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© pa/dpa/Sven Simon

Paul Ziemiak

Der Gewinner stand so gut wie fest. Er hieß nicht Paul Ziemiak. Als die Junge Union (JU) im Oktober 2014 einen neuen Vorsitzenden wählen sollte, stand Benedict Pöttering bereit, um das Amt zu übernehmen. Der Sohn des CDU-Politikers und langjährigen Präsidenten des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering, hatte hervorragende Kontakte, war mediengewandt und eloquent. Paul Ziemiak trat trotzdem gegen ihn an - und gewann. Beim Deutschlandtag der JU in Inzell bedankte sich Ziemiak mit den Worten:

"Ich bin voller Stolz, euer Paul sein zu dürfen." Paul Ziemiak als JU-Vorsitzender

Als Dreijähriger ohne Deutschkenntnisse im Kindergarten Iserlohn

Paul Ziemiak hatte es geschafft, die karriereorientierten, gut vernetzten Delegierten der Jungen Union emotional zu überzeugen - mit seiner eigenen Biografie. 1988 kamen die Eltern mit ihm und seinem Bruder aus dem polnischen Stettin in die Bundesrepublik. Der dreijährige Pawel, jetzt Paul, sprach kein Wort Deutsch im Kindergarten. Aber die Eltern, die katholische Kirche in Iserlohn und dieses Land hätten ihm die Möglichkeit aufgezeigt, alles werden zu können, was man will. Der JU rief er zu: "Es ist egal, wo Du geboren wurdest. Wichtig ist, was Du erreichen möchtest. Das muss die Botschaft der Jungen Union sein."

Ein guter Freund, der auch Kritik aushält

Das Wort Freundschaft kommt in der Politik sehr selten vor. Carsten Linnemann benutzt es dennoch ganz bewusst. Seit über zehn Jahren ist der Chef der Mittelstandsvereinigung nun mit Paul Ziemiak befreundet. Paul sei unbefangen und sage, was er denkt, beschreibt Linnemann den CDU-Generalsekretär. Paul nehme Kritik stets konstruktiv auf, man könne immer offen mit ihm reden. Linnemann schätzt Ziemiak auch, weil er "ein sehr gutes strategisches Gespür für die Parteienlandschaft" habe. Was die beiden wohl noch planen?

Ein Generalsekretär muss austeilen und einstecken können

Das Wesen aller Partei-Jugendorganisationen ist, den Vorsitzenden auf die Finger zu klopfen. Ziemiak tat das als JU-Chef stets mit Maß, nie beleidigend oder völlig außerhalb der Parteilinie. Als CDU-Generalsekretär steht er nun Annegret Kramp-Karrenbauer loyal zur Seite. Er verkauft die Linie der Partei – manchmal nur mit anderen Worten.

Einen regelrechten Shitstorm erlebte Ziemiak, als er die Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte. "Oh Mann", schrieb er über Thunbergs Meinung zum deutschen Kohleausstieg, "nur pure Ideologie. Arme Greta." Innerhalb weniger Stunden bekam er tausende erboste Antworten auf Twitter. Ziemiak hielt das aus, entschuldigte sich auch nicht. Generalsekretäre sind dazu da, ein bisschen Stunk zu machen.

Hat er seine Heimat und die JU verraten?

Vor der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer hatte Paul Ziemiak kein Geheimnis daraus gemacht, dass seine Favoriten anders heißen. Beim Parteitag in Hamburg im Dezember 2018 unterstützte er erst die Nordrhein-Westfalen Friedrich Merz und Jens Spahn und wechselte erst dann an die Seite von Kramp-Karrenbauer. Sie hatte ihn spätabends auf der Tanzfläche überzeugt, ins Konrad-Adenauer-Haus zu kommen. "Verräter", flüsterten die Delegierten beim Parteitag. Sie straften ihn mit 63 Prozent ab.

63 Prozent als magische Zahl am Anfang

Annegret Kramp-Karrenbauer war in ihr Amt als CDU-Generalsekretärin mit 99 Prozent gestartet. Die 63 Prozent für den neuen Mann an ihrer Seite rechtfertigte sie nun mit der Unzufriedenheit mancher Merz- und Spahn-Unterstützer. Aber es sei doch ein Ergebnis, auf das man aufbauen könne, beschwichtigte Kramp-Karrenbauer. So sieht das wohl auch Paul Ziemiak. Als er im Oktober 2014 gegen den großen Konkurrenten Benedict Pöttering antrat, bekam er auch 63 Prozent. Bei seiner Wiederwahl im vergangenen Herbst erreichte Ziemiak 91 Prozent.