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Papst Franziskus trifft Opfer von Fukushima | BR24

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Nach Besuchen in Nagasaki und Hiroshima hat Papst Franziskus am Montag sein Programm in Tokio weitergeführt. Dort traf er sich unter anderem mit Opfern der Dreifachkatastrophe von Fukushima.

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Papst Franziskus trifft Opfer von Fukushima

Der Papst in Tokio: Nach Besuchen in Nagasaki und Hiroshima traf er sich am Montag unter anderem mit Opfern der Katastrophe von Fukushima. Bei dem Unglück waren 2011 rund 19.000 Menschen ums Leben gekommen. Tausende leben noch immer fern der Heimat.

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Ein kurzer Musikeinspieler begrüßt den Papst im "schönen Saal Hanzomon" in Tokio. Bevor Franziskus seine gut zehnminütige Rede hält, erzählen Überlebende der Dreifachkatastrophe – Seebeben, Tsunami und Atomunglück – von Fukushima, wie es ihnen damals ergangen ist.

Überlebende schildern ihr Schicksal

Der buddhistische Mönch Tokuun Tanaka schildert, dass die Region damals ein friedlicher Ort mit wunderschöner Natur und einer prosperierenden Land- und Fischereiwirtschaft gewesen sei. Der Mönch lebte damals in einem Kloster rund 17 Kilometer entfernt vom Reaktor Fukushima Daiichi. Durch das Unglück wurden die Einwohner in seiner Region in alle Ecken des Landes verstreut. Bis heute seien nur 35 Prozent zurückgekehrt.

"Erst fühlten wir uns ohnmächtig angesichts dieser schrecklichen Realität. Aber langsam kommen wir wieder auf die Beine, akzeptieren die Realität und versuchen, vorwärts zu gehen." Mönch Tokuun Tanaka

Wie schwer diese Realität für viele Menschen noch immer zu ertragen ist, schildert anschließend Matsuki Kamoshita. Er war acht Jahre alt, als er seine Heimat verlassen und wegen der Strahlung zunächst nach Tokio umziehen musste. Sein dreijähriger Bruder habe sich in seinen Futon eingegraben und geweint. "Ich wurde dauernd gemobbt, das hat mir so wehgetan, dass ich sterben wollte", so Matsuki Kamoshita. Sein Vater sei geistig und körperlich krank geworden und habe nicht mehr arbeiten können. Dennoch denkt Matsuki: "Wir hatten Glück, weil wir fliehen konnten."

Aus seiner Sicht werde es sehr lange dauern, bis die verseuchte Region nicht mehr radioaktiv belastet sei. Davor dürfe man nicht die Augen verschließen, appelliert der Jugendliche aus Fukushima, während ihm der Papst aufmerksam zuhört.

An die Opfer erinnern und weiterhin Hilfe leisten

Papst Franziskus umarmt Matsuki Kamoshita und hebt anschließend das Leid der Menschen hervor. Die Versammelten sollten still innehalten und beten für die rund 19.000 Opfer, die ihr Leben verloren haben, für ihre Familien und für die weiterhin Vermissten.

Nicht vergessen, sondern erinnern, so der Tenor des katholischen Kirchenoberhaupts. Eines der schlimmsten Übel sei eine Kultur der Gleichgültigkeit, so Franziskus:

"Möge dieses Treffen dazu dienen, dass wir alle gemeinsam einen Appell an die Menschen guten Willens richten, damit die Opfer dieser Tragödien weiter die Hilfe erhalten, die sie brauchen." Papst Franziskus

Im Laufe des Montags wird sich der Papst noch mit dem Kaiser und Jugendlichen treffen und später eine Messe abhalten.