BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Offensive in der Türkei: UNHCR warnt vor neuer Fluchtbewegung | BR24

© REUTERS / RODI SAID

Kurden verlassen die nordsyrische Grenzstadt Ras al Ain

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Offensive in der Türkei: UNHCR warnt vor neuer Fluchtbewegung

Angesichts des Beginns der türkischen Offensive in Nordsyrien fürchtet das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR eine neue Fluchtbewegung. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind schon Tausende Zivilisten auf der Flucht.

5
Per Mail sharen
Teilen

Angesichts der Offensive der Türkei in Nordsyrien warnt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR vor neuen schwerwiegenden Folgen für die Region.

Er fürchte, dass "erneute Kampfhandlungen zu neuen Fluchtbewegungen und neuer Vertreibung innerhalb Syriens führen werden", sagte der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, der "Welt". Bartsch betonte zudem, dass die "Ressourcen der humanitären Akteure in und um Syrien im neunten Kriegsjahr längst am Limit" seien.

"Deutschland kann sich nicht abschotten"

Auch der Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Johannes Varwick warnte in der Zeitung vor neuen Fluchtbewegungen und den Auswirkungen des türkischen Einmarsches in die Region.

"Wenn nun die Kurden im Zuge der türkischen Invasion aus Nordsyrien vertrieben werden, dann löst das gewiss eine neue Flüchtlingskrise aus, die die Region weiter destabilisiert." Johannes Varwick, Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Dagegen würden sich auch Europa und Deutschland "nicht abschotten können", so Varwick. Den westlichen Staaten warf er "Passivität" angesichts des türkischen Einmarsches vor.

"Flüchtlingstragödie auf Betreiben Erdogans"

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warf den EU-Innenministern angesichts der Eskalation der Türkei-Syrienkrise "Totalversagen" vor, da sie die Situation nur "unter dem Gesichtspunkt der Flüchtlingsabwehr" sähen.

"Vor Erdogans militärischer Offensive in Nordsyrien verschließen die EU-Innenminister komplett die Augen. Dabei bahnt sich in Nordsyrien die nächste Flüchtlingstragödie an - auf Betreiben Erdogans." Günter Burkhardt, Geschäftsführer Pro Asyl

Der Einmarsch der Türkei in Nordsyrien werde zu einer weiteren Eskalation des Konflikts in Syrien führen und noch mehr Flucht und Verfolgung vor allem innerhalb der kurdischen Bevölkerung verursachen, so Burkhardt. Erdogans Politik sei "nicht nur menschenrechtsverletzend, sondern fluchtverursachend", dennoch "hofiere" die EU weiter die Führung der Türkei.

Tausende verlassen ihre Heimat

Nach Augenzeugenberichten hat die Offensive türkischer Truppen in den Kurdengebieten in Nordsyrien bereits die Flucht Tausender Menschen ausgelöst. Massen von Zivilisten würden die Stadt Tel Abyad, die auf der syrischen Seite der Grenze genau gegenüber der türkischen Stadt Akcakale liegt, verlassen, sagte ein Zeuge. Auch aus der ebenfalls unmittelbar an der Landesgrenze gelegenen Stadt Ras al Ain flohen Tausende Menschen.

© BR/Jürgen Stryjak

Die türkische Armee ist nach dem Start ihrer Offensive in Nordsyrien inzwischen auch mit Bodentruppen vorgedrungen.