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Papst Franziskus
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Stefan Meining
Tilmann Kleinjung
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Papst Franziskus

Marie Collins erinnert sich ungern an ihre Zeit im Vatikan. 2014 berief Papst Franziskus die Irin in die päpstliche Kinderschutzkommission. Sie war selbst als Mädchen in den 1960er Jahren von einem Priester missbraucht worden und sollte nun der katholischen Kirche dabei helfen, diesen nicht enden wollenden Missbrauchsskandal aufzuarbeiten.

Vor zwei Jahren zog sich Marie Collins allerdings aus der Kommission zurück. Im Interview mit dem ARD-Magazin report München zeigt sie sich enttäuscht von Papst Franziskus.

"Er berief die Kommission ein, um Missbrauch zu verhindern und den Opfern zu helfen. Die Kommission unterbreitete ihm hierfür Vorschläge. Er genehmigte sie und tat dann nichts, um zu sehen, was tatsächlich geschah." Marie Collins

Reformbemühungen werden von Missbrauchsskandal überlagert

Papst Franziskus war angetreten, die katholische Kirche zu reformieren, zu öffnen. Doch alle Reformbemühungen werden von diesem epochalen Skandal überlagert: Allein in Deutschland wurden in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg mindestens 3.677 Kinder und Jugendliche von katholischen Geistlichen missbraucht.

Bei seiner jüngsten Weihnachtsansprache an die Kardinäle versprach Franziskus, dass die Kirche alles Notwendige tun werde, "um jeden, der solche Verbrechen begangen hat, der Justiz zu überstellen. Die Kirche wird nie versuchen, einen Fall zu vertuschen oder zu unterschätzen." Dieses Versprechen muss Franziskus noch einlösen.

Franziskus handelte in der Vergangenheit widersprüchlich

Bisher war sein Handeln eher widersprüchlich: Einen schwer belasteten Bischof aus Chile nimmt er zunächst in Schutz, spricht von "Verleumdungen". Dann relativiert der Papst seine Aussagen und leitet eine Untersuchung ein. Kardinal Raymond Leo Burke kritisiert den Papst für dessen Aufarbeitung:

"Man kann jetzt schwer sagen, wie der genaue Ansatz ist. Ich würde sagen, es ist mehr Verwirrung als alles andere."

Erzbischof fordert Rücktritt des Papstes

Kardinal Raymond Leo Burke war ein einflussreicher Mann im Vatikan - bis ihn Franziskus kaltstellte. Nun nutzen konservative Gegner des Papstes wie er jede Gelegenheit, um den Papst zu kritisieren. Sie vermissen eine klare Linie - auch im Missbrauchsskandal. Im August verlangte ein Erzbischof sogar seinen Rücktritt. Der Papst zähle selbst zu den Vertuschern im Missbrauchsskandal - ein ungeheurer, nicht belegter Vorwurf, der von Kardinal Burke dennoch aufgegriffen wird:

"Ob wir so weit gehen sollten, seinen Rücktritt zu fordern, das ist eine andere Frage. Aber es ist wahr, dass für klassische Kommentatoren, ein Papst, der von seinem Amt vor allem in dogmatischer Hinsicht abweicht, sich also der Häresie schuldig macht, automatisch aufhört, Papst zu sein." Kardinal Raymond Leo Burke

"Missbrauchsdebatte ist Vorwand, um Papst zu beschädigen"

Ein Kardinal, der den Papst offen kritisiert und von "Häresie" spricht. "Das gehört sich nicht für ein Mitglied der Kurie", sagt der deutsche Kardinal Walter Kasper im Interview mit report München. Die Missbrauchsdebatte sei doch nur ein Vorwand, um den Papst zu beschädigen.

"Es gibt schon Leute, die einfach dieses Pontifikat nicht mögen - und die wollen das so schnell wie möglich beenden und wollen sozusagen ein neues Konklave haben. Und das wollen sie auch vorbereiten, dass das in ihrem Sinne nach Möglichkeit ausgeht. Also, den Missbrauchsskandal jetzt für diesen Zweck zu benützen, das scheint mir unangebracht zu sein." Kardinal Walter Kasper

Im Februar hatte der Papst die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen zu einer Tagung über den Missbrauchsskandal nach Rom bestellt. Die Opfer erwarten Taten, keine Machtspiele.