Briefmarken
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Briefmarken: Zuletzt mussten die Deutschen ihre Briefe mit 85 Cent frankieren. Das soll nach dem Willen der Post bald nicht mehr reichen.

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Post will höheres Briefporto bereits ab Anfang 2024

Nach 2022 könnte auf Postkunden schon Anfang 2024 eine weitere Anhebung des Portos für Briefe und Postkarten zukommen. Die Post argumentiert mit steigenden Kosten und "unerwartet stark abnehmenden Briefmengen". Entscheiden muss die Bundesnetzagentur.

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Man nehme eine der 80-Cent-Briefmarken, die man vor dem 1. Januar 2022 gekauft hatte, und klebe eine 5-Cent-Marke daneben, um auf das derzeit gültige Briefporto von 85 Cent zu kommen: wer dieses Prozedere eingeübt hat, muss vermutlich bald wieder umlernen. Die Deutsche Post will die aktuell geltende Regelung bei der Bundesnetzagentur widerrufen und sieht ein höheres Briefporto ab Anfang 2024 als "zwingend notwendig an". Auch das Porto für Postkarten - derzeit 70 Cent - soll weiter steigen. Beide Preise sind eigentlich bis Ende 2024 festgezurrt.

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Fünfte Preiserhöhung in zwölf Jahren

"Angesichts drastisch gestiegener Kosten durch Inflation, höhere Energiepreise und den sehr hohen Tarifabschluss 2023 sowie unerwartet stark abnehmende Briefmengen führt an einer Erhöhung des Portos kein Weg vorbei", argumentiert Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner.

Es wäre die fünfte Anhebung innerhalb von zwölf Jahren. Auch 2012, 2016, 2019 und 2022 erhöhte die Deutsche Post DHL bereits die Portopreise. Zur Erinnerung: Noch 2011 kostete die Beförderung eines Standardbriefs 55 Cent, Postkarten waren mit 45 Cent zu frankieren.

Schon zuvor hatte die Post Preiserhöhungen in den Bereichen Paket, Briefkommunikation und Dialogmarketing zum 1. Juli 2023 angekündigt. Bei diesen Produkten kann die Post ihre Preise selbst festlegen, bei Briefen und Postkarten muss die Bundesnetzagentur als Regulierer entscheiden, ob die Post an der Preisschraube drehen darf.

Die Rolle der Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur - zuletzt vor allem im Zusammenhang mit schleppender Digitalisierung und einem löchrigen Handynetz im Gespräch - wurde 1998 im Nachgang der Post-Privatisierung der damaligen CDU/CSU/FDP-Regierung unter Helmut Kohl eingerichtet. Eine ihrer vielen Aufgaben: Weil der ehemalige Staatsmonopolist auf dem Briefmarkt noch immer eine beherrschende Stellung einnimmt, muss sie Brief- und Porto-Erhöhungen genehmigen. Der Bonner Konzern ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das die Versorgung der Bevölkerung mit Briefen und Postkarten bis in entlegene Ecken der Republik sicherstellt. Konkurrenten konzentrieren sich dagegen auf das lukrative Geschäft in Ballungsräumen und mit Firmenkunden.

Konkurrenz fordert mehr Wettbewerb

Der Verband BIEK, in konkurrierende Dienstleister organisiert sind, fordert schon seit längerem eine Neuregelung der Entgeltregulierung. Er pocht auf mehr Wettbewerb und eine klare Trennung des Brief- vom Paketgeschäft der Post.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Ende Januar Eckpunkte für eine Gesetzesänderung vorgelegt; das Ministerium setzt auf mehr Wettbewerb und mehr Kompetenzen für die Bundesnetzagentur. Das könnte gravierende Folgen für den Marktführer Post haben.

Post: Verluste im Briefgeschäft

Der Konzern hatte im ersten Quartal im deutschen Brief- und Paketgeschäft mit rund 190.000 Beschäftigten einen Rückgang des Umsatzes auf rund 4,2 Milliarden Euro und einen Einbruch des operativen Gewinns (Ebit) um über 60 Prozent auf 138 Millionen Euro vermeldet. Gründe dafür seien höhere Materialkosten aufgrund von Inflation, Tarifvereinbarungen sowie zusätzlichen Personalkosten. Allein der mit der Gewerkschaft Verdi vor einigen Wochen verhandelte Tarifabschluss belaste die Post mit rund 400 Millionen Euro Mehrkosten in diesem Jahr und 800 Millionen Euro im Jahr 2024.

Allerdings verdienen die Bonner den Löwenanteil der Gewinne längst im internationalen Geschäft. Insgesamt verzeichneten sie einen operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Die Post-Aktien zogen zur Verkündigung des Preiserhöhungs-Antrags um 0,3 Prozent an.

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