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Papst Franziskus schickt Prüfer ins Erzbistum Köln (Symbolbild)

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    Papst Franziskus schickt Prüfer ins Erzbistum Köln

    Papst Franziskus hat eine Überprüfung des Erzbistums Köln von Kardinal Rainer Maria Woelki angeordnet. Er entsendet eine sogenannte Apostolische Visitation in das größte deutsche Bistum, das sich seit Monaten in einer schweren Krise befindet.

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    • BR24 Redaktion

    In einem ungewöhnlichen Schritt hat Papst Franziskus eine Apostolische Visitation, also eine offizielle Überprüfung, für das Erzbistum Köln angeordnet. Mit der Überprüfung hat der Papst zwei Bischöfe beauftragt und sie zu Apostolischen Visitatoren ernannt: Kardinal Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, und Johannes van den Hende, Bischof von Rotterdam und Vorsitzender der Niederländischen Bischofskonferenz. Sie sind mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet.

    "Komplexe pastorale Situation" im Fokus

    "Die Gesandten des Heiligen Stuhls werden sich im Laufe der ersten Junihälfte vor Ort ein umfassendes Bild von der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum verschaffen", teilte die Apostolische Nuntiatur in Deutschland mit. Sie würden "eventuelle Fehler Seiner Eminenz Kardinals Woelkis" untersuchen.

    Im Fokus stehen aber auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße - ehemals Personalchef in Köln - sowie die beiden beurlaubten Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff. Auch ihr Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs wird von den beiden Beauftragten des Papstes untersucht.

    Tiefe Vertrauenskrise im Bistum

    Das Erzbistum Köln befindet sich seit vielen Monaten in einer tiefen Vertrauenskrise, die sich in einer Welle von Kirchenaustritten spiegelt. Die Krise begann damit, dass Woelki eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Untersuchung zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zurückhielt. Als Begründung dafür führte er rechtliche Bedenken an.

    Ein neues Gutachten, das im März veröffentlicht wurde, das auch als Gerkce-Report bekannt wurde, sprach Woelki von Pflichtverletzungen frei, wies aber hohen Amtsträgern im Erzbistum Köln - darunter ehemalige Generalvikare und Erzbischöfe - mindestens 75 Pflichtverletzungen zwischen 1975 und 2018 nach. Demnach sind die Würdenträger Verdachtsfällen nicht nachgegangen und haben sich nicht um Betroffene gekümmert. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp boten Papst Franziskus daraufhin ihren Rücktritt an. Beide waren früher als Generalvikare in Köln tätig.

    Nicht nur Woelki wandte sich an den Papst

    Für Woelki war die Krise damit jedoch nicht bewältigt. Kritiker warfen dem Kardinal vor, sich zu sehr auf juristische Fragen zurückzuziehen und zu wenig moralische Verantwortung zu übernehmen. Ende 2020 wurde dem Kardinal erstmals angelastet, in einem Missbrauchsfall an Vertuschung beteiligt gewesen zu sein. Zuletzt hatten 14 der 15 Kreis- und Stadtdechanten von Woelki "persönliche Konsequenzen" gefordert.

    Der Kardinal wandte sich angesichts der Kritk im Dezember an Papst Franziskus. Der Papst solle prüfen, ob er als Kölner Erzbischof eine Pflichtverletzung nach dem Kirchenrecht begangen habe, so Woelkis Absicht damals.

    Auch Laienvertreter vom Kölner Katholikenausschuss und die Protest-Initiative Maria 2.0 im Rheinland hatten Papst Franziskus um sein Eingreifen gebeten und unter anderem eine Visitationsreise eines Vatikanvertreters angeregt.

    Der Kardinal begrüßt den Schritt des Vatikans

    Kardinal Woelki begrüßte in einer ersten Reaktion die angekündigte Apostolische Visitation. "Bereits im Februar habe ich den Heiligen Vater in Rom umfassend über die Situation in unserem Erzbistum informiert", erklärte er.

    "Ich begrüße, dass der Papst sich mit der Apostolischen Visitation ein eigenes Bild über die unabhängige Untersuchung und die Konsequenzen daraus verschaffen will." Kardinal Rainer Maria Woelki

    Er werde die beiden Visitatoren "mit voller Überzeugung in ihrer Arbeit unterstützen", so Woelki: "Alles, was der konsequenten Aufarbeitung dient, begrüße ich."

    Münsteraner Bischof lässt Ermittlungen prüfen

    Neben der Visitation auf Anweisung des Papstes wurde zudem bekannt, dass der Münsteraner Bischof Felix Genn innerhalb weniger Monate in einem zweiten Fall prüfen lässt, ob er kirchenrechtliche Ermittlungen gegen Erzbischof Woelki aufnehmen lässt. Woelki werde erneut vorgeworfen, einen mutmaßlichen Vorfall sexueller Gewalt durch einen katholischen Pfarrer nicht weiter untersucht und nicht gemeldet zu haben, teilte das Generalvikariat in Münster mit.

    Bei einem ersten gemeldete Fall soll Woelki im Jahr 2015 nach Sichtung von Personalunterlagen verfügt haben, den Missbrauchsvorwürfen gegen einen inzwischen verstorbenen Pfarrer nicht weiter nachzugehen. Das Opfer erhielt nach einer Prüfung des Falls eine Entschädigung in Höhe von 15.000 Euro vom Erzbistum. Zu dem neuen Fall machte das Bistum Münster keine Angaben. Wie die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" berichtet, handelt es sich um Vorwürfe des Missbrauchs gegen einen Pfarrer.

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