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Prepaid-Karten-Kauf nur mit Ausweis | BR24

© pa/dpa/Christian Charisius

Eine Prepaid Karte des Mineralölkonzerns Shell zum Tanken im Wert von 44 Euro

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    Prepaid-Karten-Kauf nur mit Ausweis

    Ein verschärftes Anti-Terror-Gesetz verbietet ab Juli den Verkauf von anonymen Prepaid-Karten. Dann gilt: der Verbraucher muss sich registrieren lassen. Ein Mehraufwand für Verkäufer, der wohl zu höheren Tarifen führen wird. Von Claudia Grimmer

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    Es brummt, pfeift und klingelt überall und ständig. Unglaubliche 60 Millionen Prepaid-Karten sind im Umlauf. Bis jetzt galt für dieses SIM-Karten-Modell: zahlen, einschieben, loslegen. Zu kaufen gibt es sie an fast jeder Tankstelle, in Supermärkten oder bei Discountern. So einfach ist es ab dem 1. Juli nicht mehr. Ab dann gilt auch hier das neue Anti-Terror-Gesetz.

    Ausweis- und Registrierungspflicht

    Wer in Deutschland eine SIM-Karte kaufen möchte, der muss sich jetzt generell ausweisen. Seine Daten werden erfasst. Keine Vertragslaufzeit, Roaming in Ausland, vor allem anonyme Kommunikation, das waren bis jetzt die Vorteile der Prepaid-Karte für Verbraucher, - aber auch für Verbrecher. Attentäter wie die beim Anschlag in Berlin oder Paris haben solche SIM-Karten genutzt.

    "Und das ist auch mit ein Grund diese Prepaid-Karten-Nutzung, warum die Telefonüberwachungen so zahlenmäßig ansteigen, weil natürlich die Täter auch nicht dumm sind. Und wenn man den Verdacht hat, die Polizei hat jetzt vielleicht das Handy oder die Handynummer, besorgt man sich halt eine neue Prepaid-Karte und steckt sie ins Handy." Peter Schall, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, GdP

    Online-Registrierung, Post-Ident oder persönliche Vorlage möglich

    Ab 1. Juli müssen beim Kauf ein Ausweis vorgelegt und die Daten registriert werden. Erst dann wird die SIM-Karte aktiviert. In Handyshops ist das noch möglich, schwieriger ist die Umsetzung an Tankstellen oder im Discounter. Die Kassiererinnen haben gar nicht die Zeit die Registrierung vorzunehmen. Neben den schon jetzt bekannten Post-Ident-Verfahren kommt dann beispiellsweise die Online-Registrierung in Frage, wie sie IDnow aus München anbietet. Das funktioniert auf dem Smartphone genauso wie am PC. Nötig ist jedoch eine Webcam. Alle persönlichen Daten müssen eingegeben werden, dann erscheint ein Operator per Videochat, der durch die weitere Registrierung führt.

    Per Videochat zur Registrierung

    Der User wird fotographiert, dann muss er seinen Ausweis in die Kamera halten. Der Operator checkt dabei die Sicherheitsmerkmale, das Doppelschimmern des Adlers zum Beispiel. Ein paar Minuten dauert der Check. Die erfassten Daten werden dann an den Mobilfunkanbieter weitergegeben, erklärt der Geschäftsführer von IDnow, eine Firma in München, die diese Online-Registrierung bereits anbietet.

    "Die Daten werden nicht dauerhaft bei uns gespeichert, sondern werden komplett an den Telefonanbieter weitergegeben, so dass sie nach 90 Tagen nicht mehr hier vorliegen, sondern eben zur Legitimation bei dem Anbieter genutzt werden können." Michael Sittek, IDnow GmbH

    Wirklich ein Schutz?

    Die Folgen des neuen Gesetzes sind schon jetzt spürbar. Die Umsätze der Anbieter von Prepaid-Karten steigen an. Schnell noch eindecken, bevor die aufwendige Registrierung in Kraft tritt. Fraglich ist hingegen, ob die Maßnahme die Benutzung von Prepaid-Karten durch Kriminelle eindämmt, denn schließlich können diese noch völlig unkompliziert in Österreich oder Ungarn besorgt werden.

    Zudem wird vermutlich ein Schwarzmarkt für gebrauchte Prepaid-Karten entstehen. Solange die Regel nicht in ganz Europa gilt, ist sie wenig effektiv. Und: jeder Mehraufwand ist mit Kosten verbunden, das heißt, es ist zu erwarten, dass demnächst auch die Tarife für die Prepaid-Karten für Verbraucher steigen.