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Papst zu zweitägigem Besuch in Irland eingetroffen | BR24

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© picture-alliance/dpa

Papst Franziskus wird am Wochenende nach Irland reisen. Auch hier wird ihn das Thema Missbrauch nicht loslassen. Franziskus will am Samstag in Dublin Missbrauchsopfer treffen und für die Betroffenen sexueller Übergriffe durch Geistliche beten.

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Papst zu zweitägigem Besuch in Irland eingetroffen

Papst Franziskus besucht am Wochenende die von Missbrauchsskandalen erschütterte Kirche in Irland. Anlass der heute beginnenden, zweitägigen Visite ist das alle drei Jahre in einem anderen Land stattfindende katholische Weltfamilientreffen in Dublin.

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Papst Franziskus ist zu Beginn seines zweitägigen Irlandbesuchs von Staatspräsident Michael Higgins empfangen worden. Higgins hieß den Papst am Samstag mit offiziellem Zeremoniell an seinem Amtssitz Aras an Uachtarain im Phoenix Park von Dublin willkommen.

Die zweitägige Reise in das erzkatholische Land findet im Rahmen des Weltfamilientreffens statt, wird allerdings überschattet von einer Reihe von Missbrauchsskandalen. Gleich zu Anfang seines Besuchs wird Franziskus auf einen auf den ersten Blick untypischen Vertreter des katholischen Irlands treffen. Leo Varadkar hat einen indischen Vater, ist katholisch aufgewachsen, aber sagt von sich, dass er keine Religion praktiziert und: er ist bekennend homosexuell.

Seit über einem Jahr ist Leo Varadkar Irlands Premierminister – er steht auch dafür, wie sich das Land verändert hat. Die katholische Kirche hat nicht zuletzt wegen verschiedener Missbrauchsskandale mit tausenden Opfern, die in den letzten Jahren aufgedeckt wurden, ein gewaltiges Problem, sagt der Ministerpräsident, bevor er den Papst begrüßt:

"Die Skandale haben die Glaubwürdigkeit der Kirche natürlich beschädigt. Wenn vor 40, 50, 60 Jahren ein Gemeindepfarrer oder ein Bischof etwas gesagt hat, dann hätte es eine riesige Mehrheit der Menschen in Irland für die Wahrheit gehalten, für die moralisch richtige Sichtweise. Aber die verschiedenen Skandale haben die Glaubwürdigkeit der Kirche natürlich beschädigt. " Leo Varadkar, irischer Premier

Schon seit Dienstag läuft das Weltfamilientreffen der katholischen Kirche in Dublin mit dem Papstbesuch als Höhepunkt. 750.000 Menschen kommen in die irische Hauptstadt, um dabei zu sein.

Nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen

Das Treffen in Dublin ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Bei vielen Veranstaltungen in den Messehallen kommen zwangsläufig auch die harten, die schwierigen Themen vor. Father John McDonald ist dabei, mit seiner großen Leibesfülle eine imposante Erscheinung. Eigentlich stammt er aus Belfast in Nordirland. Seit sechs Jahren leitet er eine Gemeinde im Nordwesten Dublins. Father John nimmt kein Blatt vor den Mund – schon mit der Definition von „Familie“ habe die katholische Kirche ein Problem:

"Traditionell war Familie Mutter, Vater, Sohn und Tochter. Aber wir brauchen in Irland eine viel weitere Definition. Dann müssen wir über Alleinerziehende reden, über Schwule und Lesben, die sich von solchen Veranstaltungen lange ausgeschlossen gefühlt haben. Nehmen wir die großen Probleme: Scheidung, Abtreibung, Verhütung, Homosexualität: es gibt eine Norm, eine Idee, Jesus ist im Evangelium ganz klar – aber wenn er es mit einzelnen Menschen zu tun hat, dann geht er einen Schritt zurück, und nimmt die Menschen an, wie sie sind. Ich glaube, darin sind wir nicht besonders gut." Father John

Immerhin: Diese Themen kommen hier in Dublin auf den Tisch. Father John hofft nur, dass die vielen Problemthemen die Freude über den Papstbesuch nicht zu sehr trüben. Und wo er schon mal in Fahrt ist, spricht der Priester noch über ein anderes, ganz grundsätzliches Problem seiner Kirche:

"Welches andere weltweite Unternehmen – wir sind das nicht, aber man kann das vergleichen – welches andere Unternehmen sagt: Unsere Chefs sind alles Männer, unverheiratete Männer und die meisten von denen ältere, unverheiratete Männer. Das ist verrückt, wenn man darüber nachdenkt. Das ist Teil des Preises, den wir zahlen mussten. Das muss alles aufgebrochen werden." Father John

Kirche muss Missbrauchsfälle ernsthaft angehen

Und die katholische Kirche muss auch die Missbrauchsfälle ernsthaft angehen, nicht nur in Irland. Das Weltfamilientreffen wird einerseits davon überschattet, andererseits ist es eine gute Gelegenheit, sagt Baroness Sheila Hollins. Die angesehene Psychiaterin gehörte der Missbrauchs-Kommission des Papstes an, berät das Gremium weiter. Papst Franziskus finde die richtigen Worte, sagt sie, aber das reicht nicht mehr:

"Er sagt: wir wissen, was wir tun müssen, aber wir tun es nicht. Er gibt den Bischöfen keine Schuld, er bittet sie und die Leitung der Kurie in Rom, Dinge zu tun. Aber nichts ist passiert. Ich glaube, dieses Treffen ist, was dieses schwierige Thema angeht, eine Chance für die Kirche, das wirklich sehr ernst zu nehmen. Nicht nur in den westlichen Ländern, sondern in der ganzen Welt. Denn das Problem gibt es überall." Baroness Sheila Hollins, Ex-Mitglied der Missbrauchs-Kommission des Papstes

Papst Franziskus wird sich also auch in Dublin zum Thema Missbrauch äußern, sich äußern müssen. Opfer, Menschen die schreckliche Taten von Priestern und in katholischen Einrichtungen überlebt haben, warten darauf.

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Autor
  • Jan-Christoph Kitzler
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