Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

"Palastrevolution" gegen Chef der Polizeigewerkschaft Wendt | BR24

© picture alliance/ZUMA Press

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizei Gewerkschaft

Per Mail sharen

    "Palastrevolution" gegen Chef der Polizeigewerkschaft Wendt

    Nach Informationen des ARD-Politmagazins report München gerät der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt verbandsintern zunehmend unter Druck. Insider sprechen bereits von einer "Palastrevolution".

    Per Mail sharen

    Wendt habe diese "Palastrevolution" selbst ausgelöst - mit seiner Ankündigung, sich 2020 noch einmal zur Wiederwahl zu stellen, dann drei Jahre nach seinem offiziellen Ausscheiden aus dem Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen. Dazu war es gekommen, nachdem Journalisten von report München berichteten, dass Wendt jahrelang ein Beamtengehalt kassiert hatte, ohne an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen.

    Fernbleiben vom Dienst war illegal

    Die Affäre beschäftigte zunächst den NRW-Landtag und dann die Staatsanwaltschaft. Die kam zu dem Schluss, dass Wendts Fernbleiben vom Dienst illegal war. Allerdings gelang es nicht, verantwortliche Vorgesetzte zu ermitteln, die diese Praxis angeordnet, gebilligt oder vertuscht hatten.

    DPolG Bayern gegen Wendt

    Als erster Landesverband hat sich inzwischen die DPolG Bayern zu Wendts Zukunftsplänen positioniert. Der mitgliederstärkste Landesverband teilte mit, er werde eine erneute Kandidatur von Rainer Wendt nicht unterstützen. Feinsinnig bedankten sich die Gewerkschafter aus dem Freistaat noch dafür, dass Wendt seine Kandidatur so früh bekannt gegeben habe. Dies mache es möglich, bereits jetzt nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für den neu zu wählenden Bundesvorstand Ausschau zu halten.

    Bayern fordern eine Satzungsänderung

    Die Gewerkschafter aus Bayern wollen auch eine Änderung der DPolG-Satzung durchsetzen. Das Ziel: Wer für den Bundesvorstand kandidiert, muss am Tag der Wahl noch im aktiven Polizeidienst sein. Und das trifft auf Rainer Wendt nicht zu. Unter dem Druck der Besoldungsaffäre hatte er sich vor über zwei Jahren in einer Blitzaktion in den Ruhestand versetzen lassen.

    Gegenkandidatin in Sicht

    Inzwischen ist auch eine Gegenkandidatin in Sicht. Auf einer Sitzung des Deutschen Beamtenbundes im oberbayerischen Starnberg teilte Kirsten Lühmann mit, dass sie sich im kommenden Jahr beim Bundesdelegiertentag um die Nachfolge von Rainer Wendt bewerben werde. Die Polizistin aus Niedersachsen bekleidet seit Jahren Spitzenpositionen in der Polizeigewerkschaft und deren Dachorganisation, dem Deutschen Beamtenbund.

    Kirsten Lühmann ist zudem seit zehn Jahren Abgeordnete des Bundestages und wird zum konservativen Flügel der SPD-Fraktion gezählt. Für eine Stellungnahme war Lühmann nicht zu erreichen. Die 55-Jährige gilt Insidern als kompletter Gegenentwurf zum bisherigen DPolG-Vorsitzenden Wendt. "Klar in der Sache, aber stets um Dialog und nicht um Konfrontation bemüht", so beschrieb ein bayerischer DPolG-Funktionär im Gespräch mit report München die Gegenkandidatin zu Rainer Wendt.