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Papst in Marokko: Mahnende Worte zur Flüchtlingspolitik | BR24

© BR / Jörg Seisselberg

Es war die bislang bemerkenswerteste Rede des Papstes in Marokko: Er hielt sie vor Flüchtlingen in einem Saal der Caritas. Doch gerichtet war sie wohl eher an die Politiker der westlichen Welt.

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Papst in Marokko: Mahnende Worte zur Flüchtlingspolitik

Es war die bislang bemerkenswerteste Rede des Papstes in Marokko: Er hielt sie vor Flüchtlingen in einem Saal der Caritas. Doch gerichtet war sie wohl eher an die Politiker der westlichen Welt.

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Die bescheidenste Hütte für die wichtigste Botschaft: Die bislang bemerkenswerteste Rede seines Besuchs in Marokko hielt der Papst in einem schlichten Saal der Caritas in Rabat. Rund 60 Migranten und Flüchtlinge aus der Mitte und dem Westen Afrikas saßen Franziskus in dem kleinen Raum gegenüber.

"Es ist für mich eine Gelegenheit, meine Nähe zu euch allen zum Ausdruck zu bringen und mit euch einer großen und schweren Wunde entgegenzutreten, die den Beginn des 21. Jahrhunderts weiter stark belastet. Es ist eine Wunde, die zum Himmel schreit", sagte der Papst.

Immer mehr Migranten und Flüchtlinge suchen über Marokko den Weg nach Europa, viele von ihnen aber stranden hier, weil ihnen das Geld für die Weiterfahrt fehlt. Die Caritas kümmert sich um diese Menschen, hilft ihnen bei der Wohnungssuche und gibt ihnen medizinische Hilfe.

Entwicklung heißt Fähigkeit zum Mitgefühl

Franziskus machte seine Rede vor den Flüchtlingen und den Helfern zu einer Art Manifest für eine christliche Flüchtlingspolitik.

Eine entwickelte Gesellschaft, so die Mahnung des Papstes Richtung Europa und Nordamerika, zeichne sich nicht nur durch ihre technische und wirtschaftliche Stärke aus, sondern auch auch durch ihre Fähigkeit zum Mitgefühl. Aufnehmen, schützen, fördern und integrieren - das müsse die Leitlinie für eine christliche Politik sein.

"Wie verlassen und unwirtlich eine Stadt wird, wenn sie die Fähigkeit zum Mitgefühl verliert", so der Papst weiter. "Eine herzlose Gesellschaft, eine sterile Mutter. Ihr seid keine Außenseiter, ihr seid in der Herzmitte der Kirche."

Bekenntnis zum UN-Migrationspakt

Die Migranten in der Mitte einer christlichen Politik. Franziskus bekannte sich in Rabat zum in Marokko Ende vergangenen Jahres beschlossenen UN-Migrationspakt. Dieser Pakt leiste einen Beitrag zu einer sicheren und geordneten Migration, so der Papst. Das sei notwendig, "um den Menschenfleisch-Händlern, die mit den Träumen und mit den Nöten der Migranten Geschäfte machen, keine neuen Räume zu geben."

Zum Auftakt seines Besuchs in Marokko hatte Franziskus erneut die Bedeutung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen betont. Religion dürfe nicht missbraucht werden, um zu Hass und Gewalt aufzurufen, sagte der Papst. Marokkos König Mohammed betonte: Radikalismus sei die Folge von Ignoranz, dies könne nicht militärisch, sondern nur durch Bildung besiegt werden.

20.000 Katholiken leben in Marokko

Zum Abschluss seines Besuches in Marokko wird Papst Franziskus heute eine Messe in Rabat feiern - in einem Land, in dem Christen mehr Freiheiten genießen als in anderen muslimischen Staaten. König Mohammed hatte in seiner Rede zur Begrüßung des Papstes ausdrücklich betont, er sehe sich als Garant der Religionsfreiheit auch für die Christen im Land. Knapp 10.000 Menschen erwartet die örtliche Kirche zur Messe heute - damit wäre rund die Hälfte aller Katholiken in Marokko an einem Ort versammelt.

© BR

Tag Zwei des Papstbesuches im afrikanischen Marokko: Auch heute baute Franziskus Brücken zwischen Christen und Muslimen. Am Morgen besuchte er ein katholisches Sozialzentrum in Rabat - und traf sich anschließend mit Ordensträgern.