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Plastiktüten-Verbot: Wirkung bleibt fraglich | BR24

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Das Bundesumweltministerium hat ein Verbot für Plastiktüten an Kassen auf den Weg gebracht. Es geht um sogenannte Kunststofftragetaschen. Die ganz leichten Tütchen etwa für Obst und Gemüse sowie besonders stabile Modelle sind nicht betroffen.

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Plastiktüten-Verbot: Wirkung bleibt fraglich

Bundesumweltministerin Schulze will von 2020 an Plastiktüten an der Ladenkasse verbieten. Davon ausgeschlossen sind besonders stabile Modelle und die dünnen Tütchen für Obst- und Gemüse, wie aus dem Gesetzentwurf hervorgeht. Bringt das was?

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Für die einen ist es reine Symbolpolitik. So zumindest nennt es der Bayerische Handelsverband. Denn Klimaschutz sei "in" und liege im Trend, sagt Sprecher Bernd Ohlmann. Der Vorstoß von Ministerin Schulze passe ins Bild.

"Greta und Co treiben die Politik vor sich her und jeden Tag wird dann ein neues Überraschungsei aus der Klimaschutzwundertüte geholt. Jetzt ist es eben das Plastikütenverbot." Bernd Ohlmann, Bayerischer Handelsverband

Freiwillige Selbstverpflichtung seit 2016

Ohlmann verweist auf die freiwillige Selbstverpflichtung, die der Handel vor drei Jahren mit dem Bundesumweltministerium geschlossen hat. Darin verspricht der Handel: Plastiktüten sollen nicht mehr umsonst an der Kasse herausgegeben werden. Einige Supermärkte haben Plastiktüten an der Kasse seitdem sogar vollständig gestrichen.

Solche Maßnahmen zeigen Wirkung, wie Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung nahelegen. Demnach verbrauchte der durchschnittliche Deutsche nur noch 24 Tüten im vergangenen Jahr - anstatt 68 Tüten wie noch 2015.

Alternativen wenig umweltfreundlich

"Das zeigt, dass wir auf freiwilliger Basis Wort gehalten haben", sagt Ohlmann. Einen komplett plastikfreien Supermarkt hält er allerdings für eine Illusion. Ein Großteil der Käufer seien sogenannte Impulskäufer, die spontan einkaufen gingen und deswegen keinen Beutel dabei hätten, sagt Ohlmann. Und betont: Alternativen zur Plastiktüte, wie etwa die Papiertüte, seien in diesem Fall auch nicht umweltfreundlicher. Der Nabu etwa hält Papiertüten zwar für leichter abbaubar als die Plastiktüte, in der Ökobilanz gesamt schnitten sie jedoch nicht besser ab.

Plastikfreier Supermarkt: Eine Illusion

Problematisch ist auch: Seit der Selbstverpflichtung 2016 ist zwar der Verbrauch der Plastiktüten an der Supermarktkasse zurückgegangen – der von sogenannten Hemdchenbeuteln an der Obst- und Gemüsetheke aber ist unverändert hoch. Zahlen des Bundesumweltministeriums zeigen, dass im vergangenen Jahr mehr als drei Milliarden solcher Beutel gebraucht wurden: 37 Stück pro Verbraucher. Ohlmann vom Handelsverband schließt deswegen: Ein Verbot der Plastiktüte produziere Verpackungsmüll an anderer Stelle. Zudem sei die Plastiktüte nur ein winziger Teil des Verpackungsmülls. Ein Sprecher des Umweltministeriums hatte kürzlich erklärt, Plastiktüten machten weniger als ein Prozent des gesamten Kunststoff-Verpackungsmülls aus.

Deutschland als Plastik-Entwicklungsland

Die Deutsche Umwelthilfe hält ein solche Einstellung für falsch und begrüßt die Initiative von Bundesumweltministerin Schulze. Es sei ein erster Schritt, sagt Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft der DUH. Denn irgendwo müsse man ja anfangen. Ohne Verbot würde man das Ende der Plastiktüte in die Länge ziehen "wie ein Kaugummi.“

"Deutschland ist, was Plastiktüten angeht, noch Entwicklungsland", so Fischer mit Verweis auf andere Staaten, in denen ein Verbot schon längst durchgesetzt sei. 61 Länder haben laut UN-Umweltprogramm UNEP Plastiktüten bereits verboten. Zuletzt hatte Island Anfang des Monats ein Verbot angekündigt.

Verbraucher müssen sich hinterfragen

Vor allem appellierte Fischer jedoch an die Käufer. Bei vielen funktioniere es schon gut, dass sie wiederverwendbare Alternativen nutzten. Aber man müsse sein Einkaufsverhalten auch selbst hinterfragen.