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Pro-iranisches Netzwerk auf Twitter verbreitet Antisemitismus

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    Pro-iranisches Netzwerk auf Twitter verbreitet Antisemitismus

    Durch die Unruhen in Israel kommt es in Deutschland zu offenen antisemitischen Ausschreitungen. Dabei spielt die Agitation in den sozialen Netzwerken eine entscheidende Rolle. Pro-iranische Twitteraccounts spülen seit Monaten Hass und Hetze ins Netz.

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    Von
    • Sabina Wolf

    Schon vor den jüngsten Angriffen auf Israel seit Wochenbeginn durch Raketen der Hamas befeuert eine Online-Truppe Antisemitismus: Twitter-Tweets zeigen Jüdinnen und Juden, die attackiert werden. Es geht um die Verherrlichung von Ramm-Attacken, um Aufrufe zum Völkermord, sie zeigen Kämpfer mit Messern und Sturmgewehren. report München hatte Gelegenheit, die Auswertung der in Israel ansässigen "Online Antisemitism Task Force" einzusehen.

    Realbilder von Selbstmordattentätern und Flugzeugentführern

    Die Twitter-Botschaften bedienen gezielt antisemitische und anti-israelische Klischees, mit denen die islamistischen Terrororganisationen Hamas und "Palästinensischer Islamischer Dschihad", eine mit dem Iran verbundene militante Organisation in Gaza, Anhänger mobilisiert. Die überwältigende Mehrheit der dabei verwendeten Twitteraccounts verwendet dieselben Fotos, Grafiken, Hashtags und Symbole. Auch Realbilder von sogenannten Märtyrern, Selbstmordattentätern, Messerstechern oder Flugzeugentführern werden dort geteilt.

    Accounts generieren immense Reichweite

    Hinter den über 800 Accounts steckt ein pro-iranisches Netzwerk, dass die Propaganda auf Twitter teilt und gezielt verstärkt. Die Macher, so die israelische Organisation "Online Antisemitism Task Force", würden dabei strategisch vorgehen: Eine Analyse ergab, dass eine Verbindung zwischen einer großen Anzahl von Konten besteht. Die Namen der Konten sind nicht zufällig gewählt, sondern mit Hilfe von 15 Zeichen generiert. Mit solchen Methoden wird die Reichweite von Botschaften auf sozialen Medien enorm vergrößert. Nach Recherchen von report München sind viele dieser Konten noch immer online.

    Zwar sind die meisten der Hass-Posts in arabischer Sprache, doch sie spielen auch in Deutschland eine Rolle. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen würden Hassbotschaften auch in arabischer Sprache in Deutschland gelesen und geteilt.

    Antisemitismus in Deutschland über soziale Netzwerke angeheizt

    Im Zentrum der Propaganda seit Mitte 2020 stehen "Wir-gegen-sie"-Narrative, gegen Israel, aber auch gegen Juden. Diese Botschaften werden ganz aktuell bei den Ausschreitungen pro-palästinensischer Demonstrationen in Gelsenkirchen oder Köln beobachtet. Damit würde versucht, Hass zu entfachen und eine massive Woge der öffentlichen Meinung zu erzeugen, so Eliyahou Roth, Direktor der "Online Antisemitism Task Force".

    Er fordert Twitter auf, seiner großen Verantwortung gerecht werden. "Sie geben dem Terror eine Plattform", klagt Eliyahou Roth die Plattform ganz direkt an. "Wenn Sie sich entschließen würden, mit Anstiftung zum Terror und Antisemitismus so umzugehen, wie sie es mit Nacktheit oder Fake News tun, würden wir morgen ein anderes Social Media sehen". Alle Konten fördern eine bestimmte politische Agenda: Pro-iranische und schiitische Einflussnahme und Propaganda, insbesondere in Ländern, in denen iranische Stellvertretergruppen aktiv sind. Dazu gehören nicht nur der Palästinensische Islamische Dschihad und die Terrororganisation Hamas, sondern auch die Hisbollah, die Houthis oder die irakische Hisbollah.

    Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde besorgt

    Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern überrascht es kaum, "dass der Iran durch Agitation auf Sozialen Medien versucht, dem Staat Israel zu schaden und weltweit Antisemitismus zu verbreiten." Für schockierend hält sie allerdings, dass diese Gruppierungen auf Twitter über Monate ihr Unwesen treiben konnten, ohne belangt zu werden. "Die Anbieter kommen ihrer Verantwortung, Hass und Gewaltaufrufe auf den Plattformen zu unterbinden, ganz offensichtlich unverändert nicht nach. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Verantwortlichen von sich aus tätig werden, und andernfalls darauf hoffen, dass die Politik das Problem mit aller Entschlossenheit angeht", so Charlotte Knobloch.

    Forderung: Antisemitische Agitation auf Twitter löschen!

    Auch Fachleute des in Berlin ansässigen "International Institute for Education and Research on Antisemitism (IIBSA)" fordern gerade jetzt eine bessere Überwachung von Hassreden und Aufstachelung zum Terror. Für Kim Robin Stoller, Vorsitzende des IIBSA, ist das pro-iranische Terror-Propaganda-Netzwerk auf Twitter schockierend. Die eingehende Analyse offenbare nicht nur das Ausmaß des pro-iranischen Terroristen-Propaganda-Netzwerks mit einer Reichweite von Millionen von Menschen.

    Es sei auch "alarmierend, dass Twitter und andere große Tech-Unternehmen diese Art der Aufstachelung zum Terrorismus nicht entfernen und weiterhin eine Plattform dafür bieten". Große Tech-Unternehmen sollten gerade jetzt ernsthaft damit beginnen, Inhalte zu entfernen, die zum Terrorismus aufrufen und terroristische Gruppen unterstützen.

    © BR/Sabina Wolf
    Bildrechte: BR/Sabina Wolf

    Screenshot von Bildern eines Twitteraccounts

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