BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Offener Antisemitismus in bayerischen KZ-Gedenkstätten | BR24

© BR

Dr. Jörg Skriebeleit, der Leiter der Gedenkstätte im KZ Flossenbürg, äußert sich im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk zu Provokationen von Rechten in KZ-Gedenkstätten.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Offener Antisemitismus in bayerischen KZ-Gedenkstätten

In Bayern erinnern die Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg an die Gräueltaten der Nazis. Immer wieder kommt es dort zu antisemitischen Vorfällen.

4
Per Mail sharen

Schmierereien, Störaktionen, durch Kleidung zur Schau gestellte Nazi-Symbolik: Antisemitische Vorfälle und Provokationen in KZ-Gedenkstätten gibt es immer wieder. Auch in Bayern. Jörg Skribeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg in der Oberpfalz, kann sehr schnell einige Beispiele aufzählen wie eine Sprühaktion 1987 oder die Störung einer Gedenkfeier vor fünf Jahren mit einem Transparent. Das käme zyklisch und habe mit gesellschaftlichen Zuständen zu tun, so Skribeleit.

Gezielte Aktionen aus dem rechtsextremistischen Spektrum

Fast immer handelt es sich um gezielte Aktionen aus dem rechtsextremistischen Spektrum, sagt der Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg. In den vergangenen Jahren blieb es aber ruhig. Es gab keine weiteren antisemitischen Vorkommnisse. Sämtliche Mitarbeiter seien für das Problem sensibilisiert, zwischen den einzelnen Gedenkstätten und den Sicherheitsbehörden finde ein reger Austausch statt, erzählt der Leiter:

"Wir versuchen zusammen mit den Behörden, mit denen wir sehr offen zusammen arbeiten, Gefahrenpotenziale im Vorfeld auszuschließen - auch mit Blick auf den 75. Jahrestag." Jörg Skribeleit

In den vergangenen Jahren gab es keine antisemitischen Vorkommnisse. Anders in Dachau: Dort kam es in der KZ-Gedenkstätte im vergangenen Jahr zu einem Vorfall, der bundesweit für Aufsehen sorgte: Ein bekannter Rechtsextremer und ehemaliger Grundschullehrer drehte dort vor dem Eingang der Gedenkstätte ein hetzerisches Video, provozierte eine Mitarbeiterin und leugnete vor einer Gruppe Schülern den Holocaust.

10.000 Euro Strafe wegen Volksverhetzung

Der selbsternannte "Volkslehrer" bekam Hausverbot. Der Vorfall hatte auch rechtliche Konsequenzen: Der Mann wurde wegen Volksverhetzung angeklagt und zu rund 10.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Doch auch hier habe es sich um einen Einzelfall gehandelt, sagt die Leiterin der Dachauer Gedenkstätte Gabriele Hammermann.

Ein Einzelfall, der trotzdem sehr ernst genommen werde, gerade auch mit Blick auf ähnliche Vorkommnisse in anderen Bundesländern, wie Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle betont.

"Wir haben ja aus der Bundesrepublik Fälle, wo Besucher die von Bundestagsabgeordneten einer bestimmten Partei eingeladen waren, das genutzt haben, um dort nationalsozialistisches Liedgut zu grölen oder den Holocaust zu leugnen." Ludwig Spaenle

Charlotte Knobloch: "Es fehlt der Aufschrei der Gesellschaft"

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagte mit Blick auf sich häufende antisemitische Vorfälle in Bayern, ihr fehle der Aufschrei der Gesellschaft. Sie begrüße die Forderung von Ministerpräsident Söder nach schärferen Gesetzen.

© BR

Statement von Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau