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"Plastikatlas": 38 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf | BR24

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Jeder Deutsche verursachte im Jahr 2016 rund 38 Kilogramm Plastikmüll - deutlich mehr als der durchschnittliche EU-Bürger. Das steht im neuen "Plastikatlas 2019" der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND. Die Politik müsse entschiedener gegensteuern.

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"Plastikatlas": 38 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf

Jeder Deutsche verursachte im Jahr 2016 rund 38 Kilogramm Plastikmüll - deutlich mehr als der durchschnittliche EU-Bürger. Das steht im neuen "Plastikatlas 2019" der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND. Die Politik müsse entschiedener gegensteuern.

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die den Grünen nahe stehende Heinrich-Böll-Stiftung sprechen in dem Atlas von einer "Wegwerfmentalität" in Deutschland. Es habe sich ein Lebensstil entwickelt, der unentwegt Abfall produziere.

Laut ihrem Bericht produziert Coca-Cola 3 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Plastik pro Jahr, Nestlé 1,7 Millionen Tonnen und Danone 750.000 Tonnen.

Müll-Export ist keine Lösung

Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung warnte im Morgenmagazin von ARD und ZDF davor, Plastikmüll ins Ausland zu bringen. Dort werde er zum Teil verbrannt:

"Zum Teil auch auf illegalen Deponien, zum Beispiel in Malaysia. Und wir leben in dieser Illusion und diesem Mythos, wir hätten alles sauber gesammelt und recycelt. Deswegen ist es so wichtig, dass die Produktion insgesamt reduziert werden muss." Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung

Zusatzstoffe als besondere Gefahr

Vor allem im Plastik enthaltene Zusatzstoffe wie Weichmacher werden im "Plastikatlas" als Gefahr genannt. Sie können zu Unfruchtbarkeit führen. Auch Mikroplastik bereitet den Umweltschützern Sorge. Das kann etwa beim Waschen von synthetischer Kleidung ins Wasser und in den Boden gelangen.

Die Politik ist zu langsam

Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung fordert, dass die Hersteller dazu verpflichtet werden müssten, weniger Plastik herzustellen.

"Die Politik antwortet definitiv viel zu langsam. Schritte wie Strohhalme zu verbieten, das sind gute Schritte. Aber das ist nicht ausreichend, wir müssen grundsätzlich wie beim Klima CO2-Emissionen zu reduzieren, auch beim Plastikmüll massiv reduzieren." Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung

Deutsche wollen weitere Plastik-Verbote

Eine von der Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegebene, repräsentative Forsa-Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass viele Deutsche das auch so sehen: Demnach würden sich 84 Prozent der Deutschen weitere Verbote von Plastikprodukten wünschen. 91 Prozent sagen, dass die Bundesregierung sich auf EU-Ebene dafür einsetzen solle, Hersteller dazu zu verpflichten, langlebige, reparierbare und wieder verwertbare Produkte auf den Markt zu bringen. Eher unpopulär sind zusätzliche Abgaben auf Einwegplastikprodukte für Verbraucher. Dafür sprechen sich nur 61 Prozent aus.

Kein Vertrauen in Freiwilligkeit

Von freiwilligen Lösungen für Industrie und Handel halten die Deutschen wenig: Unverbindliche Maßnahmen heißen demnach nur 7 Prozent gut.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) setzt bisher auf Freiwilligkeit. Bis Herbst will sie mit dem Handel konkrete Schritte vereinbaren, um Verpackung zu verringern.