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Protest gegen Separatisten-Urteile: Kataloniens Zorn | BR24

© picture alliance / abaca

Protest gegen die Urteile für die Anführer der Separatisten-Bewegung in Barcelona.

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Protest gegen Separatisten-Urteile: Kataloniens Zorn

Steinwürfe, Barrikaden, Chaos: Die Proteste nach den Urteilen gegen die katalanischen Separatistenführer werden immer heftiger. Nun schlägt auch die spanische Regierung einen anderen Ton an.

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An der Plaza Cataluña im Zentrum von Barcelona - ein Platz, über den normalerweise Touristen flanieren - stellen jetzt Jugendliche die Mehrheit. Sie beobachten, wie Container in Flammen stehen, bengalische Feuer gezündet werden - und wie die Polizei in den Seitenstraßen immer wieder versucht, randalierende Demonstranten zurückzudrängen. Die jungen Radikalen werfen Steine auf Polizisten und liefern sich Straßenschlachten mit ihnen.In Katalonien gehen die Menschen gegen die Gefängnisstrafen für führende Separatistenführer auf die Straße. Mindestens 89 Menschen werden in der Nacht verletzt, 60 von ihnen in Barcelona.

Koordiniertes Chaos

Brennpunkt der Proteste ist das Polizeipräsidium. Der spanische Innenminister beziffert die Zahl der gewalttätigen Demonstranten hier auf rund 400. 400 Menschen, die hier sehr koordiniert und zielstrebig das Chaos säen. Sie beherrschen die Berichterstattung über die Protestwelle in Barcelona. Obwohl dort rund eine halbe Million Separatisten am Abend friedlich für ihre Sache demonstriert.

Laia, 33 Jahre, aus Reus kann die Wut der jungen Katalanen verstehen: "Es gibt Menschen, die Probleme machen wollen. Aber es gibt auch viele normale Leute, die protestieren", sagt sie. "Es ist ja nicht erst jetzt, dass sie die Menschen ins Gefängnis stecken - sie sind schon seit zwei Jahren dort." Die Leute hätten es satt. "Sie sagen: 'Jetzt reicht’s. Denn vielleicht stecke ich ja schon bald im Gefängnis'."

Kein Verständnis für die Wut

Für die Wut der randalierenden Jugendlichen hat Fernando Grande-Malaska überhaupt kein Verständnis. Der spanische Innenminister meldet sich am Abend noch einmal mit einer Ansprache zu Wort. Er lässt wissen, dass den Gewalttätern bis zu sechs Jahre Haft drohen: "Wir werden dem gewalttätigen Separatismus mit aller Härte des Gesetzes begegnen. Und dem Separatismus, der sich außerhalb der Gesetze bewegt, ebenso."

Der Ton, den die spanische Regierung anschlägt, wird schärfer. Die Proteste in Barcelona scheinen nicht abzuflauen, sondern an Gewalttätigkeit zuzunehmen. Brennende Autos, zerschlagene Schaufensterscheiben oder zertrümmertes Mobiliar erinnern an den Gipfel in Hamburg. In Barcelona kennt man so etwas nicht.

In der Nacht jagen Polizisten junge Krawallmacher durch die engen Gassen des Gotischen Viertels, hinter dem Polizeipräsidium. Ein paar Meter weiter ist ein Restaurant gut gefüllt. Die Proteste scheinen weit weg - auch wenn es nur wenige Hundert Meter sind.

"Wir leben hier vom Tourismus"

Kellnerin María sagt: "Wir leben hier vom Tourismus. Hier im Gotischen Viertel sind nachts viele Touristen unterwegs. Sie lassen viel Geld hier. Und wenn die Gäste ausbleiben …"

Viele Lokale hätten schon schließen müssen, viele Menschen seien entlassen worde, sagte sie. "Gerade die Leute, die Saisonverträge haben, müssen schon jetzt aufhören - auch wenn die Saison noch nicht zu Ende ist."

María ist nicht die einzige, die sich große Sorgen um den Tourismus in Barcelona macht - und um das Image der Stadt. Denn es sind keine schönen Bilder, die dieser Tage aus Barcelona kommen . wie schon vor zwei Jahren, beim Unabhängigkeitsreferendum. Sie hofft, dass die Proteste bald abebben und dass wieder Normalität Einzug hält. Doch wann das passieren wird, ist derzeit nicht abzusehen.

© BR.de

In Katalonien haben Unabhängigkeitsbefürworter die fünfte Nacht in Folge teils gewaltsam gegen die Verurteilung von neun Separatistenführern demonstriert. Die Unruhen in Barcelona ließen nach Mitternacht nur langsam nach.