in Sorge

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte ihre "große Sorge" über die Entwicklung in Belarus. "Dort wird der Einsatz für Demokratie buchstäblich mit Füßen getreten", sagte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. "Unser Herz schlägt mit den friedlich Demonstrierenden. Es ist bewundernswert, mit welchem Mut und mit welcher Entschlossenheit sie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit auf die Straße gehen."

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hat den gewaltfrei Protestierenden seinen Respekt ausgesprochen. "Die vielen friedlichen Demonstranten und vor allem Demonstrantinnen beweisen tagtäglich, dass eine Lösung auf dem Gesprächsweg noch immer möglich ist", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Angesichts der massiven Unterdrückung so viel Haltung, Mut und Würde zu zeigen - das verdient allergrößten Respekt." Maas forderte: "Jetzt kommt es darauf an, dass wir die Menschen in Belarus nicht alleine lassen." Lukaschenko müsse anerkennen, dass er nicht den Willen des Volkes verkörpere, sagte Maas weiter. "Wenn er seine Herrschaft weiter auf Angst gründet, wählt er den Weg der Isolation."

Die Menschenrechtsorganisation Wjasna wertet das Vorgehen der Sicherheitskräfte als Versuch Lukaschenkos, vor einem Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin Stärke zu markieren. Am kommenden Montag treffen sich die beiden Staatschefs in Sotschi am Schwarzen Meer.

Lukaschenko trifft am Montag Putin

Dabei soll es um die strategische Partnerschaft beider Länder gehen. Putin hatte im Vorfeld erklärt, dass die Menschen ein Recht hätten, ihre Meinung zu äußern. Zugleich hatte er Lukaschenko aber auch in Aussicht gestellt, ihn mit Polizei oder Truppen zu unterstützen.

In Belarus kommt es seit der Präsidentenwahl vor rund fünf Wochen täglich zu Protesten. Lukaschenko beansprucht den Wahlsieg mit mehr als 80 Prozent der Stimmen für sich. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Gewinnerin. Die Wahl steht international wegen grober Fälschung in der Kritik. So erkennt die Europäische Union sie nicht an.

Seit der Abstimmung kommt es in Belarus immer wieder zu Massenkundgebungen. Die Regierung hat ihren Druck auf die Protestbewegung erhöht, mehrere Führungspersonen der Opposition - darunter Kolesnikowa - und schätzungsweise mehrere tausend Demonstranten wurden festgenommen.

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