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Warum es in Spanien und in der Sahara geschneit hat | BR24

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Seltenes Wetterphänomen: Schneefälle in der Sahara.

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Warum es in Spanien und in der Sahara geschneit hat

Das Wetter hat es in Zeiten der Pandemie schwer, einen Platz ganz oben in den Schlagzeilen zu ergattern. Und auch Extremwetter braucht manchmal ein paar Tage, bis es publik wird. Wie zum Beispiel die Schneefälle von Spanien bis zur Sahara.

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Von
  • Michael Sachweh
  • BR24 Redaktion

Vor einigen Tagen kam es in Zentral- und Südspanien zu Rekordschneefällen. In Madrid türmt sich die weiße Pracht 30-40 cm hoch. Ja, sogar in Andalusien, wo "der Frühling überwintert", wie man zu sagen pflegt, reichte der Flockenwirbel bis fast an die Strände herunter. In einigen Tälern wurden zweistellige Minusgrade registriert.

Historische Schneefälle in Spanien

Frost und Schnee im Winter sind in den spanischen Bergen nichts Ungewöhnliches. Doch in dem Ausmaß, wie es vergangene Woche geschah, da muss man schon rund ein halbes Jahrhundert zurückgehen, um auf einen vergleichbaren Wintereinbruch zu stoßen - wie die Statistik offenbart.

Die extreme Kaltluft macht nicht am Mittelmeerstrand Halt. Die kalte Luftmasse wird durch ungewöhnlich starke Winde, die bis in die höhere Atmosphäre reichen und dort an den sogenannten Jetstream ankoppeln, weiter nach Süden transportiert.

© BR/Michael Sachweh

Die Großwetterlage, die zu Schnee und Eis in Spanien (9.-11. Januar) und Nordafrika (12. und 13. Januar) führte.

Schnee auch in der Wüste

Nur zwei Tage später sanken die Temperaturen in Marokko und Algerien in die Nähe des Gefrierpunkts. Die Kaltluft zusammen mit Tiefdruck und der über dem Mittelmeer aufgenommenen Feuchtigkeit bescherten den höheren Regionen Marokkos und Algeriens Schneefälle. So manche Bergregion Nordafrikas versank geradezu in der weißen Pracht.

Auf dem Höhepunkt des Kaltlufteinbruchs begann es in der algerischen Sahara zu schneien. Stunden später entstanden spektakuläre Fotos, die um die Welt gehen: Dünen aus rotem Saharasand unter einer weißen Schneedecke.

Schneefälle in der Sahara – wie passt das zum Klimawandel?

Zwei Fragen drängen sich dem Laien wie Experten angesichts dieses extremen Wintereinbruchs auf: Wie konnte es Frost und Schnee gelingen, so weit nach Süden in Regionen vorzustoßen, die geradezu als Inbegriff von Sonne, Wärme und Trockenheit - auch im Winter - gelten? Und wie passt das alles zum "Klimawandel", der doch Schnee und Eis zum Rückzug zwingt?

Auch in der Fachwelt wird dieser ungewöhnliche Kaltluftvorstoß diskutiert. Wie bei jedem seltenen Ereignis kamen hier gleich mehrere Faktoren zusammen. Ein wichtiger Faktor ist dabei der sogenannte Polarwirbel: ein starker, im Winter sehr hoch reichender Tiefdruckwirbel im Polargebiet. Er gehört zur Arktis wie das Azorenhoch zur gleichnamigen Inselgruppe. Doch zuweilen verlässt das Tief - und das ist beim Azorenhoch nicht anders - seinen angestammten Platz. Es spaltet sich dann in zwei Wirbel auf, oder ist nur noch ein Schatten seiner selbst und verschwindet mitunter gänzlich.

Polarwirbel lässt Westwindströmung kollabieren

Das hat weitreichende Folgen: Die in unserer Klimazone übliche Westwindströmung ist an diesen Wirbel gekoppelt. Sie kollabiert bei einem derart schwächelnden Polartief ebenfalls. Mit der Folge, dass es teils extremer Kaltluft aus dem hohen Norden gelingen kann, ungehindert von Westwinden in subtropische Gefilde vorzustoßen. Genau das passierte vergangene Woche: Arktisch-skandinavische Kaltluft begab sich, beflügelt durch starke Winde, auf eine mehr als 2.000 km lange Reise, um schließlich Spanien, Marokko und Algerien mit Eis und Schnee zu überziehen.

Eine Wetterkapriole also, die sehr selten ist. Solche Launen der Natur gehören zu unserem Klima. Wie der Klimawandel, der durch sie nicht in Frage gestellt wird. So wie eine Schwalbe keinen Sommer macht, sind solch seltene, weit südwärts ausgreifende Wintereinbrüche kein Beleg für das Ende des langfristigen Erwärmungstrends. Dieser geht unaufhaltsam weiter, wie die langjährigen Wetteraufzeichnungen zeigen.

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