Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Özdemir: "Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen" | BR24

© picture-alliance/dpa Silas Stein

Cem Özdemir

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Özdemir: "Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen"

Cem Özdemir, ehemaliger Bundesvorsitzender der Grünen, nimmt heute Abend bewusst am Staatsbankett mit dem türkischen Präsidenten teil. "Ich gehe gerade deshalb dahin, weil ich ein Kritiker von Erdogan bin", so Özdemir im BR-Interview.

Per Mail sharen

Im Interview mit der Bayern 2 radioWelt am Morgen sagte er: "Ich gehe gerade deshalb dahin, weil ich ein Kritiker von Erdogan bin. Weil ich ihn damit konfrontieren möchte, dass das, was er in der Türkei macht, die Opposition auszusperren, in Deutschland nicht funktioniert. Hier gehört die Opposition mit dazu und er muss es aushalten, dass mit meiner Anwesenheit ihn jemand daran erinnert, dass nicht alles Friede Freude Eierkuchen ist."

Özdemir bedauert: Staatsbesuch statt Arbeitstreffen

Der Grünen Politiker hätte es besser gefunden, wenn Erdogans Besuch ein Arbeitstreffen gewesen wäre. Cem Özdemir erwartet von der Bundesregierung dennoch klare Worte.

"Ich hoffe vor allem, dass die Bundesregierung und der Bundespräsident selber, die unangenehmen Themen nicht aussparen werden.“ Cem Özdemir, Grünen-Politiker

Die Liste an Themen, über die gesprochen werden muss, sei lang, meint Özdemir. „Ich glaube, die Agenda ist sehr unterschiedlich. Erdogan braucht Geld, weil er die Wirtschaft an die Wand gefahren hat, und wir müssen ihn mit der Wirklichkeit konfrontieren."

Türkei müsse für Rechtssicherheit für deutsche Firmen sorgen

Erdogan hatte unter anderem vorgeschlagen, dass sich Deutschland und die Türkei in Wirtschaftsfragen gegenüber den Amerikanern besser abstimmen. Özdemir sieht da aber zunächst Handlungsbedarf in der Türkei: "Zuerst muss die Türkei für Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen sorgen. Noch vor wenigen Monaten wurde eine besonders absurde Liste, sogenannte Terrorliste in der Türkei veröffentlicht," erinnerte Özdemir, "auf der fanden sich beispielsweise Siemens, Daimler, BASF." Erst als daraufhin die Bundesregierung gedroht hatte, die Hermesbürgschaften zu überdenken, habe die Türkei die Liste zurückgezogen, so Özdemir. "Das zeigt: Wenn Berlin möchte, dann kann Berlin einiges erreichen in der Türkei, das setzt Entschlossenheit voraus", sagte der Grünen Politiker.