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Gewaltsame Szenen in Tirana. Zum vierten Mal hatte die Opposition zu einer Großdemo gegen Regierungschef Rama aufgerufen.
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Gewaltsame Szenen in Tirana. Zum vierten Mal hatte die Opposition zu einer Großdemo gegen Regierungschef Rama aufgerufen.

Bei erneuten gewaltsamen Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten in der albanischen Hauptstadt Tirana sind am späten Samstagabend mehrere Menschen verletzt worden. Die Anhänger der vereinigten Opposition versammelten sich zunächst am Samstagnachmittag vor dem Parlamentsgebäude und forderten einmal mehr den Rücktritt von Regierungschef Edi Rama.

Als Demonstranten Molotow-Cocktails und Knallkörper auf die Polizeikette vor dem Parlament warfen, setzten die Beamten Wasserwerfer und Tränengas ein. Später zogen die Demonstranten vor das Polizeihauptquartier und warfen auch dort laut Medienberichten Molotow-Cocktails. Die Polizei setzte erneut Wasserwerfer ein, um die Menschenmenge zu zerstreuen. Mehrere Demonstranten seien festgenommen worden, hieß es. Mindestens zwölf Polizisten wurden bei den Einsätzen verletzt. Über die Zahl der verletzten Demonstranten gibt es keine verlässlichen Angaben.

"Wir sind hier mit einer Mission: Albanien von Verbrechen und Korruption zu befreien und Albanien wie den Rest von Europa zu machen." Lulzim Basha, Oppositionschef

Er kündigte an, die Proteste würden größer und noch entschiedener weitergehen, solange "die Regierung Albanien von Europa fernhält".Die Menge skandierte "Wir wollen ein europäisches Albanien". Der Slogan wurde von der Demokratiebewegung 1990 geprägt, als der Balkanstaat sich vom Kommunismus verabschiedete.

Opposition will Kommunalwahl boykottieren

Es war bereits die vierte Großdemonstration in diesem Jahr gegen Rama. Albaniens Opposition fordert seit Monaten den Rücktritt des Regierungschefs. Sie wirft ihm und der regierenden Sozialistischen Partei (PS) Wahlbetrug und Korruption vor.

Mehr als 60 Abgeordnete der rechten Demokratischen Partei (PD) und ihrer Verbündeten hatten Ende Februar aus Protest ihre Parlamentsmandate niedergelegt. Jetzt kündigte die Opposition an, die Kommunalwahl Ende Juni boykottieren zu wollen. Rama nannte dies eine "blinde Politik".

Verfeindet seit dem Ende des Sozialismus

Die post-kommunistische PS und die mit ihr rivalisierende PD sind seit dem Ende des Sozialismus vor fast drei Jahrzehnten zutiefst verfeindet. Die EU und die USA erkennen die Regierung in Tirana als legitim an. Die US-Botschaft verurteilte die Ausschreitungen. Die Gewalt widerspreche dem Anspruch der Opposition, die Demokratie in Albanien zu stärken.