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Online First: Die Serienoffensive von ARD und ZDF | BR24

© BR/Michael Meyer

Rund ein Dutzend Serien von ARD und ZDF sollen ihre Premiere nicht mehr zuerst im Fernsehen haben, sondern in der Mediathek. Wie wird das das Programm der Öffentlich-Rechtlichen verändern? Werden auch die Serien selbst anders gestaltet werden?

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Online First: Die Serienoffensive von ARD und ZDF

Rund ein Dutzend Serien von ARD und ZDF sollen ihre Premiere nicht mehr zuerst im Fernsehen haben, sondern in der Mediathek. Wie wird das das Programm der Öffentlich-Rechtlichen verändern? Werden auch die Serien selbst anders gestaltet werden?

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Der Kampf der Bierbrauer in "Oktoberfest 1900" ist eines jener Serien-Events, mit denen das Erste punkten will in diesem Herbst. Die Serie rund um das Entstehen des Traditionsfestes war zuerst online abrufbar, bevor sie im Ersten lief. Ein weiteres Highlight: Die dritte Staffel der Krimiserie "Babylon Berlin" ab Oktober. Diese Serie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die ARD verstärkt in diesen Bereich investieren will.

Neue Zielgruppen ansprechen

200 Millionen Euro stellt die ARD in den nächsten Jahren für hochwertige Serienproduktionen zur Verfügung. WDR-Fernsehdirektor und Fiction-Koordinator Jörg Schönenborn meint, dass nach Jahren der Fokussierung auf die klassischen Seriensendeplätze im Ersten jetzt neue Zielgruppen angesprochen werden sollen: Man wolle das Signal geben, dass die Öffentlich-Rechtlichen nicht nur für Fernsehzuschauer Serie können, sondern auch für die nicht-linearen Plattformen.

Serien-Angebot der ARD verändert sich

Die Serienoffensive der ARD beinhaltet außerdem Krimis wie "Das Geheimnis des Totenwaldes", Comedyserien wie "Ethno" über einen marokkanischen Einwanderer oder "Parlament", eine Satire über das Europäische Parlament. Durch diese Vielzahl an neuen Serienproduktionen verändert sich laut Schönenborn das Angebot der ARD. An vielen Stellen werde es weniger Film und mehr Serie geben - mit sechs oder zwölf Folgen. Das habe den Vorteil, dass mit der Mediathek auch Zielgruppen erreicht werden, die weniger fernsehen.

In der Konsequenz heißt das auch: So mancher Mehrteiler kann und darf auch etwas spitzer und kantiger werden als das bislang der Fall war. Nicht alle Neuproduktionen werden daher im Ersten laufen, kleinere Serienproduktionen werden später dann im Spartenkanal ONE gezeigt.

Netflix und Amazon etwas entgegensetzen

Ein ähnliches Konzept verfolgt das ZDF, das mit seinen Serienproduktionen beim Spartenkanal zdf.neo schon seit längerem erfolgreich ist. Schon 2016 schickte das Zweite mit "Tempel" eine Serie eigens für zdf.neo und die Mediathek ins Rennen. Florian Kumb, Chef der Programmplanung beim ZDF bestätigt, dass das Zweite, ebenso wie die ARD, mit ihren Offensiven den Konkurrenten von Netflix und Amazon etwas entgegensetzen wollen. Auch hierzulande wenig beackerte Genres wie Mystery oder Horror seien mittlerweile in der Produktion. Klar sei aber auch, dass der Kampf um gute Stoffe, Autoren, Regisseure in Deutschland härter geworden sei.

Er gibt aber auch zu bedenken, dass Netflix und Amazon eine Handvoll eigene Serien pro Jahr produzieren, wohingegen die Öffentlich-Rechtlichen viel mehr Produktionsvolumen an den Markt gäben.

Nachteil: Verweildauer in der Mediathek

Ein großer Nachteil bleibt den Öffentlich-Rechtlichen allerdings: Aus rechtlichen und finanziellen Gründen können ARD und ZDF die Serien nicht so lange in den Mediatheken lassen wie Netflix und Co. Zwar seien die Fristen deutlich länger geworden, aber alle Serien könne man leider nicht in den Mediatheken auf ewig belassen, so Florian Kumb.

Das ZDF produziert, ebenso wie die ARD manche Serie in Zusammenarbeit mit dem französischen oder skandinavischen Fernsehen. Gelegentlich - wie bei "Babylon Berlin" in der ARD oder "8 Tage" im ZDF - kooperiert man auch mit dem Bezahlsender SKY.

Startseite der Mediathek als neue Primetime

Die Zusammenarbeit der europäischen Produzenten wird spannende Resultate hervorbringen, meint Frank Beckmann, Fernsehdirektor des NDR und Koordinator der Vorabendprogramms in der ARD. Der NDR hat beispielsweise immer stark mit den Skandinaviern zusammengearbeitet, viele neue Formate oder Genre-Serien seien da denkbar: Das werde "ein Boost sein für alle Kreativen". Er fasst zusammen: "Die Startseite der Mediathek ist jetzt die neue Primetime."

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