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Zentralrat der Juden wirft Polizei mangelnden Schutz vor | BR24

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Nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle in Sachsen-Anhalt hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisiert, dass am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, die Synagoge nicht geschützt war.

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Zentralrat der Juden wirft Polizei mangelnden Schutz vor

Mit Entsetzen hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland auf den Anschlag gegen die Synagoge in Halle reagiert. Zugleich erhob Josef Schuster schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Politiker verurteilten die Tat aufs Schärfste.

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Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, äußerte sich bestürzt: "Die Tat von Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hat unsere Gemeinschaft auf das Tiefste in Sorge versetzt und verängstigt." Die Brutalität des Angriffs übersteige alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und sei ein tiefer Schock. Dass die Synagoge in Halle an Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, sei skandalös. "Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt."

Spaenle: "Neue Stufe der Eskalation"

Ludwig Spaenle, der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, bekundete sein Entsetzen über die Tat: "Wenn am höchsten jüdischen Feiertag im Umfeld einer Synagoge Menschen in wohl terroristischer Manier ermordet werden, dann ist das eine neue Stufe der Eskalation," sagte Spaenle dem Bayerischen Rundfunk.

Knobloch dankt Münchens OB Reiter

"Der entsetzliche Anschlag erfüllt uns mit Trauer und Wut", twitterte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie sprach den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitleid aus. Knobloch sah aber auch Zeichen der Hoffnung: "Mein Dank geht heute an die Polizei sowie auch an den Münchner OB #Reiter, der spontan das Jom-Kippur-Gebet besucht hat. Seine Überzeugung, dass jüdische Menschen hier eine Heimat haben, bleibt meine Hoffnung."

Haseloff: "Feiger Anschlag"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach nach den Angriffen in Halle von einer "verabscheuungswürdigen Tat".

"Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land." Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Bayerns Ministerpräsident Söder tief betroffen

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat sich bestürzt über die Angriffe in Halle geäußert. "Das schreckliche Verbrechen in Sachsen-Anhalt macht tief betroffen", sagte er. Er betonte: "Gerade jetzt gehört unseren jüdischen Mitbürgern unsere besondere Solidarität." Bayern stehe fest an der Seite der jüdischen Gemeinden. Zugleich teilte Söder mit, dass die bayerische Polizei die Bewachung jüdischer Einrichtungen und Synagogen im Freistaat verstärkt habe.

Kirchen äußern Entsetzen - und üben Kritik

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, er sei "entsetzt und fassungslos angesichts dieser Gräueltat. Man dürfe nicht zulassen, dass Juden in Angst und Unsicherheit ihren Glauben leben müssten. "Antisemitismus ist Gotteslästerung", betonte Bedford-Strohm.

"Wir sind den Juden in unserem Land, unseren Schwestern und Brüdern, gerade in diesen Stunden eng im Gebet verbunden", erklärte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx. Antisemitismus oder blinde Gewalt dürften keinen Platz in der Gesellschaft haben, ergänzte er.

Regierung: "Schreckliche Nachrichten"

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach in Berlin von "schrecklichen Nachrichten" aus Halle. Die Gedanken gingen "an die Freunde und die Familien der Todesopfer", sagte Seibert.

UN: "Tragische Demonstration von Antisemitismus"

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Taten von Halle scharf. Guterres bewerte den Vorfall als "eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus", teilte ein UN-Sprecher in New York mit.

Das Europaparlament gedachte mit einer Schweigeminute der Opfer von Halle. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.