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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Eugene Hoshiko

Olympia in Tokio: viele Tests, keine Quarantäne und ein Haufen Krankenschwestern

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Olympia in Tokio: So soll es Sicherheit für die Athleten geben

Drei Monate vor der olympischen Eröffnungsfeier hat Japan den dritten Corona-Notstand ausgerufen. Trotzdem laufen die Vorbereitungen für die Spiele auf Hochtouren: Zahlreiche Tests und hunderte Krankenschwestern sollen den Sportlern Sicherheit geben.

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Von
  • Kathrin Erdmann
  • Ines Schneider

Genau drei Monate vor der olympischen Eröffnungsfeier hat Japan den Corona-Notstand für mehr als 30 Millionen Menschen in Präfekturen ausgerufen. Tokio zum Beispiel wird nach 20 Uhr bis auf die Straßenbeleuchtung verdunkelt, die berühmten Neonreklamen ausgeschaltet. Die Menschen sollen so zusätzlich bewegt werden, daheim zu bleiben. Private Beschränkungen - auch zugunsten des Festhaltens an Olympia. In der Bevölkerung schrumpft der Zuspruch für die Sommerspiele indes weiter. Ungeachtet dessen wird unter Hochdruck weiter am gesundheitlichen Sicherheitskonzept für die Sportler gefeilt.

Testen - aber keine Quarantäne

Alle Olympioniken sollen bei den Sommerspielen in Tokio täglich auf das Coronavirus getestet werden und müssen in einer "Bubble" bleiben - eine 14-tägige Quarantänepflicht nach der Einreise soll es dagegen nicht geben. Diese Präzisierungen sollen Bestandteil des zweiten Playbooks, also des Handbuchs für Athleten sein, das die Organisatoren und das Internationale Olympische Komitee (IOC) veröffentlicht haben. Playbooks mit Hinweisen für die Medien wird es auch geben; die endgültigen Fassungen mit Grundregeln für alle Olympia-Teilnehmer sollen dann im Juni erscheinen.

Wegen Corona: Keine Kontakte nach außen

Die sogenannte Blase umfasst das Olympische Dorf an der Tokio-Bucht, die Wettkampfstätten und Trainingseinrichtungen. Da die Quarantäne entfällt, können die Sportler sofort nach der Ankunft mit dem Training beginnen. Athleten und alle Begleiter müssen allerdings 96 Stunden vor ihrer Abreise nach Tokio zweimal getestet sein; denn auch bei der Einreise nach Japan ist ein Corona-Test vorgeschrieben, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

500 zusätzliche Krankenschwestern sollen helfen: Wegen der Hitze

Was der japanischen Bevölkerung zusätzlich aufstößt: Es werden wohl Krankenschwestern für die Athleten abgestellt, die sich um "Hitzeopfer" kümmern sollen. Denn: Es wird im Juli und August sehr, sehr warm in Tokio sein. Jedes Jahr führen die hohen Temperaturen, gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit zu Hitzeschlägen. Und dieses Jahr, so sagen es Meteorologen voraus, könnte es noch ein bisschen unangenehmer werden.

"Wir erwägen, 500 zusätzliche Krankenschwestern anzufragen. Natürlich darf es auf keinen Fall die lokale medizinische Versorgung beeinträchtigen." Toshiro Muto, Geschäftsführer des japanischen Organisationskomitees

Doch kaum war dieser Satz gesprochen, empörten sich viele Menschen in den sozialen Netzwerken. Ausgerechnet in dem Moment, in dem der dritte Notstand verhängt wurde, ausgerechnet der Moment, in dem die Kurve der Todeszahlen, die Zehntausender-Marke übersprang und es immer wieder Meldungen gibt, dass Menschen kein Krankenhausbett finden.

Experten arbeiten an Schutzregeln für alle Olympia-Beteiligten

Wie genau alle anderen Anti-Covid-Maßnahmen aussehen sollen, ist ab jetzt Sache eines Runden Tisches. Der Runde Tisch besteht aus sechs Experten, unter anderem Akademikern. Sie werden sich bis zu den Spielen insgesamt viermal treffen. Während die einen mit der organisatorischen Vorbereitungen beschäftigt sind, kümmern sich die anderen um das eigentlich Wichtigste: den Sport. Knapp vor Olympia gibt es zahlreiche Testwettkämpfe: Um zu sehen, ob die Tests halten, was sie versprechen. Bei den Wettkämpfen im Aquatic Center waren kürzlich die Para-Schwimmer am Start. Im Anschluss bekamen dann Journalistinnen und Journalisten einen Vorgeschmack auf das, was auf alle zukommt.

"Wir kommen nur mit negativen PCR-Test in die Schwimmhalle. Da steht dann Desinfektionsmittel, und wir mussten zwei Wochen täglich unsere Temperatur messen. Erst dachte ich, das wäre stressig. Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Heute früh habe ich meine Temperatur gemessen, aufgeschrieben und am Eingang vorgezeigt." Mayumi Narita, Para-Schwimmerin

Nur wenn sich alle an diese Vorgaben halten würden, könnten die Wettkämpfe auch durchgeführt werden. Das müsse jedem klar sein, so die Para-Schwimmerin aus Tokio. Aller Planungen zum Trotz: Wegen der aktuell bedenklichen Corona-Lage in Japan und auch vielen anderen Ländern halten sich hartnäckige Zweifel, ob Olympia und Paralympics wirklich in diesem Sommer ausgetragen werden können. Das größte Sportereignis dieses Jahres soll am 23. Juli beginnen.

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