BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Oppositionsführerin Tichanowskaja flieht aus Belarus | BR24

© pa / dpa

Swetlana Tichanowskaja

8
Per Mail sharen

    Oppositionsführerin Tichanowskaja flieht aus Belarus

    Nach der Präsidentenwahl in Belarus hat die Oppositionskandidatin Tichanowskaja das Land verlassen und hält sich nun im benachbarten Litauen auf. Die Gewalt in Weißrussland geht nach der angeblichen Wiederwahl von Präsident Lukaschenko weiter.

    8
    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Redaktion
    • Rüdiger Hennl

    Der litauische Außenminister Linas Linkevicius bestätigte im Kurznachrichtendienst Twitter, dass die weißrussische Präsidentschaftskandidatin sich in Litauen befindet.

    Tichanowskaja selbst sagte in einer Videobotschaft, dass sie aus eigenem Entschluss gegangen sei, um bei ihren beiden Kindern zu sein. Am Montag hatte die 37-Jährige noch bei einer Pressekonferenz erklärt, dass sie im Land bleiben werde und weiter kämpfen wolle. Nach Angaben des belarussischen Grenzschutzes verließ sie Land dann aber in der Nacht zum Dienstag.

    "Tichanowskaja hatte keine andere Wahl"

    Eine enge Vertraute Tichanowskajas, Olga Kowalkowa, sagte dem Internetportal tut.by zufolge, die Oppositionsführerin wolle vom sicheren Ausland aus weiter aktiv sein und ihren Sieg mit demokratischen Mitteln verteidigen. Die belarussischen Behörden selbst hätten die Kandidatin außer Landes gebracht: "Sie hatte keine Wahl. Wichtig ist, dass sie in Freiheit und am Leben ist." Tichanowskaja habe mit ihrer Flucht auch die Freilassung ihrer Wahlkampfleiterin Maria Moros erreicht. Moros sei eine "Geisel" gewesen, beide reisten demnach gemeinsam aus.

    Experten gingen zunächst nicht davon aus, dass die Ausreise Tichanowskajas zu einem Abflauen der Proteste führen wird. "Sie ist vor allem die Symbolfigur und kann auch aus dem Ausland mit Videos Botschaften senden", sagte die belarussische Analystin Maryna Rakhlei der Deutschen Presse-Agentur. Tichanowskaja sei zuletzt Gefahr gelaufen, verhaftet und wegen der Zerstörungen und Gewalt mit Toten und Verletzten angeklagt zu werden.

    In Litauen, das der EU und der NATO angehört und in der Vergangenheit schon öfter Zufluchtsort für Oppositionelle aus Belarus und Russland gewesen ist, war zuletzt die Sorge um Tichanowskajas Sicherheit gewachsen. Am Montag hatte Unklarheit über ihren Aufenthaltsort geherrscht und der litauische Außenminister äußerte seine Beunruhigung.

    Oppositionsführerin sieht sich als Wahlsiegerin

    Tichanowskaja hatte nach Angaben aus ihrem Umfeld nicht an den jüngsten Protesten gegen die angebliche Wiederwahl von Präsident Lukaschenko teilgenommen. Auf diese Weise habe man "Provokationen vermeiden" wollen, sagte Anna Krasulina, die Sprecherin der Präsidentschaftskandidatin. Diese hatte jedoch klargemacht, dass sie das offizielle Wahlergebnis nicht anerkennt und sich selbst als Gewinnerin der Wahl sieht.

    An die Regierung appellierte sie, zu überlegen, "wie sie die Macht friedlich an uns übergeben kann". Ursprünglich hatte Tichanowskajas Mann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, bei der Präsidentschaftswahl antreten wollen. Tichanowskaja kandidierte dann an seiner Stelle, nachdem ihr Mann inhaftiert und von der Wahl ausgeschlossen worden war.

    Polizeigewalt gegen Demonstranten

    Die politische Lage in Belarus ist weiterhin extrem angespannt: Die Polizei ging auch in der vergangenen Nacht erneut mit Gewalt gegen tausende Demonstranten vor, die gegen Lukaschenkos Regierung protestierten - dabei kam ein Mann ums Leben. Das Innenministerium ließ verlauten, er sei gestorben als ein Sprengkörper, den er auf Polizisten schleudern wollte, in seinen Händen explodierte. Darüber hinaus wurden laut einer Polizeisprecherin mehrere Menschen bei den Protesten verletzt. Eine genaue Zahl der Verletzten nannte sie nicht.

    Große Zweifel an offiziellem Wahlergebnis

    Die Demonstranten werfen dem seit 26 Jahren autoritär regierenden Lukaschenko massiven Wahlbetrug vor. Laut dem offiziellen Wahlergebnis soll er am Sonntag mit mehr als 80 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit wiedergewählt worden sein. Tichanowskaja, die im Vorfeld der Wahl großen Zulauf bei ihren Kundgebungen hatte, soll nur auf knapp zehn Prozent gekommen sein. Regierungsgegner sind sich sicher, dass in Wahrheit Tichanowskaja die meisten Stimmen bekommen hat. Auch die Bundesregierung und die EU-Kommission äußerten massive Zweifel an dem offiziellen Wahlergebnis.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!