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Beim deutschen Presserat sind 2020 so viele Beschwerden eingegangen wie nie zuvor.

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    Presserat: 2020 brachte so viele Beschwerden wie nie zuvor

    Wer sich über die Berichterstattung in Zeitungen oder Zeitschriften ärgert, kann sich beim Presserat beschweren. Das Gremium ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse und hatte im vergangen Jahr mehr zu tun als jemals zuvor.

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    Von
    • Linus Lüring

    Beim Presserat gingen im vergangenen Jahr 4.085 Beschwerden ein. Das ist im Vergleich zum Jahr 2019 fast eine Verdopplung. Damals waren es 2.175. Das gab der Presserat in seiner Jahresbilanz bekannt. Der Sprecher des Presserats, Sascha Borowski, führt das im BR-Interview auf drei Gründe zurück. "Zum einen hatten wir einige Massenbeschwerden zu Fällen, die die Menschen sehr betroffen gemacht haben. Zum zweiten hatten wir einige Beschwerden – es waren mehrere hundert – für die wir gar nicht zuständig waren." Das seien Beschwerden gewesen zu Fällen beispielsweise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Darüber hinaus habe es mehr als 500 Beschwerden zur Corona-Berichterstattung gegeben, so Borowski.

    In prominentem Fall bleiben Beschwerden ohne Folgen

    Der Presserat untersucht die einzelnen Beschwerden. Bei Verstößen gegen den Pressekodex kann das Gremium auch Sanktionen gegen die betreffenden Redaktionen oder Medienhäuser verhängen. In einem Fall, der für besonders viele Beschwerden gesorgt hatte, hielt sich der Presserat allerdings zurück. Die Journalistin Hengameh Yaghoobifarah hatte in einer taz-Kolumne Polizisten mit Müll verglichen. Der Presserat hatte daraufhin ein Verfahren eingeleitet, aber schließlich keine Sanktionen verkündet.

    "In diesem Fall haben wir gesagt, das Ganze ist als Satire erkennbar. Es gibt einen Tatsachenkern, weil es gab ja doch einige Skandale bei der Polizei im Jahr 2020. Und darum haben wir gesagt, das ist medienethisch noch machbar", sagt der Sprecher des Presserats.

    Größtes Problem: Schleichwerbung

    Die härteste Sanktion, die der Presserat verhängen kann, ist eine Rüge. Im vergangenen Jahr stieg auch die Zahl der Rügen an. 2020 sprach der Presserat 53 Rügen aus. Ein Jahr vorher waren es noch 34 gewesen. Der häufigste Grund war eine fehlende Trennung zwischen Werbung und Berichterstattung, also zum Beispiel Schleichwerbung. Auch mangelnder Opferschutz wurde häufig beanstandet, etwa wenn Fotos von Unfallopfern unverpixelt gedruckt wurden.

    Wie wirksam ist die freiwillige Selbstkontrolle?

    Der Presserat hat allerdings ein Problem. Denn eigentlich müssen Rügen des Presserats veröffentlicht werden. Dazu haben sich die Verlage, die Mitglieder in dem Gremium sind, verpflichtet. Aber immer weniger Redaktionen tun das offenbar und drucken die Rügen zum Beispiel in einer Zeitungsausgabe ab. Im Jahr 2020 blieb rund jede dritte Rüge unveröffentlicht. Sascha Borowski bedauert dies: "Die freiwillige Selbstkontrolle der Medien lebt ja davon, dass Medien, die sich der Kontrolle unterwerfen, dann auch den Regeln folgen." Wenn ein Medium dann selbst entscheide, eine Rüge nicht zu veröffentlichen, dann sei dies ungut, weil es das ganze System sprenge, so Borowski. Allerdings kann der Presserat auch hier nur appellieren. Weitere Konsequenzen hat eine nicht veröffentliche Rüge derzeit nicht.

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