| BR24

 
 

Bild

Transplantationsmediziner entnehmen einem Verstorbenen ein Herz
© pa/dpa/Bernd Wüstneck
© pa/dpa/Bernd Wüstneck

Transplantationsmediziner entnehmen einem Verstorbenen ein Herz

Wenn es um das Transplantationsgesetz geht, hat Gesundheitsminister Jens Spahn praktisch nur Unterstützer. Als seine Reformvorschläge kürzlich zum ersten Mal im Bundestag diskutiert wurden, tat die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther etwas, das sie vermutlich nie tun wollte: Sie werde "zum Äußersten schreiten", sagte Kappert-Gonther.

Das "Äußerste" bestand in einem Lob für den Minister: "Das ist wirklich ein gutes Gesetz, was sie hier vorlegen." Weil das auch andere in Opposition so sehen, ist heute im Bundestag eine breite Mehrheit für Spahns Reform zu erwarten.

Transplantationsbeauftragte werden gestärkt

Eines der zentralen Elemente sind die Transplantationsbeauftragte. Das sind Ärzte, die in Kliniken als Schnittstelle zwischen Patienten, Angehörigen, behandelnden Ärzten und der Deutschen Stiftung Organtransplantation fungieren. Sie versuchen, herauszufinden, ob ein sterbender Patient nach dem Tod als Organspender in Frage kommt.

Der Gesetzentwurf des Gesundheitsministers sieht vor, dass Krankenhäuser den Transplantationsbeauftragten verbindlich von seinen sonstigen Aufgaben freistellen müssen – je nach Zahl der Intensivbetten für einige Stunden oder sogar komplett.

Spahn sagt, die Position des Transplantationsbeauftragten im Klinikalltag solle aufgewertet werden. Er solle besser an Informationen kommen und in die Lage versetzt werden, in Ruhe Gespräche mit Angehörigen potenzieller Organspender zu führen.

Bayern gilt in dieser Hinsicht als Vorbild. Im Freistaat ist per Gesetz geregelt, dass für jede Intensivstation ein Transplantationsbeauftragter freigestellt wird, sofern das Krankenhaus Organe entnimmt. Die Kosten für die Freistellung bekommen die Kliniken ersetzt. Genau das plant Jens Spahn jetzt für ganz Deutschland.

Die Kliniken bekommen mehr Geld

Und zwar auch dafür, dass sie ihre Kapazitäten für die Organspende bereitstellen: Ärzte, Pfleger, Operationssäle, Intensivbetten. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sagt: Bisher würden Kliniken eher bestraft, wenn sie sich um Organspenden kümmern. Die Vorbereitung der Organspende werde mit einer Pauschale bezahlt, die zu niedrig sei und keine Sonderkosten berücksichtige.

Auch künftig bekommen die Krankenhäuser eine Pauschale, die sich allerdings am tatsächlichen Aufwand orientieren soll. Außerdem gibt es einen Zuschlag dafür, dass die Kliniken ihre Infrastruktur bereitstellen.

Neurologische Rufbereitschaft wird eingerichtet

Organspender kann nur ein Patient sein, bei dem der Hirntod festgestellt wurde. Er wird dann durch intensivmedizinische Maßnahmen am Leben gehalten, damit die Organe weiter durchblutet werden. Damit immer ein dafür geschulter Facharzt bereit steht, der den Hirntod feststellen kann, muss ein Rufbereitschaftsdienst eingerichtet werden.

Gibt es durch all das künftig mehr Organspenden?

Ja – sagen zumindest die allermeisten Gesundheitspolitiker. Das allerdings sieht SPD-Mann Lauterbach nicht ganz so: Es nütze wenig, wenn man die Abläufe in Krankenhäusern optimiere und hinterher die Organspender fehlten.

Lauterbach ist einer der prominentesten Verfechter der Widerspruchslösung – was bedeuten würde, dass künftig grundsätzlich jeder Organspender ist, es sei denn, er widerspricht.

Darüber wird heute nicht entschieden – Thema in der Debatte dürfte es aber trotzdem werden. Und so wird es heute im Bundestag auch Streit geben – obwohl sich über das Transplantationsgesetz für bessere Strukturen bei der Organspende alle weitgehend einig sind.