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Peru - Südamerikas zweiter Corona-Hotspot | BR24

© Ivo Marzykusc ARD-Studio Buenos Aires

Neben Brasilien entwickelt sich Peru zum zweiten Corona-Sorgenfall in Südamerika. Dabei hat das Land seit Mitte März die strengste Ausgangssperre auf dem Kontinent. Warum gibt es dort trotzdem fast 150.000 Infizierte.

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Peru - Südamerikas zweiter Corona-Hotspot

Neben Brasilien entwickelt sich Peru zum zweiten Corona-Sorgenfall in Südamerika. Dabei hat das Land seit Mitte März die strengste Ausgangssperre auf dem Kontinent. Warum gibt es dort trotzdem fast 150.000 Infizierte.

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Jenny Tela preist Hühnchen an. Auf dem Markt herrscht Betrieb wie immer. Valle de Jicamarca ist eines der vielen Armenviertel von Lima, der Hauptstadt von Peru. Von Quarantäne oder Ausgangssperre ist auf diesem geschäftigen Markt wenig zu spüren. "Ich arbeite als Straßenhändlerin und verkaufe Hühnchen", erzählt die Frau. "Und ich muss auch in dieser Krise jeden Tag arbeiten. Ich habe kein festes Einkommen, ich muss von Tag zu Tag Geld verdienen, um zu essen. Wenn ich aufhöre zu arbeiten, haben meine Kinder und ich nichts zu essen. Und wie sollen wir dann gesund bleiben?"

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Männer und Frauen nur abwechselnd zum Einkaufen

So geht es vielen Menschen in Lima mit seinen riesigen Elendsvierteln. Eigentlich gilt in Peru eine Ausgangssperre, vermutlich sogar die strengste in Südamerika. Schwer bewaffnete Soldaten patrouillieren auf den Straßen. Zeitweise durften Männer und Frauen nur abwechselnd zum Einkaufen auf die Straßen, je nach Wochentag.

Trotz dieser Ausgangssperre steigt die Zahl der Corona-Fälle in Peru weiter dramatisch an. Das Land mit seinen 32 Millionen Einwohnern zählt inzwischen fast 150.000 Infizierte und mehr als 4.000 Tote. Nach Brasilien hat sich Peru zum zweiten Corona-Hotspot in Südamerika entwickelt. Präsident Martín Vizcarra verkündete deswegen schon, der Ausnahmezustand werde verlängert - und zwar bis zum 30 Juni, wenn auch mit gewissen Lockerungen.

Peru ist es nicht gelungen, den Trend umzukehren

Durch die Ausgangssperre hat sich die Ausbreitung der Krankheit verlangsamt. Aber in Peru ist es nicht gelungen, den Trend umzukehren. Den Grund kann man wahrscheinlich auf dem Markt von Valle de Jicamarca beobachten. Die Menschen können nicht von Erspartem leben, müssen sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. So wie Jessica: "Ich verkaufe jetzt hier Masken um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aus Baumwolle, ganz ohne Kunstfaser. Pro Maske verdiene ich einen Sol, so dass ich am Ende des Tages 20 oder 25 Soles habe." Das sind ungefähr sechs Euro. Die versprochene Soforthilfe des Staates ist bei Jessica nicht angekommen. "Nein, bis jetzt habe ich keine Soforthilfe bekommen", sagt sie, "dabei bin ich alleinerziehende Mutter und ich habe drei Töchter, eine mit drei Jahren und zwei ältere."

"Ich dusche nach der Arbeit - gründlich"

Und auch der Taxifahrer Jesús sagt, zu Hause bleiben komme einfach nicht in Frage. "Natürlich habe ich Angst. Aber was soll ich tun, wenn die Kinder um Essen bitten. Ich trage Handschuhe und dusche nach der Arbeit - gründlich."

Und damit ist er noch privilegiert. Denn viele der staubigen Hüttensiedlungen, die rund um Lima immer weiter hinauf in die Berge wuchern, haben gar keine Wasserversorgung. Was in Zeiten einer Pandemie auch keine gute Voraussetzung ist. Eine Frau schildert es so: "Es reicht nicht einmal mehr zum Händewaschen, weil wir jetzt mit der Krankheit so viel Wasser brauchen. Und ohne Wasser, womit sollen wir uns waschen? Die Kinder spielen draußen, wir müssen ihre Kleidung jeden Tag waschen und sie sollen sich dauernd die Hände waschen und das ist ein Problem, weil der Wasser-Tankwagen nicht bis zu uns hoch kommt."

Peru nimmt das Virus ernst - anders als Brasilien

Gesundheitsminister Víctor Zamora behauptet, die Zahl der Neuinfektionen habe jetzt ein Plateau erreicht und werde von nun an nach und nach zurückgehen. Angesichts der letzten Zahlen erscheint das ziemlich optimistisch. Denn die Kurve der Neuinfektionen zeigt immer steiler nach oben, zuletzt steckten sich Tag für Tag rund 6.000 Menschen mit dem neuen Coronavirus an. Anders als im Nachbarland Brasilien nimmt die Regierung das Virus zwar ernst. Doch in einem Land, das so arm ist wie Peru, sind Ausgangssperren wohl nur zum Teil durchsetzbar.

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Neben Brasilien entwickelt sich Peru zum zweiten Corona-Sorgenfall in Südamerika. Dabei hat das Land seit Mitte März die strengste Ausgangssperre auf dem Kontinent. Warum gibt es dort trotzdem fast 150.000 Infizierte.