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Bildrechte: picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Nach dem Tötungsdelikt an vier Bewohnern einer Potsdamer Behinderteneinrichtung ist eine 51-jährige Mitarbeiterin festgenommen worden.

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Potsdamer Vierfach-Tötung: Angeklagte in Psychiatrie überstellt

Nach dem gewaltsamen Tod von vier Menschen im Pflegeheim "Oberlinhaus" herrscht Fassungslosigkeit in Potsdam. Die tatverdächtige 51-jährige Mitarbeiterin ist inzwischen in die Psychiatrie überstellt worden.

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  • BR24 Redaktion

Der Potsdamer leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann sagte der Nachrichtenagentur AFP nach der Vorführung beim Haftrichter, es gebe bei der Frau "entsprechende Hinweise" auf eine psychiatrische Erkrankung.

Einzelheiten zu den Abläufen und den möglichen Hintergründen des Verbrechens in der brandenburgischen Landeshauptstadt nannte die Staatsanwaltschaft weiterhin nicht. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen", sagte Lehmann. Die Nennung von Details könne Täterwissen offenbaren und damit die Ermittlungen gefährden.

Todesursache der Opfer: "Schwere äußere Gewalteinwirkung"

Die 51-jährige Mitarbeiterin soll am Mittwochabend in einer Wohneinrichtung für Behinderte vier Bewohner getötet haben. Laut Ermittlern starben die Opfer durch schwere äußere Gewaltanwendung. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hatte für die Frau zunächst Haftbefehl wegen Totschlags beantragt.

Entsetzen über Vierfachmord

Der Theologische Vorstand und Leiter des Potsdamer Oberlinhauses Matthias Fichtmüller sprach am Donnerstag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz von einer "großen Erschütterung im Selbstverständnis" für alle Mitarbeitenden. Es werde "eine Weile brauchen, bis wir das alles verstehen", sagte Fichtmüller.

Für den Abend ist nach seinen Worten eine Gedenkandacht in der Oberlinkirche geplant. Einen Gedenkgottesdienst für die Getöteten und deren Angehörige solle es in zwei Wochen geben.

Im betroffenen Thusnelda-von-Saldern-Haus der Oberlin Lebenswelten in Potsdam leben nach Angaben der Bereichsleiterin Wohnen, Tina Mäueler, mehr als 60 Menschen. Diese müssten ungeachtet der erschütternden Vorgänge weiter betreut werden.

Opfer waren Bewohner des Behindertenheims

Bei den vier Getöteten handelt es sich laut Matthias Fichtmüller und Tina Mäulerer, der Bereichsleiterin Wohnen in den Oberlin Lebenswelten, um Bewohner, die allesamt schon lange Zeit dort lebten, zwei davon bereits seit dem Kindesalter.

In der Nacht auf Donnerstag waren nach Polizeiangaben in verschiedenen Krankenzimmern des Oberlinhauses vier getötete Menschen und eine schwer verletzte Person gefunden worden. Eine 51-jährige Frau wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Der seit 150 Jahren bestehende evangelische Sozialkonzern Oberlinhaus gilt mit rund 2.000 Beschäftigten als einer der größten Arbeitgeber in Potsdam.

Landtag entsetzt über Gewaltverbrechen

Der Brandenburger Landtag hat den Angehörigen der Opfer Mitgefühl und Anteilnahme ausgesprochen. "Die schreckliche Bluttat in der vergangenen Nacht" erfülle den Landtag "mit Entsetzen und mit viel Traurigkeit", sagte Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) am Donnerstagmorgen in Potsdam kurz vor Beginn der Plenarsitzung. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat sich entsetzt über das Gewaltverbrechen gezeigt. "Ich bin schockiert über diese schreckliche Nachricht. Meine Gedanken gelten den Opfern und meine Anteilnahme den Angehörigen", erklärte Woidke über die Brandenburger Staatskanzlei am Donnerstag. "Es ist ein schwerer Tag für Brandenburg."

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