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Papst Franziskus ist derzeit in der Slowakei. In Batislava hat er am Holocaust-Denkmal die Ermordung von mehr als 100.000 slowakischen Juden während der Shoa verurteilt.

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Papst ehrt Opfer des Holocaust in der Slowakei

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in der Slowakei Scham über die Ermordung von mehr als 100.000 jüdischen Slowaken im Zweiten Weltkrieg bekundet. Er verurteilte den damaligen "Wahnsinn des Hasses" sowie den anhaltenden Antisemitismus.

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Von
  • BR24 Redaktion

Papst Franziskus hat bei einem Besuch in der Slowakei am Montag Opfer des Holocaust geehrt. "Eure Geschichte ist unsere Geschichte, eure Leiden sind unsere Leiden", sagte er zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinde des Landes vor dem Holocaust-Mahnmal in der Hauptstadt Bratislava.

Franziskus bekannte Scham über die Ermordung von mehr als 100.000 jüdischen Slowaken im Zweiten Weltkrieg. Gottes Name sei immer wieder missbraucht worden, sagte er und verurteilte den "Wahnsinn des Hasses" im Zweiten Weltkrieg sowie den anhaltenden Antisemitismus. "Lasst uns dabei vereint sein, alle Gewalt und jede Form des Antisemitismus zu verurteilen, und dabei, uns dafür einzusetzen, um dafür zu sorgen, dass das Bildnis Gottes, präsent in der Menschheit, die er geschaffen hat, niemals entweiht wird", sagte der Papst.

Papst Franziskus benennt Mittäterschaft der Christen

Bei dem Besuch des Holocaust-Mahnmals führte der Papst auch die Mittäterschaft von Christen an Verbrechen gegen Juden im Zweiten Weltkrieg vor Augen. Die Slowakei hatte sich 1939 von der Tschechoslowakei unabhängig erklärt und wurde zu einem Marionettenstaat der Nazis mit dem Politiker und katholischen Priester Jozef Tiso als Präsident. Unter Tisos Regierung wurden antijüdische Gesetze verabschiedet und rund 75.000 Juden in Konzentrationslager deportiert, wo etwa 68.000 von ihnen umkamen. Heute leben in dem überwiegend katholischen Land etwa 5.000 Juden.

Jüdische Gemeinde lobt Papstbesuch als "historisch"

Aus der jüdischen Gemeinde wurde der Besuch von Papst Franziskus als historisch gelobt. Der Papst hörte den Schilderungen eines Holocaust-Überlebenden zu, der von den Schrecken des Massenmords an den Juden und vom bleibenden Schmerz der jüdischen Gemeinde erzählte.

In Studien ist über die Jahre festgestellt worden, dass der damalige Papst Pius XII. der Politik von Tiso nicht zugestimmt hatte. Pius XII. hatte demnach 1942 interveniert, um die Deportation von Juden in der Slowakei zu stoppen. Zwei Jahre später wurden aber wieder Juden deportiert, nachdem Nazi-Soldaten auf Antrag von Tiso in der Slowakei einmarschiert waren.

Papst trifft Staatspräsident der Slowakei

Bevor sich der Papst mit dem Thema Holocaust auseinandersetzte, hatte er die slowakische Staatspräsidentin Zuzana Caputova getroffen. Dabei sagte der 84-Jährige, dass die Corona-Pandemie die größte Prüfung in der jüngeren Geschichte gewesen sei. "Sie hat uns gelehrt, wie leicht es ist, selbst wenn wir alle im selben Boot sitzen, uns zurückzuziehen und nur an uns selbst zu denken", sagte er. "Lasst uns stattdessen mit der Erkenntnis von vorne anfangen, dass wir alle zerbrechlich sind und andere brauchen."

Bei einem anderen Termin in der Slowakei zeigte sich der Papst gut gelaunt: Er witzelte beim Gang in eine Kathedrale in Bratislava, als ihm eine Journalistenfrage gestellt wurde, wie es ihm gehe. "Ich lebe noch!", war die Antwort. Bei einem Treffen mit Priestern und Nonnen machte er Scherze. Danach lief er auf dem Platz der Kathedrale herum, um Pilger zu begrüßen. Er genoss sichtlich den Enthusiasmus der Schaulustigen. Am Vortag hatte Papst Franziskus Ungarn besucht.

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