Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Professor Münch bedauert Polarisierung bei der EU-Wahl | BR24

© BR

Prof. Ursula Münch, Direktorin Akademie für Politische Bildung Tutzing. (Archivbild, zu Gast in der Sendung alpha Forum)

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Professor Münch bedauert Polarisierung bei der EU-Wahl

Die hohe Wahlbeteiligung bei der Europa-Wahl sieht die Direktorin der Politischen Akademie in Tutzing positiv. Doch im Gespräch mit den BAYERN 3-Frühaufdrehern sieht Professor Ursula Münch auch einen Wermutstropfen: die starke Polarisierung.

Per Mail sharen

Die Frühaufdreher: Die Gewinner der EU-Wahl in Deutschland sind also grün und rechts. Kann man das so zusammenfassen?

Prof. Ursula Münch: Das kann man so sagen. Und das ist im Grunde ein bisschen der Wermutstropfen. Das Schöne ist ja diese grandiose Wahlbeteiligung. Weniger schön ist, dass sich das so ein bisschen polarisiert, dass es in der Mitte ein bisschen fehlt. Nun sind die Grünen nicht mehr links, aber trotzdem. Die Pole haben sich eher betont, die sind stärker geworden und die moderierte Mitte, das Ausgleichende, das ist ein bisschen kurz gekommen bei der Wahl.

Warum sind die schwache Mitte und die starken Pole ein Wermutstropfen?

Ich finde es sehr schade, weil es bei jeder Diskussion, die wir haben, immer gleich so gegeneinander geht. Ich habe den Eindruck, dass wir das auch bei der Wahl gestern beobachten konnten. Da sind die Grünen, die ein bestimmtes Publikum vertreten: eher die Jüngeren, aber nicht mehr nur, eher die besser Gebildeten, eher diejenigen, denen es insgesamt besser geht. Und dann sind die anderen, die so richtig unzufrieden sind, gerade auch mit dem, was die Grünen für gut halten.

Sie haben die hohe Wahlbeteiligung schon angesprochen. Wie kann man sich die erklären?

Also ich denke mir, auch wieder mit dieser Polarisierung zwischen den Europa-Befürwortern und den Europa-Skeptikern. Und da haben beide Lager gesagt, den anderen muss ich es zeigen. Insofern kann man auch diese hohe Wahlbeteiligung durchaus mit einem gewissen Wermutstropfen, mit einem weinenden Auge betrachten. Denn Mobilisierung allein, wenn sich alles so politisiert und man jeweils dem anderen was draufgeben will, ist das eigentlich auch nicht schön.

Vielleicht sollten wir jetzt einfach mal hoffen, dass es dann vielleicht auch insgesamt wieder ein bisschen positiver geht: Wählen gehen, nicht nur um dem anderen eins draufzuhauen, sondern wählen gehen, weil man das, wofür man wählt, für richtig hält.

Viele junge Leute gehen wieder zur Wahl. Woran liegt das?

Ich habe den Eindruck, dass man sich da vielleicht auch gegenseitig anspornt. Wir merken das, es hat so einen Verstärkereffekt - da geht der eine, dann geht die andere vielleicht auch eher wieder. Gerade die "Fridays for Future" haben dieses Thema in die Familien hineingebracht, an den Abendbrottisch. Und da haben die Eltern sich vielleicht auch eher rechtfertigen müssen, wenn sie nicht zum Wählen gegangen wären. Also ich denke mir, die Jungen haben den anderen so ein bisschen den Tritt in den Hintern gegeben.