| BR24

 
 

Bild

Papst Franziskus bei der Abschlussmesse in Irland
© REUTERS/Stefano Rellandini

Autoren

© REUTERS/Stefano Rellandini

Papst Franziskus bei der Abschlussmesse in Irland

Rund 300.000 Gläubige waren zur Abschlussmesse nach Dublin gekommen - und damit deutlich weniger als erwartet. Das mag am schlechten Wetter in der irischen Hauptstadt gelegen haben, aber auch an dem Thema, dass die 32 Stunden, die Papst Franziskus in Irland war, überschattet hat.

Am Ende seiner Reise sprach das Oberhaupt der katholischen Kirche das Thema noch einmal an, das viele Menschen in Irland bewegt. Und er sprach Worte, auf die viele schon lange gewartet hatten:

"Wir bitten um Vergebung wegen des Missbrauchs in Irland, Missbrauch von Macht, seelischer und sexueller Missbrauch, durch Funktionsträger der Kirche. Besonders für den Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen, die von Ordensleuten, -schwestern und anderen geführt wurden. Und wir bitten um Vergebung für die Fälle von Ausbeutung von vielen Minderjährigen durch Arbeit. Wir bitten um Vergebung für die Fälle, in denen die Kirche den Überlebenden des Missbrauchs kein Mitgefühl, keine Ermittlungen, und keine Wahrheit ermöglicht hat, durch konkretes Handeln. Einige Mitglieder der Hierarchie haben diese schmerzhaften Situationen nicht zu ihrer Sache gemacht, haben geschwiegen. Wir bitten um Vergebung." Papst Franziskus

Früher hatten Vertreter der Kirche die Taten meist als "Sünde" bezeichnet, Papst Franziskus nannte sie "abscheuliche Verbrechen", sprach vom "Versagen" der Kirchenoberen.

Demonstranten sehen Papst-Besuch als Show

Tausende Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche und in katholischen Einrichtungen Irlands waren in den vergangenen Jahren ans Licht gekommen, nicht nur sexueller Missbrauch. Müttern wurden ihre Kinder weggenommen, es gab Zwangsarbeit, medizinische Versuche, Kinder, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen.

Und kurz bevor der Papst seine Messe feierte, waren schon die Demonstranten auf der Straße. "Nein zum Papst" war auf den Schildern zu lesen und: "Der Papst deckt die Täter". Eine Demonstrantin sieht im Papstbesuch, in den Erklärungen eine große Show, sie erwartet keine Taten des Papstes gegen Pädophile. Ein Mann sagt, dass einige Menschen in Irland schlimme Erfahrungen gemacht haben, und dass er gerne mit ihnen solidarisch sei. Rom war nie ein Freund Irlands, sagt er noch.

Missbrauchs-Überlebende hoffen auf härtere Strafen

Das bekannteste Gesicht der Überlebenden ist Marie Collins. Sie selbst wurde mit 13 durch einen Priester im Erzbistum Dublin missbraucht. Sie war bei einem Treffen des Papstes mit acht Opfern dabei. In Irland habe der Papst über die Verbrechen gesprochen, über die, die die Täter gedeckt haben, dass die katholische Kirche ein systematisches Problem habe, aber:

"Es könnten mehr konkrete Dinge getan werden. Von mir aus müsste jeder Priester, der missbraucht, sofort aus der Kirche ausgeschlossen werden. Jeder Bischof oder Kirchenobere, der diese Männer schützt, müsste seinen Titel, seine Position verlieren, und müsste, falls notwendig ebenfalls ausgeschlossen werden. Und das schnell. Es kann sein, dass Franziskus Dinge tut, die die Päpste vor ihm nicht getan haben: Er zieht einige aus dem Verkehr, indem er sie zum Rücktritt bringt. Aber sie können immer noch ihr Gesicht wahren - ohne Ermittlungen gegen sie. Und das muss aufhören." Marie Collins, Missbrauchs-Überlebende

Früherer Vatikan-Botschafter fordert Rücktritt von Franziskus

Erst im Juli hatte der ehemalige Erzbischof von Washington Kardinal Theodore McCarrick seinen Titel verloren, als erster Kardinal seit langem. Viele andere Bischöfe aber blieben im Amt oder konnten ihren Titel behalten. Und ausgerechnet jetzt ist ein Schreiben aufgetaucht, in dem der ehemalige Nuntius in den USA Papst Franziskus schwere Versäumnisse im Fall McCarrick vorwirft und ihn zum Rücktritt auffordert.

Das Thema Missbrauch hat die Reise des Papstes ins einst katholischste Land Europas überschattet. Und Franziskus wird sich noch mit weiteren Fällen beschäftigen müssen. Nicht nur in Irland.

Autoren

Sendung

B5 aktuell vom 26.08.2018 - 22:00 Uhr