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Entsetzen über Ausschreitungen am US-Kapitol mit vier Toten | BR24

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Bildrechte: picture alliance / AA | Tayfun Coskun

In Washington sind Proteste gegen den Wahlsieg des künftigen US-Präsidenten Biden eskaliert. Trump-Anhänger stürmten das Kapitol. Dabei gab es Tote.

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Entsetzen über Ausschreitungen am US-Kapitol mit vier Toten

Bei den Vorfällen rund um das US-Kapitol sind laut Polizei vier Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei setzte Blendgraten und Tränengas ein, es fielen Schüsse. Inzwischen ist das Kapitol wieder gesichert.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Claudia Steiner

Bei den Unruhen am US-Kapitol sind vier Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sei eine Frau, die von der Polizei des Kapitols angeschossen worden und später ihrer Verletzung erlegen sei, teilte der Polizeichef von Washington D.C., Robert Contee mit. Bei ihr soll es sich laut US-Medienberichten um eine glühende Trump-Anhängerin und Ex-Soldatin gehandelt haben. Drei weitere Personen - eine Frau und zwei Männer - seien durch "medizinische Notfälle" gestorben, so die Polizei. Einzelheiten zu den drei weiteren Toten waren zunächst nicht bekannt.

"Das ist ein tragischer Vorfall, und ich kondoliere der Familie und den Freunden des Opfers", sagte Polizeichef Contee. Der Vorfall werde intern von der Polizei untersucht. Bei den Zusammenstößen seien mindestens 14 Polizisten verletzt worden, zwei davon schwer. Einer der Schwerverletzten sei von Demonstranten in die Menge gezogen und dort angegriffen worden. Der zweite habe erhebliche Gesichtsverletzungen erlitten, als er von einem Projektil getroffen worden sei.

52 Festnahmen

Contee sagte, es seien auch zwei Rohrbomben gefunden worden - eine in der Nähe der Büros der Demokratischen Partei und eine in der Nähe der Büros der Republikanischer. Bis zum Abend habe die Polizei 52 Personen festgenommen - vier wegen verbotenem Waffenbesitz und 47 wegen Verstoßes gegen die nächtliche Ausgangssperre, die um 18.00 Uhr Ortszeit in Kraft trat. Die Hälfte dieser Festnahmen seien auf dem Gelände des Kapitols erfolgt.

Ausnahmezustand für Washington bis zur Amtseinführung

Die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, verlängerte den Ausnahmezustand für die Hauptstadt um zwei Wochen und damit bis über die geplante Amtseinführung von Trumps Nachfolger Joe Biden am 20. Januar hinaus. Bowser forderte, Trump müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass er seine Anhänger zum Marsch auf das Kapitol aufgefordert habe.

Chaotische Szenen im Kapitol

Aus Protest gegen den bevorstehenden Machtwechsel im Weißen Haus hatten gewaltbereite Anhänger des scheidenden Präsidenten Donald Trump das Kapitol in der Hauptstadt gestürmt. Randalierer überwanden die Sicherheitsbarrieren und schlugen Fenster ein, einige schafften es sogar in den Sitzungssaal des Senats.

Die Kongressabgeordneten, die in einer Sitzung den Wahlsieg des künftigen Präsidenten Biden formal bestätigen sollten, wurden nach chaotischen Szenen in Sicherheit gebracht. Die Polizei ging mit Blendgranaten und Tränengas gegen Trump-Anhänger vor und beendete die gewaltsame Besetzung des Kapitols nach vier Stunden.

Trump wiederholte Behauptungen über Wahlbetrug

Es dauerte mehr als zwei Stunden, bis Trump seine Anhänger per Videobotschaft aufforderte, das Kapitol zu verlassen. Zahlreiche Mitarbeiter und Spitzenpolitiker beider Parteien hatten ihn zuvor schon aufgefordert, dem Treiben seiner Anhänger ein Ende zu bereiten. "Wir müssen Frieden haben. Geht also nach Hause. Wir lieben euch. Ihr seid sehr besonders", sagte Trump und bekräftigte seine falschen Behauptungen über Wahlbetrug. Der Nachrichtendienst Twitter sperrte das Konto des amtierenden Präsidenten vorübergehend.

Biden: "Sie stellen nicht dar, wer wir sind"

Der künftige US-Präsident Joe Biden bezeichnete die Randale in seiner Heimatstadt Wilmington als "beispiellosen Angriff" auf die US-Demokratie. "Die chaotischen Szenen am Kapitol spiegeln nicht das wahre Amerika wider, sie stellen nicht dar, wer wir sind", so Biden, der am 20. Januar als Präsident vereidigt werden soll. "Ich rufe diesen Mob auf, sich zurückzuziehen und der Demokratie ihren Lauf zu lassen."

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte danach beim erneuten Zusammentreffen der Kammer: "Wir müssen und werden dem Land - und in der Tat der ganzen Welt - zeigen, dass wir uns nicht von unserer Pflicht ablenken lassen, dass wir unsere Verantwortung für die Verfassung und das amerikanische Volk wahrnehmen."

Kritik auch aus der Trump-Regierung

Der Angriff sorgte bis in die Reihen von Trumps Regierung für Entrüstung. Der scheidende Vizepräsident Mike Pence sagte am Abend bei der Fortsetzung der Senatssitzung: "An jene, die heute Chaos und Verwüstung in unser Kapitol gebracht haben: Ihr habt nicht gewonnen." Außenminister Mike Pompeo nannte es "unerträglich", bei Protesten Gewalt auszuüben.

Unterdessen traten zwei Spitzenberaterinnen der First Lady Melania Trump Insidern zufolge im Zuge der Gewalt zurück. Das Präsidialamt äußert sich zunächst nicht. Auch der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater des Präsidialamtes, Matt Pottinger, tritt US-Berichten zufolge zurück. Der Nationale Sicherheitsberater Robert O'Brien erwäge ebenfalls seinen Rücktritt, sagen Insider zu Reuters.

Internationales Entsetzen über Ausschreitungen

Der Sturm auf das US-Parlament löste auch international Entsetzen aus. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte Trump und seine Anhänger auf, das Votum der US-Bürger bei der Präsidentschaftswahl "endlich" zu akzeptieren und aufzuhören, "die Demokratie mit Füßen zu treten". Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verurteilte einen "beispiellosen Angriff" auf die US-Demokratie. Der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich für ein juristisches Vorgehen gegen Trump aus. "Gegen diesen Ex-Präsidenten wäre eine Anklage wegen Aufwiegelung zum Staatsstreich angemessen", sagte Gabriel der "Augsburger Allgemeinen".

Senat weist Einspruch gegen Wahlergebnis in Arizona zurück

Unterdessen setzten die Abgeordneten ihre Sitzung für die Zertifizierung des Ergebnisses der Wahl fort. Der Senat wies einen Einspruch gegen das Wahlergebnis im Bundesstaat Arizona zurück und erkannte den dortigen Sieg Bidens mit 93 zu sechs Stimmen an. Nach Mitternacht behandelte das Repräsentantenhaus dann einen Einspruch gegen das Ergebnis in Pennsylvania. Dieser wurde mit 92 zu sieben Stimmen zurückgewiesen. Neben der Abstimmung im Senat wurde die Debatte im Repräsentantenhaus fortgesetzt. Die Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses stimmen dagegen, den Ausgang der Präsidentenwahl in US-Bundesstaat Pennsylvania zu kippen. Das Votum fällt 282 zu 138 Stimmen aus.

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Bildrechte: dpa/John Minchillo

Bei den Vorfällen rund um das US-Kapitol sind laut Polizei vier Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei setzte Blendgraten und Tränengas ein, es fielen Schüsse. Inzwischen ist das Kapitol wieder gesichert.

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