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Palmer: Retten Menschen, die möglicherweise sowieso bald sterben | BR24

© dpa-Bildfunk/Christoph Soeder

Boris Palmer über die Corona Maßnahmen: "Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einen halben Jahr sowieso tot wären".

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    Palmer: Retten Menschen, die möglicherweise sowieso bald sterben

    Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) kritisiert den Corona-Lockdown mit scharfen Worten. Man rette damit womöglich Menschen, "die in einem halben Jahr sowieso tot wären", sagte er. Nach massiver Kritik ist er zurückgerudert.

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    Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat erneut eine Lockerung der Corona-Maßnahmen gefordert und dabei drastische Worte gewählt. "Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen", sagte der Grünen-Politiker am Dienstag im Sat.1-Frühstücksfernsehen.

    Die Folge war Empörung. Inzwischen hat sich der Tübinger Oberbürgermeister, der immer wieder mit provokanten Äußerungen auffällt, entschuldigt. "Niemals würde ich älteren oder kranken Menschen das Recht zu leben absprechen", erklärte der Grünen-Politiker. Falls er sich "da missverständlich oder forsch ausgedrückt" habe, tue es ihm leid: "Ich habe darauf hingewiesen, dass die Methode unseres Schutzes so schwere Wirtschaftsschäden auslöst, dass deswegen viele Kinder sterben müssen. Das will ich nicht hinnehmen und fordere einen besseren Schutz unsere Risikogruppen ohne diese Nebenwirkungen."

    Auch Gegenwind aus der eigenen Partei

    Einige Kritiker nannten seine Äußerungen "menschenverachtend". Der Grünen-Politiker schüre Ängste von Millionen alter Menschen, sagte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Gegenwind bekam Palmer auch aus der eigenen Partei. Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag Katrin Göring-Eckardt etwa sagte der Funke Mediengruppe: "Unsere Verfassung ist eindeutig: Menschenwürde heißt auch, dass die Gesundheit jedes Menschen geschützt wird. Egal, wie alt wir sind."

    Im Sat.1-Frühstücksfernsehen hatte Palmer erklärt, es müsse unterschiedliche Sicherheitsvorkehrungen für Junge und Ältere geben. Seiner Meinung nach sind die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns gravierender und könnten etwa das Leben armutsbedrohter Kinder kosten.

    Palmer plädiert für strenge Quarantänemaßnahmen für Risikogruppen

    "Wenn Sie die Todeszahlen durch Corona anschauen, dann ist es bei vielen so, dass viele Menschen über 80 sterben - und wir wissen, über 80 sterben die meisten irgendwann", sagte Palmer. Er hatte schon früher die Politik zur Corona-Eindämmung kritisiert und für strenge Quarantänemaßnahmen für Risikogruppen sowie eine rasche Öffnung der restlichen Gesellschaft plädiert.

    Palmer empfahl in der Fernsehsendung darüber hinaus, alle verfügbaren Testkapazitäten einzusetzen, und sprach sich - anders als seine Partei - für eine verpflichtende Handyapp aus, die Infektionen nachverfolgt.

    Schwere Corona-Verläufe auch bei jüngeren Erwachsenen

    Der Direktor des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, Dietrich Rothenbacher, betonte dagegen, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung gebe.

    Laut einer Studie aus China starben in einer Patientengruppe von 35- bis 58-Jährigen 8,1 Prozent. "Die Gefährlichkeit einer Erkrankung kann auch nicht nur an der Zahl der absoluten Todesfälle festgemacht werden, sondern in der Tat sollte die Anzahl der verlorenen Lebensjahre benannt werden", teilte Rothenbacher mit. Diese Zahlen gebe es für Covid-19 noch nicht.

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