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Parlamentswahl in Polen: Opposition auf verlorenem Posten? | BR24

© BR/Jan Pallokat

Erst Anfang September hat die oppositionelle Bürgerplattform ihre Spitzenkandidatin gewählt. Malgorzata Kidawa-Blonska war kurz vor der Parlamentswahl in Polen vielen unbekannt. Anders als bei der Europawahl formierte sich kein Anti-PiS-Block.

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Parlamentswahl in Polen: Opposition auf verlorenem Posten?

Erst Anfang September hat die oppositionelle Bürgerplattform ihre Spitzenkandidatin gewählt. Malgorzata Kidawa-Blonska war kurz vor der Parlamentswahl in Polen vielen unbekannt. Anders als bei der Europawahl formierte sich kein Anti-PiS-Block.

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Eine Szene im Vorfeld der Wahl: Als sich unterm Wahlkampfzelt Kameramann und Fotograf in die Haare geraten, wird Malgorzata Kidawa-Blonska ihrem Ruf als Frau des Ausgleichs gerecht, die auch in Stresssituationen Gemüter beruhigen kann. "Meine Herren, bitte sehr, kein Streit, Zusammenarbeit. Wir gehen jetzt ein Foto machen und Ihr verständigt Euch hier", sagt Malgorzata Kidawa-Blonska.

"Zusammenarbeit, kein Streit", prangt es auch auf Malgorzata Kidawa-Blonkas Wahlkampfbus. Anfang September erst wurde die 62-Jährige überraschend zur liberalen Spitzenkandidatin ernannt: in der Stunde höchster Not für die liberale Opposition, denn der größte Oppositionsblock, die "Bürgerkoalition", verharrt in den Umfragen hartnäckig weit hinter der regierenden PiS-Partei.

PiS zeichnet das Bild vom zähnefletschenden Liberalen

Was auch Oppositionsführer Grzegorz Schetyna zu verdanken sei, einem früheren Außenminister, dessen Image so mies ist, dass ihn die Kaczynski-Partei PiS gern selbst in ihren Wahlspots bringt: als Sinnbild für den kalten, zähnefletschenden Liberalen, der den Leuten als Erstes die liebgewonnenen Sozialleistungen entreißen würde. Und nun eine Frau vom Typ "Zuhörerin", geschmackvoll gekleidet und angenehm im Umgang, wie selbst Gegner zugeben. Das brachte sogar den sonst recht siegesgewissen Parteichef Kaczynski kurz aus dem Tritt:

"Unsere Gegner versuchen jetzt zwar sich in ein Schafsfell zu kleiden, und probieren es mit einer eleganten Dame. Und doch vernimmt man hinter ihrer Gestalt das Zähneknirschen eines Wolfes." PiS-Chef Kaczynski

Freilich erwies sich bald, dass Frau Kidawa-Blonskas Stärke zugleich ihre größte Schwäche ist: Sie ist vielen unbekannt, vielleicht gerade auch weil sie nie in das Gebrüll derjenigen einstimmte, die Politik als Vernichtung des jeweils anderen verstehen. Also fährt sie durchs Land, nicht nur ihre Botschaft zu verbreiten, sondern auch, dass sie überhaupt antritt.

"Zurzeit gibt es zwischen Opposition und Regierung nicht einmal einen winzig kleinen Bereich, in dem wir zusammen arbeiten können. Denn in Polen gibt es eine Spaltung nicht nur der Parteien, sondern in den Familien. Weihnachten sitzen die Anhänger des einen Lagers auf der einen, die des anderen auf der anderen Seite des Tisches. Das ist absurd!" Malgorzata Kidawa-Blonska, Spitzenkandidatin der oppositionellen Bürgerplattform

Nur jeder zweite Pole kennt die liberale Spitzenkandidatin

Doch auch nach drei Wochen wusste laut Umfragen immer noch nur jeder zweite Pole, dass sie kandidiert – sie habe ja noch drei Wochen, meinte sie damals lächelnd. Während der Europawahl hatten sich die Liberalen mit der Linken und der Bauernpartei zu einem umfassenden Anti-PiS-Block zusammengetan – ohne Erfolg.

Dass die Opposition nun wieder getrennt marschiert, nutzt offenbar besonders der sich neu formierenden Linksallianz, deren Umfragewerte steigen. Zwar klingen ihre Themen - Kirche und Staat trennen, Abtreibungen legalisieren, Öko-Wende und Ausstieg aus der Kohle – in polnischen Ohren radikal und wären kaum mehrheitsfähig. Aber Umfragen zeigen, dass Linken-Wähler hochmotiviert sind und das zuallererst wegen der Inhalte.

Doch so sehr Konkurrenz das Geschäft um die Stimmen der PiS-Gegner auch beleben mag, sie spielt der Regierungspartei auch in die Hände: Denn der polnische Wahlmodus belohnt den Größten mit überproportional vielen Sitzen. Je zersplitterter die Opposition, desto besser für den – voraussichtlichen – Wahlsieger.

© BR.de

In Polen sind mehr als 30 Millionen Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Als klarer Favorit gilt die bisher allein regierende Partei "Recht und Gerechtigkeit".