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"Operation Condor" erstmals als Verbrechen gebrandmarkt | BR24

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Demonstranten in Argentinien fordern, dass die Verbrechen geandet werden.

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"Operation Condor" erstmals als Verbrechen gebrandmarkt

In einem historischen Prozess hat ein argentinisches Gericht langjährige Haftstrafen gegen südamerikanische Ex-Militärs verhängt. Erstmals haben Richter damit die "Operation Condor" als grenzüberschreitendes Verbrechen anerkannt. Von Anne Herrberg

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20 Jahre Haft für Reynaldo Bignone, den letzten Junta-Chef der argentinischen Diktatur. 25 Jahre für Ex-Militär Manuel Cordero Piacentini aus Uruguay. Zwei von insgesamt 15 langjährigen Haftstrafen für ehemalige Militärs in einem historischen Prozess.

Erhobene Fäuste und dann Applaus im Zuschauersaal bei den Angehörigen. Es sind nicht nur Argentinier. Denn diesmal geht es um Verbrechen im Rahmen des so genannten Plan Condor, der "Operation Condor". So hatten Südamerikas Militärregimes ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit getauft.

"Justiz hat gute Arbeit geleistet"

"Es ist wirklich ein Urteil, mit dem ich sehr zufrieden bin. Die argentinische Justiz hat gute Arbeit geleistet. Zum ersten Mal ist ein Uruguayer im Fall meiner verschwundenen Mutter und meiner Vaters verurteilt worden. Das ist alles sehr bewegend." Macarena Gelman aus Uruguay

Ihre Eltern wurden 1976 während der argentinischen Militärdiktatur entführt und in das geheime Folterzentrum "Autowerkstatt Orletti" in Buenos Aires gebracht. Der Vater Marcelo wurde dort ermordet. Die Mutter Maria Claudia - damals schwanger mit Macarena - nach Uruguay deportiert. Bis heute ist sie verschwunden.

Macarena wuchs als Adoptivkind auf, bis ihr Großvater, der argentinische Dichter Juan Gelman, sie ausfindig machte. So erfuhr sie, damals schon 23 Jahre alt, von ihrer wahren Identität. Es sind Schicksale wie die der Gelmans, die vor Augen führen, wie gut vernetzt die Repressionsapparate während der "Schmutzigen Kriege" in Südamerika funktionierten.

"Eine kriminelle Vereinigung"

Horacio Verbitsky ist Vorsitzender des Zentrum für soziale und legale Studien und trat gemeinsam mit Menschenrechtsgruppen als Kläger auf:

"Zum ersten Mal hat die Justiz eines amerikanischen Landes erklärt, dass es eine systematische, grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Militärdiktaturen Südamerikas gab. Es war eine kriminelle Vereinigung, um Verbrechen zu begehen. Und dafür wurden lange Haftstrafen vergeben. Das ist das Bemerkenswerte dies Urteils."

Ein perfides Bollwerk gegen linke Strömungen, das in Washington in Zeiten des Kalten Krieges wohl zumindest gebilligt wurde. Dokumente über die genaue und viel kritisierte Rolle der USA lagen in diesem Prozess aber nicht vor. Seit dem Jahr 2013 sind darin 105 Fälle untersucht worden - aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay.

© operation-condor-urteil-104

Argentiniens ehemaliger Militärdiktator Reynaldo Bignone