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Ein User der Social-Media-App Clubhouse zeigt ihr Smartphone mit der Audio-Anwendung.

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    Politiker auf Clubhouse – digitaler Wahlkampf in Corona-Zeiten?

    Der Hype aus den USA ist nach Deutschland geschwappt: Die App Clubhouse steht auf Platz eins der Apple App Charts. Schnell haben auch Politiker den Nutzen der App erkannt. Doch wer mitmacht, zahlt mit seinen Daten.

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    Von
    • Sophie von der Tann

    "Mittags im Regierungsviertel" lautet der Titel. Klingt wie eine Radiosendung, hört sich zunächst auch fast so an. Verschiedene Menschen unterhalten sich, zum Beispiel über das Thema Recht oder Pflicht auf Homeoffice. Unter anderem mit dabei: Arbeitsminister Heil, Unionspolitikerin Diana Kinnert, auch ein Software Entwickler diskutiert mit. Doch das Gespräch findet auf der App Clubhouse statt.

    Jedes Mitglied kann einen sogenannten Raum starten, andere Redner einladen. Wer Interesse hat, kann zuhören, seine virtuelle Hand heben und spontan an der Diskussion teilnehmen. Wie eine große Videokonferenz – aber ohne Video, alles nur mit Ton. Und zwar einem anderen Ton als sonst auf Twitter, Facebook und Co., sagt Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion.

    Sachlicher Austausch statt Hate Speech

    Ihr Eindruck ist: Auf Clubhouse gehe es nicht darum, das Gegenüber niederzumachen und seine Position für falsch zu erklären. "Mir ist aufgefallen in den ersten Tagen bei Clubhouse, dass man sehr sachlich miteinander reden kann. Auch völlig unabhängig davon, welchen Hintergrund die Menschen haben." Die Netzpolitikerin vermutet, dass die Präsenz menschlicher Stimmen eine echte Barriere gegen Hate Speech aufbaut.

    Allerdings sieht sie auch die Gefahr, dass sich auf der App "Bubbles bilden, wo sich der Hass trifft". Also Clubräume, in denen Menschen etwa rassistische, antisemitische oder frauenfeindliche Parolen verbreiten.

    Das sei aber ein anderes Phänomen, als wenn man Hate Speech in Räume hinbringe, wo eigentlich keine solche Diskussion geführt werde, sondern zum Beispiel ein Morgengespräch über politische Themen mit verschiedenen Politikern und anderen Diskussionsteilnehmern. Auf Twitter habe sie die Erfahrung gemacht, dass man schnell rechten Hass als Reaktion auf Aussagen bekommt. Clubhouse schaffe allerdings eine Nähe, die sie sonst in Sozialen Netzwerken nicht empfinde, sagt Domscheit-Berg.

    Clubhouse als Tool für digitalen Wahlkampf?

    Eine Nähe auch zu möglichen Wählerinnen und Wählern - vor allem in Pandemiezeiten, denkt Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung. Denn klassische Wahlkampfstände und den Haustürwahlkampf werde es in diesem Jahr womöglich nicht geben, vermutet Bär. Die App sei eine Möglichkeit, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, Stammtische im Internet abzuhalten, ohne selbst ein neues Tool aufsetzen zu müssen.

    Dass viele Wähler aus seinem Wahlkreis auf Clubhouse sind, bezweifelt der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Er merkt an, dass viele Nutzer aus der "Berliner Bubble" kommen. Politiker, Journalisten, Startup Geeks. Und es gebe einen starken Männerüberschuss. Aber auch Klingbeil berichtet von der angenehmen Diskussionskultur. Außerdem mache es ihm Spaß, etwas Neues auszuprobieren.

    Zugang nur gegen Daten

    Teil des Clubs kann jedoch nur werden, wer ein Iphone besitzt und ins Clubhouse eingeladen wird. Der Haken daran: Die App zwingt die Nutzer, ihr Adressbuch zu teilen, wenn sie andere einladen wollen. Wenn man dann zum Beispiel Kontaktdaten von Geschäftspartnern übermittelt, kann das auch gegen die Datenschutzgrundverordnung verstoßen, warnt Monika Grethel, Datenschutzbeauftragte des Saarlands. Sie sitzt aktuell der Konferenz der Datenschützer von Bund und Ländern vor.

    Weiteres Problem: Mangelnde Transparenz. Es sei unklar, wofür die Daten verwendet werden, sagt die Datenschützerin. Laut eigener Datenschutzerklärung darf der Anbieter sie sogar weitergeben. Problematisch sei auch, dass das Unternehmen die Gespräche mitschneidet. Nutzer dürfen dies übrigens nicht.

    Datenschutzprobleme müssen gelöst werden

    Für die Linken Netzpolitikerin Anke Domscheit-Berg ist klar: "Diese Probleme müssen gelöst werden, sonst hat die App eine schwierige oder gar keine Zukunft in Europa." Allerdings hat das amerikanische Unternehmen Alpha Exploration bisher keine EU-Niederlassung. Kein europäischer Ansprechpartner - das widerspreche der Datenschutzgrundverordnung sagt Datenschützerin Grethel. Und es erschwere die Aufsicht. Wenn die ersten Beschwerden kommen, werde man eine umfassende Prüfung durchführen.

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