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Pflege-Bonus: Eine Frage der Anerkennung für Klinik-Beschäftigte | BR24

© pa / dpa

Pflegepersonal mit Schutzkleidung auf einer Intensivstation

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    Pflege-Bonus: Eine Frage der Anerkennung für Klinik-Beschäftigte

    Der Pflege-Bonus sollte allen zugute kommen, die in der Corona-Krise besonders viel geleistet haben. Nun kommt er bundesweit nur in der Altenpflege – Beschäftigte in Krankenhäusern gehen leer aus. Das sorgt für Enttäuschung.

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    Ende Juni entlädt sich die Wut an einem Lavendel-Strauch. Der Wissenschaftsstaatssekretär in Rheinland-Pfalz, Denis Alt (SPD), pflanzte ihn auf ein Stück Rasen vor das Universitätsklinikum in Mainz - um sich für den Einsatz der Mitarbeiter während der Corona-Pandemie zu bedanken. Das Ministerium twittert die Aktion und bekommt vor allem wütende Reaktionen, auch von Krankenpflegern.

    Die Helden der Krise

    Drei Monate zuvor: In vielen deutschen Städten ertönt Applaus von den Balkonen, wenn Pflegekräfte anrücken, um Corona-Tests zu machen und die Infizierten in der Isolation zu untersuchen. Die Pflegerinnen und Pfleger in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen werden zu den "Helden der Krise", sind plötzlich "systemrelevant".

    Zu ihrer ohnehin schon hohen Arbeitsbelastung kommt das erhöhte Risiko: Bis heute haben sich über 14.000 Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten, mit Corona angesteckt. Zum Vergleich: In der Fleischindustrie sind es unter 5.000.

    Alles Wissenswerte zum Coronavirus erfahren Sie hier.

    "Es wurden Erwartungen geweckt"

    Politisch kommt damit das Thema der fairen Bezahlung für Pflegekräfte wieder auf die Tagesordnung. Grünen-Pflegepolitikerin Kordula Schulz-Asche sagt BR24: "Es ist die Erwartung geweckt worden, dass man wahrnimmt, dass hier Menschen unter sehr hohem individuellen Einsatz arbeiten. Und von daher hat man mehr erwartet als ein Dankeschön."

    Der Pflege-Bonus kommt – aber nicht für alle

    Auch die Bundesregierung reagiert. Mitte Mai beschließt der Bundestag mit dem zweiten Pandemie-Gesetz den Pflege-Bonus: Eine Einmalzahlung von bis zu 1.500 Euro. Zwei Drittel kommen vom Bund, ein Drittel sollen die Länder beisteuern. In fast allen Bundesländern soll er in voller Höhe mit dem Juli-Gehalt ausgezahlt werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt im Bundestag:

    "Der Applaus ist wichtig, die Anerkennung ist wichtig und genau die stellen wir mit diesem Gesetz sicher." Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

    Allerdings bekommen den Bonus nur Pflegerinnen und Pfleger, die in Altenheimen oder ambulanten Pflegediensten arbeiten. Beschäftigte in Krankenhäusern werden im Gesetz nicht erwähnt.

    Wer ist für den Dank zuständig?

    Das Gesundheitsministerium begründet das unter anderem mit dem höheren Lohn-Niveau in Krankenhäusern. Außerdem könnten die anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen mit den Arbeitgebern selbst Boni vereinbaren, heißt es auf der Homepage des Ministeriums.

    Grünen-Bundestagsabgeordnete Schulz-Asche hält das im Normalfall für richtig. Es sei in erster Linie Sache der Arbeitgeber, sich bei den Beschäftigten zu bedanken. Aber in der Corona-Pandemie seien auch die Krankenhäuser in die Schieflage geraten. Der Gesundheitsminister mache sich die Antwort deshalb zu einfach, sagt sie.

    DKG: Boni in Krankenhausbudgets nicht vorhanden

    Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die die Interessen der Kliniken vertritt, betont die schwierige wirtschaftliche Lage. "Über ein Drittel der Krankenhäuser macht Verluste", sagt ihr Hauptgeschäftsführer Georg Baum zu BR24. Deshalb seien die Boni in den Jahresbudgets der Kliniken zum großen Teil nicht vorhanden.

    Außerdem gebe es ein Gerechtigkeitsproblem, wenn die einen Krankenhäuser, denen es ein bisschen besser geht, zahlen und die anderen nicht. Wenn, dann brauche man eine Lösung für alle.

    Flickenteppich: Bonus in Bayern auch für Krankenpfleger

    Allerdings ist das bis jetzt auch mit der staatlichen Lösung nicht der Fall. Nur in Schleswig-Holstein und Bayern gibt es einen Bonus auch für Krankenpfleger. In Berlin ist er in der Planung.

    Das bayerische Kabinett hat den Bonus bereits Anfang April beschlossen. Krankenpfleger, Rettungssanitäter sowie Beschäftigte in Behinderteneinrichtungen können Einmalzahlungen von 500 Euro beantragen – so viel wie der Länderanteil für die Altenpfleger. Das bayerische Gesundheitsministerium meldet, der Bonus werde in Anspruch genommen. Ende Juli seien insgesamt schon fast 230.000 Anträge bearbeitet worden.

    Ausweitung gefordert

    Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht sich durch die Lösungen, die die einzelnen Bundesländer gefunden haben, in ihrer Forderung nach einem staatlichen Bonus bestätigt. Es funktioniere nur, sagt Georg Baum, wenn der Staat bereit sei, den politischen Versprechungen auch Mittel hinzuzufügen und das dann aus Steuermitteln zu finanzieren.

    Auch Gewerkschaften sowie SPD, Linke und Grüne im Bundestag fordern, die Bonus-Zahlungen auszuweiten. Entsprechende Pläne der Bundesregierung sind bisher allerdings nicht bekannt.

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