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Pressefreiheit 2019: Bedrohen, entführen, töten | BR24

© dpa-Bildfunk / Quetzalli Blanco

Pressefreiheit 2019: Bedrohen, entführen, töten

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    Pressefreiheit 2019: Bedrohen, entführen, töten

    Übergriffe auf Journalisten gab es auch in diesem Jahr in vielen Teilen der Welt. In Ländern wie Mexiko oder der Türkei ist Pressefreiheit generell ein schwieriges Thema, aber auch bei unserem Nachbarn Österreich achtet sie offenbar nicht jeder.

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    Beispiele für Angriffe auf die Pressefreiheit gibt es viele. Die folgende Liste über Ereignisse im Jahr 2019 zeigt nur einen Teil und könnte beliebig verlängert werden.

    Hongkong:

    Seit Monaten gehen Polizisten mit Gewalt gegen Demonstranten vor – aber auch ihr Umgang mit Journalisten wird brutaler. Eine Reporterin berichtet: "Sie haben uns bei dem Protest die Gasmasken heruntergezogen und uns mit Pfefferspray besprüht, die Folgen können Sie noch an meiner Hand sehen."

    Kein Einzelfall, wie Chris Yeung, der Chef des Hongkonger Journalistenverbandes erklärt: "Trotz mehrerer Beschwerden von Kollegen hat die Polizei ihre Gewalt gegen sie verstärkt. Es hat mehrere Fälle gegeben, bei denen Polizisten gezielt gegen klar als solche erkennbare Reporter vorgingen. Mit Tränengas, Gummigeschossen oder blau gefärbtem Strahl des Wasserwerfers …"

    Österreich:

    Im Frühjahr fordern Politiker von der Partei FPÖ, dass der renommierte ZIB-2-Moderator Armin Wolf wegen seiner Kritik an ihrer Partei entlassen wird. Wolf arbeitet bis heute beim öffentlich-rechtlichen ORF und meint dazu: "Wir sind nicht im Krieg mit der FPÖ, wir tun unsere Arbeit. Aber die FPÖ ist offenbar darauf gekommen, dass Angriffe ihr helfen. Ähnlich wie Donald Trump Qualitätsmedien in den USA als Feinde des Volkes diffamiert, so versucht die FPÖ jetzt eine Frontstellung aufzubauen."

    Türkei:

    Im Sommer erstellt die türkische Denkfabrik Seta eine Liste: Darauf stehen Journalistinnen und Journalisten, die für ausländische Medien kritisch über die Türkei berichten. Erol Önderoglu von Reporter ohne Grenzen kommentiert den Bericht so: "Er macht internationale Medienkollegen zur Zielscheibe, indem sie alle nacheinander mit Namen genannt werden. Das ist weit weg von jeder Analyse. Es sieht mehr nach einer Vorlage aus für den Geheimdienst oder für einen Staatsanwalt als Anklageschrift."

    Mexiko:

    Über 100 Medienschaffende wurden in Mexiko allein in den vergangenen zwölf Jahren ermordet. Weitere 21 seien entführt worden und bis heute verschwunden, berichtet Balbina Flores Martínez, eine Korrespondentin für Reporter ohne Grenzen: "Von denen spricht niemand. Der Umstand, dass so viele Personen gewaltsam verschleppt wurden, gehört zu den traurigsten Ereignissen im Lande. Man muss immer wieder darauf hinweisen, weil das immer wieder unterschlagen wird. 21 Journalisten sind verschwunden."

    Russland:

    Unter fadenscheinigen Gründen wird im Juni der Investigativjournalist Ivan Golunov inhaftiert. Erst auf Druck der Öffentlichkeit kommt er später wieder frei. Sein Kollege Pavel Kanygin von der Kreml-kritischen Novaya Gazeta glaubt: "Jeder Journalist kann sich als Ivan Golunov fühlen. Wenn dir jemand mitten in Moskau Drogen in den Rucksack stecken kann, dann begreifst du, dass dein Ruf, deine Bekanntheit, dein Name gar nichts wert sind. Denn es können jederzeit irgendwelche Typen von der Polizei vorbeikommen und dir Drogen unterschieben und dein Leben ist gebrochen."

    Mehr zum Thema: Das Medienmagazin am 25.12. um 14:05 Uhr auf B5 aktuell. Wiederholung am 29.12. um 21:05 Uhr.